zm116 Nr. 15-16, 16.08.2026, (1218) 72 | PRAXIS schaftlichen Grundlagen, zu Fragen der Personalführung, zu rechtlichen Rahmenbedingungen sowie konkrete Hinweise zu Verwaltungsabläufen und Gründungsschritten würden den Einstieg erleichtern. Die Analyse der Unterstützungswünsche zeigt, dass keine grundsätzlich neuen Strukturen erforderlich sind, sondern vielmehr die Weiterentwicklung bestehender Angebote. Qualität, Neutralität und Zugänglichkeit der Beratung entscheiden maßgeblich über deren wahrgenommenen Nutzen. Gewünscht sind unabhängige Berater Als wichtigste Ansprechpartner in der Niederlassungsphase nennen Neugründerinnen und Neugründer ihre Kammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen. Beratungsangebote dagegen, die als zu stark von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst wahrgenommen wurden, wurden teils kritisiert. Entsprechend groß ist der Wunsch nach neutraler, objektiver Beratung, die frei von Verkaufsabsichten agiert und auf die individuellen Situationen der Gründenden eingeht. Eine gute Vorbereitung auf die Niederlassung gelingt durch frühzeitige Auseinandersetzung mit niederlassungsrelevanten Grundlagen. Kammern und KZVen bieten zum Teil Informationsveranstaltungen, Seminare oder Beratungen zur Praxisgründung an. Wer frühzeitig Informationsangebote wahrnimmt und grundlegende betriebswirtschaftliche und organisatorische Kompetenzen bereits in der Anstellung aufbaut, startet mit einem breiten Fundament in die Selbstständigkeit. Die Anfangsphase einer Niederlassung ist anspruchsvoll, bietet aber zugleich große Gestaltungsmöglichkeiten. Die IDZ-Studie zeigt, dass organisatorische, administrative, finanzielle und zwischenmenschliche Themen die ersten Monate prägen. Gleichzeitig wird deutlich: Mit guter Vorbereitung, verlässlichen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern sowie einer konstruktiven Grundhaltung ist die Selbstständigkeit gut zu bewältigen. Junge Zahnärztinnen und Zahnärzte bringen Engagement, fachliche Kompetenz und Gestaltungswillen mit – alles Eigenschaften, die eine starke Basis für eine zukunftsfähige Praxis bilden. Fazit Die IDZ-Studie verdeutlicht, wie facettenreich der Weg in die zahnärztliche Selbstständigkeit heutzutage ist. Individuelle Lebensentwürfe, berufliche Interessen und familiäre Rahmenbedingungen greifen ineinander und prägen die Entscheidungen junger Zahnärztinnen und Zahnärzte oftmals auf sehr unterschiedliche Weise. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung ein gemeinsames Muster: Junge Generationen gehen den Schritt in die Niederlassung gut vorbereitet und reflektiert. Moderne organisatorische Strukturen und flexible Arbeitszeitmodelle sind in vielen Neugründungen bereits fest verankert und bilden die Grundlage für effiziente Abläufe und langfristige Weiterentwicklung. Trotz dieser guten Ausgangslage bestehen weiterhin Unterstützungsbedarfe, insbesondere im Bereich betriebswirtschaftlicher Grundlagen, Personalführung und administrativer Abläufe. Qualitativ hochwertige, neutrale und gut zugängliche Beratungsangebote von Kammern und KZVen nehmen daher eine zentrale Rolle ein und tragen wesentlich zu einem erfolgreichen Praxiseinstieg bei. Insgesamt zeigt die Studie: Die Niederlassung bringt Herausforderungen mit sich – eröffnet aber zugleich weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten. Wer sich frühzeitig mit den entscheidenden Themen beschäftigt und auf ein solides Netzwerk zurückgreift, schafft ein stabiles Fundament für eine erfolgreiche und zukunftsorientierte Praxisführung. n Die Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ basiert auf longitudinalen Primärdaten, die zwischen 2014 und 2019 deutschlandweit im MixedMethods-Design erhoben wurden. Alle Zahnmedizinstudierenden, die im Wintersemester 2014/15 im 9. oder im 10. Fachsemester eingeschrieben waren, wurden zur Teilnahme eingeladen und quantitativ (2015: n = 1.395; 2017: n = 618; 2019: n = 570) sowie qualitativ befragt. Ergänzend fand 2023 eine bundesweite quantitative Erhebung unter allen neu niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten der Jahre 2021 und 2022 statt (n = 622). ZUR SERIE 1. Der Weg in die Niederlassung – Wie entsteht der Wunsch nach einer eigenen Praxis, und welche Faktoren prägen den persönlichen Gründungsweg? (zm 11/2026) 2. Familie und Niederlassung – Wie beeinflussen Partnerschaft und Kinderwunsch Zeitpunkt und Form der Selbstständigkeit? (zm 12/2026) 3. Strukturen neu gegründeter Praxen – Wie gestalten junge Niedergelassene ihre Praxis organisatorisch, personell und räumlich? (zm 13-14/2026) 4. Herausforderungen bei der Niederlassung – Welche Aufgaben prägen die ersten Monate und welche Unterstützung wird als hilfreich erlebt? (zm 15-16/2026) Dr. med. dent., M.Sc. Nele Wicking Wissenschaftliche Referentin Referat III: Zahnärztliche Professionsforschung, Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) Universitätsstr. 73, 50931 Köln Foto: IDZ
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=