66 | NACHRICHTEN NEWS PERSONALISIERTE PHAGENTHERAPIE Leitlinie soll den Weg in die klinische Praxis ebnen Wenn bei bakteriellen Infektionen die klassischen Therapieansätze wie Antibiotikabehandlungen nicht mehr wirken, kommt die Phagentherapie ins Spiel. Nun ist die erste Leitlinie erschienen. Besonders häufig wird der Einsatz einer Phagentherapie im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenzen diskutiert. Angesichts der bedrohlichen Antibiotikaresistenzkrise schätzen sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch Initiativen auf europäischer Ebene eine Phagentherapie als äußerst vielversprechend ein. Phagentherapien werden in Europa bei einzelnen Patientinnen und Patienten bereits durchgeführt, in Westeuropa jedoch überwiegend noch außerhalb der Regelversorgung. Typisch hierfür sind individuelle Heilversuche, spezielle nationale Programme, die magistrale Herstellung in Krankenhausapotheken sowie klinische Studien. Bisher gibt es allerdings keinen harmonisierten rechtlichen und regulatorischen Rahmen in Europa, um Phagentherapien in der Praxis flächendeckend anbieten zu können. Nun veröffentlichten deutsche Forschende eine Leitlinie mit mehr als 60 Empfehlungen zu Grundprinzipien, Infrastruktur, Vorbereitung und Qualitätskontrolle, Verwaltung sowie zukünftigen Forschungsfragen. Die Leitlinie wurde nach dem Leitfaden der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) konzipiert und als Consensus Statement im Fachmagazin „Nature Medicine“ veröffentlicht. In einem Press Briefing des Science Media Center Germany stellten die Leitautorinnen die Inhalte vor. Die wichtigsten Aussagen sind demnach: zm116 Nr. 20, 16.10.2026, (1596) BEWERBUNGSPHASE BIS ENDE OKTOBER ZFA-Weiterbildungsstipendium bringt bis zu 9.135 Euro ZFA, die jünger sind als 25 und ihre Ausbildung mit der Note 1,9 oder besser abgeschlossen haben, können sich für ein Stipendium zur Finanzierung von fachlichen und fachübergreifenden Weiterbildungen bewerben. Die Stipendiaten suchen sich die Lehrgänge dabei selbst aus. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch ein berufsbegleitendes Studium bezuschusst werden. Mit Freiwilligendienst oder Elternzeit kann die Aufnahme auch bis zu drei Jahre später erfolgen. Das Stipendium richtet sich an beruflichQualifizierte. Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober. Alle Bewerber werden im November informiert, ob sie ausgewählt wurden und ein Stipendium erhalten. Die Aufnahme ins Förderprogramm erfolgt jeweils zum 1. Januar. Das Spektrum förderungsfähiger Maßnahmen ist breit: neue Technologien, Arbeitstechniken, berufliche Aufstiegsfortbildungen, fachkundliche Nachweise, ZMF, ZMP, ZMV, DH, Fachwirt, Auslandspraktikum, berufsbegleitendes Studium, Management, Bakteriophagen sind Viren, die spezifisch Bakterien infizieren, sich in ihnen vervielfältigen und sie dann abtöten. Dieser Ansatz kann unter anderem bei chronischen Atemwegsinfektionen, schweren systemischen Infektionen, bei Knochen-, Gelenk-, HNO- oder Hautinfektionen zum Einsatz kommen. n Phagen sind hochspezifisch in der Wahl ihres bakteriellen Wirtes, zugleich in der Natur nahezu unbegrenzt verfügbar. n Der breite Cocktail als Standardweg weicht zunehmend gezielteren Ansätzen. n Patientenindividuelle Präparate passen schlecht zu den etablierten Zulassungspfaden; aussagekräftig wären Studienkonzepte, die pro Patient den jeweils passenden Phagen bereitstellen. n Phagen-Match zum Patientenbakterium möglichst zeitnah zum Therapiestart bestätigen n bei polymikrobiellen Infektionen alle relevanten Spezies testen n Phagenboard: gemeinsame interdisziplinäre und dokumentierte Entscheidung vor Therapiebeginn n Industriell nach dem Arzneimittelstandard (GMP) hergestellte Phagen sind teuer und langsam verfügbar; die Mehrzahl der anfragenden Patientinnen und Patienten ist damit nicht zu versorgen. n Praktikabel ist daher die patientenindividuelle Herstellung in der Apotheke, mit definierter Qualitätskontrolle nach den Vorgaben der Leitlinie. n Klinisches, laborchemisches und mikrobiologisches Monitoring vor, während und nach der Therapie n Dokumentation jedes Falles und Eintragung in ein zentrales Register (German Phagistry) mg Würstle S et al. (2026): A consensus-based guideline for personalized bacteriophage therapy. Nature Medicine. DOI: 10.1038/s41591-026-04654-6. Der erste QR-Code führt zur Leitlinie. Der zweite QR-Code zur zm-Titelgeschichte „Das gute Virus?“ der zm 8/2025.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=