Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 03

zm 108, Nr. 3, 1.2.2018, (172) Die TU Berlin befragte für ihre Studie Zahnärzte aus dem ganzen Bundesgebiet zu ihren Erfahrungen mit Patienten, die aus dem Ausland zur Behandlung nach Deutschland gekommen sind, und mit Patienten, die zur Behandlung ins Ausland gegangen sind. Patienten wurden nicht befragt. Erstmals eine Studie aus Perspektive der Zahnärzte Die Studie gilt als erste qualitative Untersu- chung dieser Art. Bisher gab es zu diesem Thema kaum Informationen aus der Per- spektive der Zahnärzte. Die Wissenschaftler fragten vor allem nach diesen Punkten: Versorgungsqualität Beweggründe der Patienten Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Inanspruchnahme der Leistungen Herkunfts- oder Zielländer der Patienten Finanzierung und Probleme, die aufgrund des Dentaltourismus für das deutsche Gesundheitswesen entstehen können Patienten aus dem Ausland Die meisten Patienten aus dem Ausland wurden aufgrund von Notfällen, also unge- plant, behandelt. Typische Behandlungen waren Füllungen, Wurzelbehandlungen, Zahnschmerzbehandlungen und Zahn- extraktionen. Präventive Behandlungen wurden selten nachgefragt. Die Patienten lobten die höheren Qualitätsstandards in Deutschland im Vergleich zu den in ihren Heimatländern, das betraf vor allem Mate- rialien und Behandlung. Als Hauptgrund für eine geplante Behand- lung in Deutschland wurden die qualitativ hochwertige technische Ausstattung und das Preis-Leistungs-Verhältnis genannt. Keiner Zahnärzte-Befragung Dentaltourismus bleibt Randphänomen Zwar schätzen deutsche Zahnärzte die grenzüberschreitende zahnärztliche Versorgung in Deutschland eher als ein Randphänomen ein. Dennoch lassen sich aus einer Studie der TU Berlin interessante Erkenntnisse gewinnen. Zu Patienten aus dem Ausland: „Dass wir hier eine systematische Behand- lung für Patienten aus dem Ausland durch- führen, ist eher selten der Fall. Bisher hat bei uns noch nie ein Patient aus demAusland nach einer Prothese gefragt. Das ist zu teuer in Deutschland und ich glaube, in den meisten Fällen günstiger im jeweiligen Heimatland.“ „Es hängt immer davon ab, welche Art der Versicherung vorhanden ist, viele haben ja ein Limit von 80 Euro in Notfällen. Da kann man ja wirklich nichts anbieten, besonders keine Nachuntersuchung.“ „Die meisten Patienten sind versichert. In Notfällen aus europäischen Ländern [...] haben wir basierend auf dem Versicherungs- status verrechnet.“ „Die kommen in eine deutsche Praxis, zum Beispiel in meine, erhalten eine Unter- suchung und nach der Diagnose einen dazugehörigen Behandlungsplan, manch- mal noch Röntgenbilder. Sobald das dann alles fertig ist, reisen sie für die Behandlung dann in die Türkei, aus finanziellen Gründen natürlich.“ Zu Deutschen im Ausland: „Bezüglich des Qualitätsaspekts waren Patienten oft unzufrieden. [....] die medizi- nische Qualität der Behandlung war einfach schlecht. Obwohl, insgesamt nimmt die Qualität aber zu. Früher war es noch sehr viel schlechter.“ „Später bemerken Patienten oftmals, dass sie Probleme haben, etwas schmerzt, etwas geht kaputt, etwas entzündet sich oder sie haben Zahnfleischbluten. Sie merken also [...], dass es billig war, aber trotzdem insge- samt vielleicht nicht so gut.“ „Es war zwar billig, aber trotzdem nicht so gut.“ Zitate der befragten Zahnärzte Deutsche Patienten lassen sich am häufigsten aus Kostengründen zahnärztlich im Ausland behandeln – oder weil sie in Grenzregionen wohnen. Dagegen ließ sich die Mehrheit der Patienten aus dem Ausland hierzulande wegen Notfallsituationen zahnärztlich behandeln. www.centquatre.de_Fotolia 52 Politik

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