EDITORIAL | 3 Bäumchen wechsel Dich Um das Thema Vertrauen geht es auch in unserer Titelgeschichte. Unsere Experten beleuchten die Anwendung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) unter ethischen Gesichtspunkten. Das klingt vielleicht etwas abgehoben, hat aber ganz praktische Aspekte. Gerade bei schwierigen Patienten gilt es, einen klaren Kompass zu haben. Unsere Experten geben Tipps, an welchen ethischen Leitplanken man sich bei der privaten Abrechnung orientieren kann. Außerdem stellen wir in dieser Ausgabe die erste S3-Leitlinie zum Vitamin-D-Einsatz in der Implantologie vor. Die Leitlinie gibt Antworten auf die Frage, ob vor implantologischen und augmentativen Eingriffen routinemäßig der Vitamin-D-Spiegel bestimmt und im Zweifel Vitamin D supplementiert werden sollte. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur In der Regel sind Juli und August die nachrichtenarmen Monate. Insbesondere im politischen Bereich passiert durch die parlamentarische Sommerpause meist wenig. Der eine oder andere Spitzenpolitiker oder -politikerin gibt ein mehr oder weniger inhaltsreiches Sommerinterview. Das war's. Das sogenannte Sommerloch halt. Doch das ist in diesem Jahr komplett ausgefallen. Zwar hatte es Nina Warken vor der Sommerpause noch geschafft,dasGKVBeitragssatzstabilisierungsgesetz durch den Bundestag zu jagen, aber dann sollte eigentlich etwas Ruhe einkehren. Doch plötzlich kam Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn in der ihm eigenen Art mit der Leihmutterschaft seines Kindes um die Ecke und hat das politische Berlin mal so richtig durchgewirbelt. Was dann folgte, war ein Kabinettsumbau oder Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel, das seinesgleichen sucht. Nicht nur, was den Umfang anging, aber vor allem wie viel dabei schiefgelaufen ist. Selten dürfte ein Kanzler bei solch einer Kabinettsumbildung in den eigenen Reihen so viel verbrannte Erde hinterlassen haben. Und wie sieht es im Gesundheitsbereich aus? Die vormals wenig bekannte Nina Warken wurde nach nur 14 Monaten im Amt ins Kanzleramt befördert. Erfreulicher Nebeneffekt für sie: Um die Folgen ihres Gesetzes muss sie sich nicht mehr wirklich kümmern. Nun folgt ihr Carsten Linnemann, der als CDU-Generalsekretär gerne mal durch markige Sprüche aufgefallen ist. Besondere Ambitionen auf das Amt des Gesundheitsministers werden ihm nicht gerade nachgesagt. Und eine Ebene tiefer wurde mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Tino Sorge jemand ausgewechselt, der in der Zahnärzteschaft wohlgelitten war und seinen Job nach eigenem Bekunden gerne gemacht hat. Seine Nachfolgerin, Christiane Schenderlein, hatte wie ihr neuer Chef Linnemann mit dem Gesundheitswesen bisher auch eher wenig zu tun. Nun kann man sagen, dass Fachwissen für einen Minister oder eine Staatssekretärin nicht zwingend erforderlich ist und dass Verwaltungserfahrung und politisches Geschick die wichtigeren Kompetenzen sind. Viele haben sich in der Vergangenheit zügig in ihr Ressort eingearbeitet. Aber wenn das angeeignete Wissen durch rasche Wechsel immer wieder verlorengeht, ist das mehr als unglücklich. Neben der Fachebene gibt es noch eine weitere Ebene, die häufig weniger Beachtungfindet: die persönliche. Eine Ministeriumsspitze baut nach und nach ihre Kontakte zu den anderen Akteuren im Gesundheitswesen auf – auch zu den Spitzen der Krankenkassen und der Selbstverwaltung. Das muss dann nicht immer die große Liebe sein, aber man lernt den anderen einzuschätzen und weiß, was man erwarten kann. Vertrauen ist eine Währung, die nicht zu unterschätzen ist. Bei umfangreichen Wechseln, wie sie kürzlich erfolgt sind, fängt man oft wieder bei Null an. Einer guten Gesundheitspolitik ist das sicher nicht zuträglich. Foto: Lopata/axentis
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