Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 10

zm116 Nr. 10, 16.05.2026, (770) Leserforum Euer Artikel fasst den aktuellen Konsens super zusammen, danke. Zwei entscheidende Punkte wurden für die Diskussion um ein stabiles Langzeitergebnis jedoch nicht angesprochen: der X-Effekt bei festsitzenden Retainern und die myofunktionelle Stabilität. Zum einen fehlt das kritische Bewusstsein für das „Wire Syndrome“ (X-Effekt). Auch wenn Twistflex-Retainer für manche noch als Standard gelten, sehe ich in der Praxis regelmäßig massive Rotationen und Kippungen bei völlig intakten Klebestellen. Diese Drähte entseilen sich durch okklusale Belastung, werden ungewollt zur Torsionsfeder und hebeln die Wurzel aus dem Parodont. Aus Sorgfaltspflicht flicke ich partiell gelöste TwistflexRetainer daher prinzipiell nicht mehr. Ein Nachkleben provoziert möglicherweise einen iatrogenen X-Effekt. Das ist aus meiner Sicht biomechanisch der einzige sichere Weg. Zum anderen greift die rein mechanische Retention zu kurz, wenn die biologische Basis ignoriert wird. Eine dauerhafte Retention erfordert – fallabhängig – myofunktionelle Stabilität durch interdisziplinäre Kooperation mit der Logopädie. Die physiologische Zungenruhelage am Gaumen ist elementar, um das erreichte Ergebnis in der Transversalen zu stabilisieren. Ebenso müssen Zungendysfunktionen, insbesondere das viszerale Schluckmuster, konsequent abtrainiert werden. Ohne diese muskuläre Umprogrammierung ist eine erneute Frontzahnstufenbildung oder Bissöffnung oft nur eine Frage der Zeit – völlig unabhängig vom verwendeten Retainer. Dr. Moritz Göde München RETAINER IN DER KIEFERORTHOPÄDIE Zwei entscheidende Punkte wurden nicht angesprochen Leserbrief zur Titelgeschichte „Ohne Retention kein stabiles Ergebnis?“ in zm 7/2026, S. 36–44 Die zm-Redaktion ist frei in der Annahme von Leserbriefen und behält sich sinnwahrende Kürzungen vor. Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch in der digitalen Ausgabe der zm und bei www.zm-online.de zu veröffentlichen. Bitte geben Sie immer Ihren vollen Namen und Ihre Adresse an und senden Sie Ihren Leserbrief an leserbriefe@zm-online.de oder an die Redaktion: Zahnärztliche Mitteilungen, Chausseestr. 13, 10115 Berlin. Anonyme Leserbriefe werden nicht veröffentlicht. Foto: ©Federico Rostagno - stock.adobe.com

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