Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 10

22 | ZAHNMEDIZIN AUẞERGEWÖHNLICHE VERLETZUNGSKONSTELLATION DER OBERKIEFERFRONT Traumatische Implantatintrusion mit Reposition und Re-Osseointegration Nasim Ayad, Maximilian Roth, Martin Kunkel Nach einem epileptischen Sturz kam es zur vollständigen Intrusion eines osseointegrierten Implantats im Bereich der Oberkieferfront mit Aufsprengung des alveolären Knochensegments. Trotz der Lockerung mit Verlust der knöchernen Integration konnte durch eine offene chirurgische Reposition des Alveolarfortsatzes sowie die Stabilisierung und Kompression mittels Schraubenosteosynthese eine erneute Osseointegration des Implantats erreicht werden. Eine 58-jährige Patientin mit einer bekannten Epilepsie, einer mentalen Retardierung und einem Nikotinabusus wurde nach einem generalisierten epileptischen Anfall notfallmäßig vorgestellt. Während des Anfalls war die Patientin frontal auf die Oberkieferfront gestürzt (Abbildung 1). Die radiologische Untersuchung des Kopf-Hals-Bereichs mittels CT zeigte eine Alveolarfortsatzfraktur von Regio 22 bis 12. Zusätzlich waren die klinischen Kronen der Zähne 11 und 21 stark intrudiert, wobei Zahn 11 zuvor durch ein Implantat ersetzt worden war (Abbildung 2). Das Implantat erschien radiologisch intakt, jedoch konnten strukturelle Schäden nicht sicher ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund wurde die Indikation zur chirurgischen Exploration gestellt. Die operative Versorgung erfolgte in Intubationsnarkose. Intraoperativ zeigte sich eine deutliche Dislokation des alveolären Segments mit Aufsprengung der bukkalen Kortikalis (Abbildung 3). Das Implantat selbst war nicht beschädigt, die Keramik der Implantatkrone allerdings teilweise abgesprengt. Um eine anatomische Reposition des frakturierten Alveolarfortsatzes zu erreichen, wurde das Implantat kurzzeitig entnommen und extrakorporal gelagert. Eine instrumentelle Bearbeitung und eine chemische Behandlung der Implantatoberfläche erfolgten nicht. Nach anatomischer Reposition des Knochensegments wurde das Implantat reinseriert. Aufgrund der traumatischen Aufdehnung des Knochens war eine exakte Orientierung an den Knochenkonturen der ursprünglichen Implantatposition nicht vollständig möglich, so dass die finale Position arbiträr anhand der Okklusion und der Stellung der Nachbarzähne bestimmt wurde. Anschließend erfolgte eine Stabilisierung des alveolären Segments mittels Zugschraubenosteosynthese (Abbildungen 4 und 5). Als zusätzliche Stabilisierung der dentoalveolären Situation wurde eine Abb. 1: präoperatives klinisches Bild – subtotale Intrusion des Implantats in Position i11 zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (784) ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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