Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 13-14

EDITORIAL | 3 Zurück in die Vergangenheit Bei einer immer älter werdenden Gesellschaft kommt der Alterszahnmedizin eine immer bedeutendere Rolle zu. Doch die zahnärztliche Betreuung älterer und vulnerabler Patienten ist für viele Zahnarztpraxen immer noch ein Randthema. Unsere Experten zeigen in diesem Heft mithilfe von Entscheidungs- und Abrechnungshilfen, wie Praxen Patientinnen und Patienten mit Einschränkungen erkennen, behandeln und in ihre Praxisabläufe integrieren können – ohne dass dies zum Verlustgeschäft wird. Außerdem zeigen wir in dieser Ausgabe wieder einmal, welche Kunst Sie in Ihren Praxen hängen oder stehen haben. Lassen Sie sich überraschen und inspirieren. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur Unsere Bundesregierung demonstriert absoluten Reformwillen und präsentierte Anfang Juli ein bunt gemischtes Reformpaket mit 34 Maßnahmen. Primärziel ist es bekanntermaßen, die lahmende deutsche Wirtschaft anzukurbeln. Wer nun bei Reformen etwas Innovatives oder gar Visionäres erwartet, dürfte sich enttäuscht sehen. Schaut man etwa in den Bereich Gesundheit, sind die geplanten Maßnahmen eher Re-Reformen oder vielmehr die Rückkehr zu alten Zuständen. Die telefonische Krankschreibung soll wieder abgeschafft werden, gleichzeitig soll die AU-Bescheinigung des Arztes ab dem ersten Krankheitstag erneut verpflichtend werden. Mit diesen Maßnahmen will man den im internationalen Vergleich hohen Krankenstand in Deutschland reduzieren. Ah ja …, eine der wenigen nachweislich wirksamen Entbürokratisierungsmaßnahmen (telefonische AU-Bescheinigung) wird also wieder abgeschafft. Stattdessen sollen sich die Menschen mit Infekten wieder fröhlich im Wartezimmer tummeln, wie es sich gehört. Und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich heute an einem Tag – aus welchen Gründen auch immer – nicht wohlfühlen und zu Hause bleiben, gehen künftig wieder zum Arzt, der sie dann für drei oder fünf Tage krankschreibt. Dass mit diesem Rollback in die Vergangenheit der Krankenstand wirklich gesenkt werden kann, daran kann man getrost ein großes Fragezeichen setzen. Und Menschen, die ein System ausnutzen, wird es immer geben – aber es sind vermutlich weniger als man in der Bundesregierung denkt. Wirklich problematisch ist aus meiner Sicht allerdings das negative Bild, dass die aktuelle Regierung unter Kanzler Merz von der arbeitenden Bevölkerung hat. Dieses ist geprägt von Misstrauen und Kontrollzwang – und das zieht sich durch alle Bereiche, auch gegenüber den im Gesundheitswesen Tätigen. Daran ist leider nichts innovativ, das wirkt vielmehr sehr gestrig. Wir bei der zm schauen lieber nach vorne. In unserer Titelgeschichte stellen wir die neue internationale S3-Leitlinie zur Behandlung tiefer und extrem tiefer Karies an vitalen bleibenden Zähnen vor. Die Leitlinie, die den höchsten evidenzbasierten Standard hat, gibt klare Hilfen für die Praxis. Damit wird der Vitalerhalt der Pulpa nicht zum glücklichen Zufall, sondern lässt sich zunehmend planen. Somit wird der therapeutische Handlungsspielraum deutlich erweitert. Foto: Lopata/axentis

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