zm116 Nr. 13-14, 16.07.2026, (1128) 78 | PERSÖNLICHES NACHRUF AUF KLAUS PIEPER Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Klaus Pieper, einer der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Kinderzahnheilkunde. Er verstarb am 2. Juni 2026 im Alter von 74 Jahren. Mit seinem Tod verliert die Zahnmedizin einen engagierten Hochschullehrer, Kinderzahnmediziner und Präventionsforscher. Über Jahrzehnte hat er die Entwicklung der Kinderzahnheilkunde in Deutschland mitgestaltet. Als Leiter der Abteilung für Kinderzahnheilkunde an der Philipps-Universität Marburg formte Pieper ab 1992 eine wissenschaftliche Einrichtung, die national wie international Anerkennung fand. In einer Zeit, in der die Kinderzahnheilkunde an deutschen Universitäten nur an wenigen Standorten durch eigenständige Professuren vertreten war, gehörte er zu den Hochschullehrern, die das Fach auf hohem akademischem Niveau repräsentierten. Sein wissenschaftliches Interesse galt insbesondere der Prävention oraler Erkrankungen im Kindesalter, der Kariesepidemiologie und der Förderung von Mundgesundheit auf Bevölkerungsebene. Früh erkannte er, dass nachhaltige Verbesserungen der Mundgesundheit nur durch evidenzbasierte Prävention und die konsequente Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis erreicht werden können. Ein besonderes Lebenswerk stellen die bundesweiten epidemiologischen Begleituntersuchungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) dar. Über viele Jahre koordinierte und begleitete er mit seiner Arbeitsgruppe die Erhebungen zur Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die daraus entstandenen Daten dokumentierten die Entwicklung der Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Bewertung präventiver Maßnahmen. Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt Pieper zahlreiche Auszeichnungen. Besonders hervorzuheben ist der Hufeland-Preis im Jahr 2010, der als bedeutendste deutsche Auszeichnung auf dem Gebiet der Präventivmedizin gilt. In den Jahren 2011 und 2017 wurde er gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe mit dem Wrigley-Prophylaxe-Preis geehrt. Eine weitere renommierte Ehrung war die Verleihung der TholuckMedaille im Jahr 2011 durch den Verein für Zahnhygiene für seine Verdienste um die Mundgesundheit. Zuletzt wurde er im Jahr 2024 zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin (DGKiZ) ernannt. Seine wissenschaftliche Produktivität spiegelte sich auch in seinen Publikationen und Buchbeiträgen wider. Als Mitherausgeber und Autor des Buches „Kinderzahnheilkunde“ aus der Buchserie „Praxis der Zahnheilkunde“ trug er dazu bei, Generationen von Studierenden sowie Zahnärztinnen und Zahnärzten Wissen zugänglich zu machen. Pieper engagierte sich in der Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Kinderzahnheilkunde und wirkte maßgeblich am Masterstudiengang Kinderzahnheilkunde der Universitäten Marburg und Gießen mit. International erfuhr Pieper große Wertschätzung. Unter anderem war er über viele Jahre aktiv in der European Association of Dental Public Health (EADPH) und trug zum internationalen wissenschaftlichen Austausch im Bereich Prävention und Public Health bei. Unvergessen bleibt sein Engagement, als er im Jahr 2004 kurzfristig die Jahrestagung der Organisation for Caries Research (ORCA) in Marburg übernahm. Nachdem das ursprünglich vorgesehene Gastgeberland nicht mehr zur Verfügung stand, organisierte er in kürzester Zeit die Veranstaltung mit seiner Abteilung und präsentierte Marburg als internationalen wissenschaftlichen Standort. Pieper war es ein Anliegen, die Leistungen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu würdigen. Bei Erfolgen in Forschung und Lehre hob er regelmäßig hervor, welchen Anteil andere an deren Entstehung hatten. Wer Pieper kannte, erinnert sich auch an seine Begeisterung für das Fahrradfahren. Freie Stunden nutzte er gerne für eine Tour mit dem Rad. Bei Kongressen trug er mit seiner offenen Art zu vielen angenehmen und heiteren Begegnungen bei. Besonders wichtig war ihm seine Familie. Seine Frau, seine drei Kinder und die Enkelkinder nahmen einen großen Platz in seinem Leben ein. Mit Prof. Dr. Klaus Pieper verliert die Kinderzahnheilkunde einen Wissenschaftler und Hochschullehrer, der das Fach über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau Annelise, seinen Kindern, Enkelkindern und allen, die ihm persönlich und fachlich verbunden waren. Lieber Klaus, Du bist gegangen, aber Du bist nicht fort. Wir werden Dich vermissen und dankbar in Erinnerung behalten. Prof. Dr. Anahita Jablonski-Momeni Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) sowie ehemalige Oberärztin der Abteilung für Kinderzahnheilkunde der Philipps-Universität Marburg Prof. Dr. Klaus Pieper Foto: Jablonski-Momeni
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