20 | ZAHNMEDIZIN zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1550) dontie. Antibiotika stellten grundsätzlich keine Alternative zur kausalen endodontischen Therapie dar. Auch seien Schmerzen keine Indikation für eine systemische Antibiotikagabe. Indiziert seien Antibiotika nur bei dentogenen Abszessen mit Ausbreitungstendenz oder bei Logenabszessen, bei solchen im Zusammenhang mit einem reduzierten Allgemeinzustand wie Fieber oder Lymphadenopathie sowie bei rasanter Ausbreitung oder der Gefahr einer Osteomyelitis. Zur Vermeidung von postoperativen Schmerzen nach einer endodontischen Behandlung empfahl er, ein Analgetikum direkt nach der Behandlung zu geben und danach regelmäßig alle sechs Stunden über die nächsten zwei Tage. Bei leichten bis moderaten Schmerzen komme Ibuprofen (200 bis 400 mg) in Betracht. Wenn NSAPs (nicht-steroidale Antiphlogistika) nicht indiziert sind, solle Paracetamol (600 bis 1.000 mg) oder bei moderaten Schmerzen Paracetamol (1.000 mg) plus Codein (60 mg) gegeben werden. Alignertherapie ohne KFOWissen? „Alignertherapie – geht das ohne kieferorthopädische Kenntnisse?“, fragte Proff provokant in seinem Vortrag. Seine Antwort: Aligner-Behandlungen empfiehlt er ausschließlich gut ausgebildeten Zahnärztinnen und Zahnärzten, die in Diagnostik und Therapie das gesamte kieferorthopädische Spektrum beherrschen. Und dafür brauche man Skelettalparameter (Röntgenbilder). Die Alignertherapie bedürfe einer umfangreichen, zeitaufwendigen Planung und einer sehr genauen und realistischen Definition des virtuellen Behandlungsziels. Prof. Dr. Dr. Eik Schiegnitz aus Mainz zeichnete in seinem Vortrag zu knöchernen Augmentationsverfahren den Weg von der klassischen Blockaugmentation hin zu partikulären Schalentechniken nach. Während dickere Knochenblöcke häufig weniger gut durchblutet würden, lasse sich mit dünnen Knochenschalen ein dreidimensionaler Raum für die Aufnahme partikulären Knochenmaterials schaffen. Die Schalentechniken werden laut Schiegnitz daher heute bevorzugt eingesetzt. Insbesondere bei der horizontalen Augmentation ließen sich damit gute Ergebnisse erzielen, doch wie überall seien auch dort Lernkurven nötig. Prof. Dr. Florian Beuer aus Berlin stellte eine Studie zur Implantatprothetik vor, nach der die Art der prothetischen Versorgung über einen Zeitraum von durchschnittlich 18 Jahren einen unabhängigen Risikofaktor für die Entwicklung von Periimplantitis darstellt. Implantate mit herausnehmbarem Zahnersatz wiesen häufiger Periimplantitis (31,3 Prozent) auf als solche mit festsitzendem Zahnersatz, bei denen sich sich häufiger eine Mukositis (42,8 Prozent) zeigte [Kesar et al., 2023]. Prof. Dr. Roland Frankenberger aus Marburg schaute gemeinsam mit dem Auditorium auf das Jahr zwei nach dem Amalgamverbot. Amalgam „hätte sich auch ohne Verbot von selbst ausgeschlichen“, denn bekanntlich sinke seit vielen Jahren die Nachfrage, sagte Frankenberger. Glasionomerzement (GIZ) funktioniere bis zu einer gewissen Kastenbreite gut. Ist der Defekt in vestibulo-bukkaler Ausdehnung zu breit, könne es aufgrund seiner schlechteren Biegefestigkeit gegenüber Komposit leicht brechen. Für Milchzähne sei lichthärtender GIZ allerdings eine gute (zuzahlungsfreie) Versorgung. br Ehrennadel der DGZMK für Dr. Guido Wucherpfennig Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) würdigt damit sein langjähriges Engagement für Wissenschaft, Fortbildung, Wissenstransfer, Patienteninformationen und den zahnmedizinischen Nachwuchs. Die Ehrung fand am 18. September in Wernigerode statt. Wucherpfennig gehörte von 2009 bis 2021 dem DGZMKVorstand an. Nach acht Jahren als Beisitzer übernahm er 2017 das Amt des Generalsekretärs, das er bis 2021 ausübte. Als praktizierender Zahnarzt und Fortbildungsreferent der Zahnärztekammer Thüringen brachte er dabei die Perspektive der Zahnmedizin aus der Praxis in die Vorstandsarbeit ein, hieß es in der Laudatio. Sein besonderes Anliegen war demnach, „Verständnisbarrieren“ zwischen Wissenschaft, Praxis und Standespolitik zu überwinden und den Austausch zwischen den verschiedenen Bereichen zu fördern. Bei den Deutschen Zahnärztetagen setzte er sich für die Etablierung des Studententags ein und schuf damit eine Möglichkeit, Studierende frühzeitig mit der wissenschaftlichen Zahnmedizin und der DGZMK vertraut zu machen. „Mein Beruf hat mir immer Spaß gemacht und ich behandle noch heute gern, wenn auch in geringem Umfang“, sagte Wucherpfennig, der sich selbst scherzhaft als „Teilzeitrentner“ bezeichnet. Sein Verständnis von der Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Praxis brachte er mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Das Motto der DGZMK ist ‚Wissen schafft Praxis‘, aber Praxis schafft auch Wissen.“ Dafür gab's Applaus aus dem Auditorium: BZÄK-Vizepräsidentin Dr. Doris Seiz setzt sich dafür ein, die externe Validierung von Thermodesinfektoren und Autoklaven abzuschaffen. Foto: ZÄK Sachsen-Anhalt Foto: privat
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