Ein ereignisreicher Sommer im Gesundheitswesen liegt hinter uns. Vor der parlamentarischen Sommerpause hat es Ex-Bundesgesundheitsministerin Nina Warken noch geschafft,das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz durch den Bundestag zu bringen. Und mit Minister Dr. Carsten Linnemann und der parlamentarischen Staatssekretärin Christiane Schenderlein hat das Bundesgesundheitsministerium nach nur 14 Monaten mal eben eine neue Führungsmannschaft bekommen. Neues Personal, aber die Probleme im Gesundheitswesen bleiben bestehen. Der Herbst dürfte also nicht weniger ereignisreich werden. Denn die Arbeit der FinanzKommission Gesundheit (FKG) geht jetzt in die nächste Runde. Nach ihrem ersten Bericht steht nun der zweite an, der im Dezember erscheinen soll. Und dieser Bericht wird es in sich haben, geht es doch diesmal um Strukturreformen, die unser Gesundheitssystem langfristig finanzierbar machen sollen. Wenn man sich den Arbeitsauftrag der FKG anschaut, sieht man schnell, dass es auch um Grundpfeiler unseres Gesundheitssystems geht. So wird die Frage aufgeworfen, wie der Wettbewerb an der Grenze zwischen GKV und PKV gestärkt werden kann. Oder welchen Beitrag Risikostrukturausgleiche zwischen GKV und PKV zur Konsolidierung leisten können. Auch das Thema Eigenverantwortung wird angesprochen: „Wie lässt sich Eigenverantwortung unter Berücksichtigung des Solidarprinzips und der Bedarfsgerechtigkeit fördern?“, heißt es im Arbeitsauftrag an anderer Stelle. Mit den Antworten der FKG werden wir uns in sehr naher Zukunft auseinandersetzen müssen. Glücklicherweise wird sich die Kommission auch mit dem für uns so wichtigen Thema Prävention beschäftigen. „Wie kann die GKV von den hohen Krankheitsfolgekosten der Produktion und des Konsums von gesundheitsschädlichen Produkten (Alkohol, Tabak, Zucker) entlastet werden?“, heißt es dort. Etwas, das die Zahnärzteschaft seit Langem umtreibt und wozu wir schon zahlreiche Vorschläge gemacht haben. Zuletzt hat sich der BZÄK-Vorstand bei seiner Klausurtagung im Juni für die Einführung eines Präventionsfonds ausgesprochen, in den die Abgaben für gesundheitsschädigende Produkte fließen sollen. Dann könnten diese Mittel auch gezielt für präventive Maßnahmen eingesetzt werden. Prävention ist ein Bereich, in dem die deutsche Zahnärzteschaft belegbar eine großartige Erfolgsgeschichte vorweisen kann. Unsere Erfolge können helfen, an anderer Stelle eine präventive Gesamtstrategie voranzutreiben. Denn diese fehlt bisher in Deutschland. Zu dieser Einschätzung kam auch Prof. Dr. Hajo Zeeb vom LeibnizInstitut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS, Bremen, in seinem Vortrag bei der BZÄKKlausurtagung. Damit wird sich nun auch die FKG beschäftigten. „Welche präventiven und gesundheitsförderlichen Maßnahmen können kurz-, mittel- und langfristig zur Entlastung der GKV beitragen?“, heißt es in ihrem Auftrag. Wir sind auf die Antworten gespannt. Außerdem soll sich die Kommission mit der Frage, wo in unserem System Über- und Fehlversorgung vorliegen, beschäftigen – auch im internationalen Vergleich. In der Zahnmedizin müssen wir diesen Vergleich sicher nicht scheuen. Auch wenn hin und wieder Daten herangezogen werden, deren Vergleichbarkeit stark zu wünschen übriglässt. Wenn die FKG vom Bundesgesetzgeber ausdrücklich aufgefordert wird, bei Reformen Anleihen bei europäischen und internationalen „Vorbildern“ zu nehmen, unterstreicht das die Notwendigkeit, sich auch als Berufsstand mit diesen Fragen zu befassen. Dies nehmen wir als Bestärkung unseres internationalen Engagements. Und wie es der Zufall will, wird dieser Tage der jährliche Kongress der World Dental Federation (FDI) in Prag stattfinden. Und dort wird internationale (Standes-)Politik gemacht, über den nationalen Tellerrand hinaus. Neben zahlreichen politischen Anträgen soll auch das Thema Prävention Raum bekommen. Schließlich stehen Wahlen und eine im Wesentlichen von der BZÄK geförderte Debatte zur Verringerung der FDI-Mitgliedsbeiträge an. Die zm werden darüber berichten. Dr. Romy Ermler Präsidentin der Bundeszahnärztekammer Dr. Ralf Hausweiler Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Dr. Doris Seiz Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer Ein ereignisreicher Herbst steht bevor Foto: BZÄK/Nürnberger 6 | LEITARTIKEL
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