Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 10

zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (790) 28 | PRAXIS Aber auch im laufenden Betrieb können Engpässe auftreten, etwa durch:  den Ausfall eines Behandlers,  ungeplante Reparaturen oder Investitionen,  steigende Personalkosten,  verspätete Zahlungseingänge,  hohe Steuerzahlungen  oder zu hohe Privatentnahmen. Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. In vielen Fällen liegen die Ursachen von Liquiditätsengpässen nicht primär im Praxisbetrieb, sondern im Privatbereich. Die Praxis erwirtschaftet zwar ausreichend Mittel, doch der private Mittelabfluss ist dauerhaft höher als wirtschaftlich tragbar. Deshalb empfiehlt es sich, für den privaten Konsum ein klares Budget festzulegen. Wie sich Engpässe vermeiden lassen Liquiditätsmanagement beginnt nicht erst beim Engpass. Es bedeutet, Zahlungsfähigkeit aktiv vorauszuplanen. Ein wesentlicher Baustein ist die Bildung von Rücklagen. Idealerweise sollte der ermittelte Liquiditätsbedarf – also die Fixkosten – für mindestens 1,5 Monate durch freie Mittel abgedeckt sein. So lassen sich unerwartete Ereignisse – etwa Umsatzrückgänge, Krankheit, Investitionsspitzen oder zeitverzögerte Zahlungseingänge – viel besser auffangen. Ebenso wichtig ist eine frühzeitige Steuerplanung. Steigende Gewinne führen regelmäßig zu höheren Einkommensteuervorauszahlungen und nicht selten auch zu Nachzahlungen. Diese Belastung kommt nicht überraschend, wenn der Steuerberater die Entwicklung laufend hochrechnet und rechtzeitig auf entstehende Steuerlasten hinweist. Besonders tückisch ist, dass Gewinnsteigerungen nicht nur durch steigende Einnahmen entstehen können, sondern auch durch den Wegfall von Abschreibungen. Dann steigt die Steuerbelastung, ohne dass sich an den laufenden Geldeingängen etwas geändert hat. Auch das muss in der Liquiditätsplanung mitgedacht werden. In Gründungs- und Wachstumsphasen hilft zudem ein konsequentes Rechnungs- und Forderungsmanagement. Eine zeitnahe Rechnungsstellung, die Überwachung des Zahlungseingangs und gegebenenfalls der Einsatz von Factoring können die Zeit zwischen Leistung und Liquiditätszufluss erheblich verkürzen. Bei Berufsausübungsgemeinschaften sollten darüber hinaus die Entnahmerechte der einzelnen Gesellschafter regelmäßig anhand der Kapitalkontenentwicklung überprüft werden. Nur so lässt sich erkennen, ob einzelne Partner dauerhaft Über- oder Unterentnahmen tätigen. Übermäßige Entnahmen können zu Einlageverpflichtungen führen, die spätestens bei Auflösung der BAG ausgeglichen werden müssen. Gerade in Gemeinschaftspraxen ist eine saubere Liquiditäts- und Entnahmesteuerung deshalb besonders wichtig. Fazit Die BWA zeigt, ob eine Praxis wirtschaftlich erfolgreich arbeitet. Die Liquiditätsrechnung zeigt, ob sie finanziell handlungsfähig bleibt. Genau deshalb ist Seite 2 der BWA in vielen Fällen mindestens so wichtig wie Seite 1 – häufig sogar wichtiger. Wer seine Liquiditätsrechnung regelmäßig analysiert, versteht den Unterschied zwischen Gewinn, Investition, Tilgung und Entnahme. Er erkennt frühzeitig, ob sich aus einem guten Ergebnis auch tatsächlich finanzieller Spielraum ergibt. Und er kann Investitionen, Steuerzahlungen und Privatentnahmen so steuern, dass die Praxis dauerhaft zahlungsfähig bleibt. Liquiditätsmanagement ist somit kein Nebenthema für Krisenzeiten. Es ist ein zentrales Führungsinstrument jeder unternehmerischen Zahnarztpraxis – und damit der konsequente Schlusspunkt dieser Serie.  SERIE „BETRIEBSWIRTSCHAFT IN DER PRAXIS“  Teil 1 (zm 1-2/2026): Warum Zahnärzte Unternehmer sind und wie sie die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) richtig lesen und verstehen.  Teil 2 (zm 4/2026): Frühwarnsystem Praxissoftware: Warum eine BWA nur bedingt aussagekräftig ist und um Informationen aus der Praxissoftware ergänzt werden muss.  Teil 3 (zm 6/2026): Diese fünf Kennzahlen sollte jeder Zahnarzt kennen: Um den Überblick nicht zu verlieren, reicht es oft, sich auf wenige Kennzahlen zu fokussieren.  Teil 4 (zm 8/2026): ProfitcenterRechnungen: Ist das Eigenlabor rentabel? Welche Umsätze muss die Prophylaxe-Abteilung pro Stunde erbringen, um die laufenden Kosten zu decken? Diese Informationen kann man durch Abteilungs-Rechnungen sichtbar machen.  Teil 5: Liquiditätsmanagement: Jede BWA hat eine Seite 2 – die Liquiditätsrechnung. Aber nur die wenigsten Inhaberinnen und Inhaber schauen sich diese Information an, dabei ist sie oft wichtiger als die erste Seite der Gewinnermittlung. Bernhard Fuchs Kanzlei Fuchs & Stolz, Volkach Steuerberater Zahnärzteberatung Foto: privat Marcel Nehlsen Steuerberater, Diplom-Finanzwirt & Fachberater für das Gesundheitswesen Kanzlei Laufenberg Michels und Partner, Köln Foto: privat

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