14 | POLITIK Anhalt beschäftigen, sich grundlegend von den Themen in anderen Bundesländern unterscheiden. Abgesehen von der aktuellen Verunsicherung im Zusammenhang mit der bevorstehenden Landtagswahl und den wirtschaftlichen Umbrüchen machen sich die Kolleginnen und Kollegen vor allem Sorgen um die Versorgung ihrer Patientinnen und Patienten in der Zukunft. Das vermehrte Patientenaufkommen, die damit verbundene Zeitnot, der demografische Wandel, die gesundheitspolitischen Gesetzgebungsverfahren, die finanziellen Unsicherheiten, die hohen Kosten und Investitionssummen in der Zahnmedizin, der bestehende Fachkräftemangel, die zunehmenden Verwaltungsaufgaben und die zunehmende Bürokratie beschäftigen unsalle. Mit welchen Schwierigkeiten kämpft die Zahnärzteschaft in Sachsen-Anhalt? Schmidt: Nicht nur das Patientenaufkommen nimmt stetig zu. Eine ebenso große Herausforderung – und zugleich Folge der sinkenden Zahl an Zahnarztpraxen im Land – ist die Versorgung ungeplanter Schmerzpatienten. Diese müssen kurzfristig behandelt werden, lassen sich aber kaum in bestehende Terminpläne integrieren. Das bedeutet erheblichen organisatorischen und personellen Mehraufwand für die Praxisteams. Gleichzeitig steigen die wirtschaftlichen Belastungen, während der Spielraum für Investitionen und Personal immer kleiner wird. Viele Praxen leisten mittlerweile täglich weit mehr, als ihre Rahmenbedingungen es eigentlich zulassen. Gernhardt: Neben den oben genannten Themen und den Folgen der demografischen Entwicklungen sind meiner Meinung nach in Sachsen-Anhalt sicherlich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die Entwicklung der Ausbildung, die Gewinnung von Nachwuchs und die infrastrukturellen Herausforderungen auch für die Zahnärzteschaft bedeutend. Durch das merklich und aktuell schneller zunehmende Patientenaufkommen in Kombination mit dem Fachkräftemangel und den finanziellen Unsicherheiten wird eine adäquate, an den erreichten Standards orientierte, qualitativ hochwertige Versorgung der Patientinnen und Patienten, die immer weitere Wege auf sich nehmen müssen, nicht nur für die Zahnärzteschaft, sondern für das gesamte zahnmedizinische Team zunehmend schwieriger. Welche Forderungen haben Sie an die Landespolitik? Schmidt: Wir wünschen uns Verlässlichkeit und einen langen Atem. Die begonnenen Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung, die wir als KZV gemeinsam mit dem Land ins Leben gerufen haben, müssen konsequent fortgeführt und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig braucht es attraktive Rahmenbedingungen für Niederlassungen im ländlichen Raum und weniger Bürokratie. Politik und Selbstverwaltung sollten auch künftig eng zusammenarbeiten. Nur so lässt sich die zahnärztliche Versorgung in SachsenAnhalt sicherstellen. Gernhardt: Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir, die funktionierende Selbstverwaltung, als kompetenter Ansprechpartner in Sachen Zahnmedizin wahrgenommen und in die Gestaltungsprozesse aktiv eingebunden werden. Wir können uns aufgrund unserer Expertise – in Zusammenarbeit mit allen auf diesem Gebiet tätigen Institutionen – zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten im Sinne einer zukunftsfähigen, modernen Zahnmedizin als integraler Bestandteil der medizinischen Versorgung konstruktiv und professionell einbringen. Ich kann hier für sehr viele Kolleginnen und Kollegen sprechen, stehen wir dazu zur Verfügung – wir können Zahnmedizin. Da Zahnmedizin sowohl im Bereich Patientenversorgung, Versorgungseinrichtungen, als auch im Bereich Forschung und Entwicklung und nicht zuletzt im Rahmen der Ausbildung aller Beteiligten immer mit hohen finanziellen Investitionen und Kosten verbunden ist, braucht es langfristige, sichere und verlässliche Partner. Sachsen-Anhalt hat bereits heute viel zu bieten, machen wir es gemeinsam noch besser, damit in Zukunft vermehrt junge Menschen sich auch für einen zahnmedizinischen Karriereweg in unserem Bundesland entscheiden. Die Fragen stellte Anne Orth. Welche Pläne haben die bislang im Landtag vertretenen Parteien in Sachsen-Anhalt für die zahnärztliche Versorgung? Wir haben nachgefragt – unter anderem zu Bürokratieabbau, Fachkräftemangel, Zuckersteuer, iMVZ und der Versorgung im ländlichen Raum. Den Artikel gibt's auf zm-online.de, über den QR-Code. zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1256) Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September wird aufgrund der starken AfD in Umfragen mit Spannung erwartet. Foto: bluedesign - stock.adobe.com
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