zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1544) 14 | GESELLSCHAFT NEUER SKANDAL UM DENTALKETTE IN FRANKREICH Zahnärzte verweigern Billig-ZE aus China – und werden gefeuert! Im westfranzösischen Nantes hat eine Dentalkette fünf Zahnärzte fristlos gefeuert, weil sie sich geweigert haben, Zahnersatz aus China einzubauen. Die Praxis musste schließen. Rund 6.000 Patientinnen und Patienten stehen vorerst ohne Zahnarzt da. Unter dem Namen „VYV Dentaire“ betreibt die Dentalkette mehr als 150 zahnmedizinische Zentren in ganz Frankreich. Wie französische Medien berichten, allen voran die Zeitung La Dépêche du Midi, hatte die Leitung des Zentrums in der Rue Noire in Nantes ihre sechs angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte angewiesen, bei mindestens 30 Prozent der Versorgungen auf kostengünstigere Importprothetik aus China zurückzugreifen – um die Margen zu steigern. Fünf Zahnärzte verweigerten die Umsetzung der Quote unter Berufung auf ethische Standards und das Gebot der Qualitätssicherung. Der Einsatz des Zahnersatzes müsse sich nach medizinisch-qualitativen Kriterien richten und dürfe nicht primär von betriebswirtschaftlichen Ertragsmargen diktiert werden, argumentierten die Zahnärzte. Und dass sie bei einer Kontrolle durch die französische Zahnärztekammer (l'Ordre National des Chirurgiens-Dentistes) ihre Zulassung verlieren könnten, falls die im Ausland bestellte Versorgung im Einzelfall fachlich ungeeignet ist. Das Management legte Renditeziele fest Nach vorangegangenen Suspendierungen im Mai 2026, kündigte die Trägerschaft am 21. September den fünf Zahnärzten wegen angeblichen schwerwiegenden Fehlverhaltens (französisch: „faute grave“) fristlos. Die Schließung der Praxis folgte am 22. September. Die Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) verurteilte den Rausschmiss der fünf Zahnärzte. Der Fall erreichte inzwischen auch Paris: Die Abgeordnete Karen Erodi richtete eine schriftliche Anfrage an die Nationalversammlung, worin sie die Bindung angestellter Zahnärzte an bestimmte Importlabore durch Großbetreiber wie VYV Dentaire kritisiert. Erodi sieht darin einen unzulässigen Eingriff in die verfassungs- und berufsrechtlich geschützte Therapiefreiheit des Behandlers. Ursächlich für den verstärkten Rückgriff auf Auslandszahnersatz ist eine Tarifreform aus dem Jahr 2020, mit der Festzuschüsse und Honorarobergrenzen für Prothetik eingeführt wurden. In der Folge stieg der Importanteil von Kronen und Brücken aus Drittstaaten wie China, der Türkei, Marokko und Madagaskar deutlich an – zum Nachteil der regionalen DentallaborStrukturen. Die Leitung betonte, dass für die Gesamtheit aller 150 zahnmedizinischen Zentren der Gruppe im Jahr 2025 wertmäßig noch 70 Prozent aller Prothesen und Kronen aus französischer Produktion stammten. Die China-Importe seien demnach eine Ergänzung und kein kompletter Ersatz. Während Berufsverbände und Gewerkschaften zu Protestaktionen am 30. September aufriefen, ist die juristische Anfechtung der Kündigungen durch diebetroffenen Zahnärzte noch Gegenstand einer rechtlichen Prüfung. LL Foto: NovaVision - stock.adobe.com (KI-generiert)
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=