Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 14

zm 108, Nr. 14, 16.7.2018, (1685) Echte Durchbrüche bei der Therapie der Periimplantitis sind nicht zu verzeichnen. Umso wichtiger ist die Früherkennung und die Prävention durch konsequente Behand- lung im Frühstadium, das heißt durch Bio- film-Management bei Mukositis. Hier gibt es wirkungsvolle Behandlungskonzepte, die in mehreren Sessions thematisiert wurden. Es wurden aber auch Alternativen zum Im- plantat vorgestellt, die nur die Parodonto- logie bieten kann: Prof. Henrik Dommisch zeigte beispielsweise eindrucksvoll, wie Zähne mit fortgeschrittenen Paro-Endo-Läsionen regenerativ therapiert werden können. Ein Thema waren der Einsatz von Antibiotika und die Antibiotikaresis- tenzen. Was gab es hierzu Neues? Wir hielten es für dringend geboten, die Diskussion zu diesem Thema vor dem Hin- tergrund der globalen Bedrohung durch bakterielle Resistenzentwicklungen zu füh- ren. Prof. Dr. Constance Schultsz, Expertin für medizinische Mikrobiologie an der Uni- ? versität Amsterdam, präsentierte dazu ein- drucksvolle Daten. Anschließend wurde der Einsatz adjunktiver systemischer Antbiotika in der PAR-Therapie von zwei „Kontrahenten“ debattiert und im Auditorium ein Meinungsbild zum Thema erhoben. In der Tendenz zeichnete sich ein eher zurückhaltender Antibiotikaeinsatz ab, was sehr zu begrüßen ist, denn eine vorge- stellte 8-Jahres-Studie (PD Dr. Karin Jepsen) an einigen Tausend Patienten in Deutsch- land zeigt eine zunehmende Resistenz- entwicklung bei Teilen der parodontal- pathogenen Bakterien gegenüber einigen der üblichen Antibiotika. Zur Thematik der adjunktiven Antibiotikatherapie erscheint demnächst eine S3-Leitlinie der DG PARO. Im nächsten Jahr wird die EFP ebenfalls eine Leitlinie vorlegen. Auf der EuroPerio9 war die Welt zu Gast in Europa. Das legt nahe, dass Europa in der internationalen paro- dontologischen Klinik und Forschung ? eine zentrale Rolle einnimmt – insbe- sondere im Vergleich zur Parodonto- logie in den Vereinigten Staaten und Japan. In der Tat hat sich die EFP, die die EuroPerio veranstaltet, heute als die treibende Kraft in der Parodontologie etabliert. Sie agiert nicht als Berufsverband, sondern hat einen sehr wissenschaftlich orientierten Ansatz. Mit dem „Journal of Clinical Periodonto- logy“ (JCP) betreibt sie eine hochrangige, weltweit anerkannte Fachzeitschrift, in der neue Erkenntnisse publiziert werden. Auf den jährlichen Konsensus-Workshops wird diese Evidenz aufbereitet und in Empfehlungen umgesetzt. Schließlich wird alle drei Jahre der interna- tionalen Fachwelt auf den EuroPerio-Kon- gressen Fortbildung zu diesen Themen an- geboten – ein sehr fundiertes und, wie die Teilnehmerzahlen zeigen, auch sehr erfolg- reiches Konzept. br Mit Lasershow und großer Symbolik wurde die EuroPerio9 am 20. Juni in Amsterdam eröffnet. Delegierte der 30 nationalen europäischen parodontologischen Fach- gesellschaften der European Federation of Periodontology (EFP) trugen die Fahne ihrer Mitgliedsländer auf die Bühne des Kongress-Center im Messe- und Event- komplex Amsterdam (RAI). Alle drei Jahre kommen Parodontologen aus allen Konti- nenten zum weltgrößten Kongress zur Pa- rodontologie und Implantatzahnmedizin EuroPerio zusammen. Das wissenschaft- liche Programm umfasste 42 Sessions mit 134 eingeladenen Referenten sowie mehr als 1.720 Abstracts, die in Kurzvorträgen und E-Poster-Beiträgen präsentiert wurden – neue Rekorde bei den Teilnehmerzahlen, Vorträgen und Veranstaltungen. Neue For- mate wie PerioTalks, Nightmare Session, Live-Surgery, 3-D-Sessions, interaktive De- batten und Behandlungsplanungen unter Einsatz der eigens entwickelten Congress App und der weltweite PerioContest setz- ten Maßstäbe für die Zukunft. Nie zuvor war Parodontologie so eindrucksvoll in Szene gesetzt worden. Einer der Höhepunkte des Kongresses war die Präsentation der neuen Klassifikation parodontaler und peri-implantärer Erkran- kungen. Erstmals wurde der Zustand paro- dontaler Gesundheit definiert, die Parodon- titis neu eingeteilt und eine Klassifikation für peri-implantäre Gesundheit, peri-implan- täre Mukositis und Peri-implantitis verab- schiedet (Siehe zm 12/2018, S. 76–82). Das umfangreiche wissenschaftliche Pro- gramm deckte Themen aus allen großen Bereichen der Parodontologie und Im- plantatzahnmedizin ab, die aktuellen The- rapieverfahren wurden dargestellt. Hinzu kamen Schwerpunkte beispielsweise zu den Risikofaktoren Diabetes, Adipositas und Ernährung. Studien belegen, dass eine ungesunde Ernährung parodontale Erkrankungen verstärken kann; durch Um- stellung der Ernährung kann die Entzün- dung reduziert werden. Das humane Mikrobiom und seine Rolle in Gesundheit und Erkrankung war ebenso Thema wie zahlreiche Zusammenhänge zwischen dem inflammatorischen Geschehen im Mundraum und Allgemeinerkrankungen und die Rolle der Genetik. Deutsche Teilnehmer stellten nach dem Gastgeberland Holland nicht nur das größte Besucherkontingent, auch die deutschen Referenten waren auf der Euro- Perio9 bestens vertreten: PD Dr. Bettina Dannewitz (Frankfurt), Prof. Dr. James Deschner (Mainz), Prof. Dr. Christof Dörfer (Kiel), Prof. Dr. Henrik Dommisch (Berlin), Prof. Dr. Peter Eickholz (Frankfurt), PD Dr. Karin Jepsen (Bonn), Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen (Bonn), PD. Dr. Jockel-Schneider (Würzburg), PD Dr. Moritz Kebschull (Bonn), Prof. Dr. Thomas Kocher (Greifs- wald), Prof. Dr. Jörg Meyle (Giessen), Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf (Würzburg) , Prof. Dr. Arne Schäfer (Berlin), Prof. Dr. Frank Schwarz (Frankfurt), Dr. Otto Zuhr (München). Die nächste EuroPerio findet vom 2. bis zum 5. Juni 2021 in Kopenhagen statt. \ Parodontologie mit Rekorden E URO P ERIO 9 IN A MSTERDAM 85

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