Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 17

72 | zmSTARTER zm116 Nr. 17, 01.09.2026, (1314) INTERVIEW MIT DEN ZWILLINGSSCHWESTERN POLINA UND EVGENIA CHARKINA „Der fachliche Austausch mit meiner Schwester ist etwas ganz Besonderes“ Als Elfjährige flohen die beiden Zwillingsschwestern Polina und Evgenia Charkina mit ihrer Familie aus Moskau nach Deutschland. In Köln lernten sie die rheinische Kultur lieben und ihren Traumberuf. Seit Kurzem arbeiten die beiden Zahnärztinnen zusammen in einer Praxis. Im Interview erzählen sie von den Herausforderungen des Studiums, ihrer besonderen Verbindung als Zwillinge und davon, warum sie sich heute beruflich perfekt ergänzen. Vor 22 Jahren sind Sie mit Ihrer Familie aus Russland nach Deutschland gekommen. Wie kam es dazu? Polina: Ich weiß nicht, inwieweit wir hier über Politik sprechen wollen. Nur so viel vielleicht: Unsere Eltern haben sich einfach nicht mehr wohlgefühlt in diesem Land. Es war gegen Ende der ersten Amtszeit von Wladimir Putin als Präsident, als sie verstanden haben, dass wir Kinder wahrscheinlich woanders eine bessere Zukunft haben würden. Außerdem war eine Tante von uns schon in den 1990er-Jahren nach Deutschland ausgewandert. Tatsächlich nach Köln. Evgenia: Von ihr hatten meine Eltern sehr viel Positives gehört. Deswegen sind wir direkt hierher gekommen. Was war für Sie als Jugendliche die größere Hürde? Die neue Sprache oder die andere Mentalität? Evgenia: Die Mentalität ist gar nicht so anders. Darum haben wir uns von Anfang an erstaunlich gut integriert. Aber die Tatsache, dass von einem Moment auf den anderen alle Freunde weg waren, das war hart. Und das am Anfang der Pubertät. Wir hatten in Moskau ja gerade angefangen, unser Netzwerk mit Hobbys und Freunden aufzubauen und uns auch abzunabeln von den Eltern. Ihre Eltern haben mit dem Umzug ein großes Opfer gebracht, um Ihnen bessere Zukunftschancen zu ermöglichen. Ihr Vater kann beispielsweise bis heute nicht als Wirtschaftsinformatiker arbeiten, weil sein Studium nicht anerkannt wird. Inwiefern hat das bei Ihnen den Druck verstärkt, erfolgreich sein zu müssen? Evgenia: Das war so. Schon als Jugendliche haben wir uns viel Druck gemacht. Hauptsache, die Eltern nicht enttäuschen, Hauptsache, alle Erwartungen erfüllen. Obwohl unsere Familie diese Erwartungen gar nicht hatte. Unsere Eltern haben sich hier in Deutschland nicht mehr eingemischt. Polina: Ja, ganz anders als vorher in Russland. Evgenia: Ich glaube nicht, dass wir dort die Schule gut beendet hätten. Wir hatten – wie unsere Mitschüler auch – angefangen, hin und wieder den Unterricht zu schwänzen. Zu der Zeit waren uns auch die Noten egal. Aber hier wurde irgendwie ein Schalter umgelegt und wir haben mit zwölf schon richtig gewissenhaft gepowert. Das hat sich ausgezahlt. Sie haben beide die zehnte Klasse übersprungen und nach dem Abitur direkt mit dem Studium angefangen. Warum eigentlich Zahnmedizin? Polina: Meine Schwester hat schon mit sechs Jahren angekündigt: „Ich will Menschen aufschneiden!" Da hat sich unsere Mutter zum ersten Mal richtig Sorgen gemacht. Dabei wollte sie nur Chirurgin werden. Evgenia: Ja, ich wollte tatsächlich bis zum Schluss Humanmedizin studieren, aber in Köln wäre ich vom NC her erst im Sommersemester reingekommen. Und ich wollte nicht warten. Polina: So hat man damals gedacht: Hauptsache, keine Zeit verlieren. Direkt nach dem Abitur zum Studium und dann direkt zur Arbeit. Polina (l.) und Evgenia verbindet nicht nur ihre Familiengeschichte, sondern heute auch der gemeinsame Berufsalltag als Zahnärztinnen in einer Kölner Praxis. Foto: Sandra Stein

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