Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 14

zm 108, Nr. 14, 16.7.2018, (1688) Im vergangenen Jahr waren über 1.000 Menschen in der zahnmedizi- nischen Sprechstunde. Wer kommt zu Ihnen? Dr. Peter Urbanowicz: Das ist ganz unter- schiedlich. Unsere Einrichtung richtet sich generell an alle Menschen ohne Kranken- versicherung – unabhängig von der Her- kunft oder der Nationalität. Patienten mit Flüchtlings- oder Duldungsstatus sind nicht Zielgruppe unserer Einrichtung, da sie ja einen Basis-Krankenversicherungsschutz haben. Man glaubt gar nicht, wie viele Lebenssituationen es gibt, die dazu führen können, auch hierzulande durch den Rost der Absicherung vor Krankheit zu fallen. Das kann der kleine Solo-Selbstständige mit wenig Gewinn sein, dem die Beiträge für die Krankenversicherung zu hoch sind oder der pleite gegangen ist. Oder auch der Obdachlose oder arbeitslose Geschiedene, bei dem der Familienschutz weggefallen ist, und die es versäumt haben, sich in der Drei- monatsfrist wieder bei einer Krankenkasse anzumelden. Haben Sie auch Zulauf von nicht-deutschen Patienten? Ja klar. Das können Reisende sein, oder Leute, die nur ein dreimonatiges Visum haben und dann wieder aus Deutschland weggehen. Hier in der Einrichtung erfahren wir nur die Namen der Patienten – sonst nichts, nicht einmal die Adresse. Da viele Patienten weder eine Praxis noch ein Kran- kenhaus aufsuchen wollen oder können, helfen wir unter Wahrung der Anonymität. Menschen aus osteuropäischen EU-Ländern, vor allem Bulgarien und Rumänien, sind unsere größte Zielgruppe. Es fällt auf, dass viele Patienten aus diesen Ländern offen- sichtlich gerade erst zugereist und bei hier lebenden Familien oder Landsleuten unter- gebracht sind und offensichtlich ihren Hauptwohnsitz im Heimatland behalten. ? ? Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung „Stühle und ein fahrbares Röntgengerät wären hilfreich“ Seit 2005 versorgen die Malteser in Köln Menschen ohne Krankenversicherung, seit 2013 auch zahnmedizinisch. Durch das Netz fallen dabei nicht nur Obdach- lose, sagt Dr. Peter Urbanowicz, Leiter der zahnärztlichen Abteilung, im Gespräch mit den zm. \ Jede Woche öffnet die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung ihre Sprechstunde. Erstbehandlung und Be- ratung sind kostenlos. Notwendige Medika- mente werden auf Privatrezept verschrieben und müssen vom Patienten selbst bezahlt werden. \ Die Sprechstunde finanziert sich aus- schließlich durch Spenden. Es gibt keine staatlichen Zuschüsse. Die Malteser stellen Räume und Infrastruktur sowie personelle Unterstützung zur Verfügung. \ Es gibt drei medizinische Fachbereiche: die Erwachsenensprechstunde, die kinder- ärztliche und die zahnärztliche Sprechstunde. Im Jahr 2017 bestand das ehrenamtlich tätige Team aus 29 Ärzten, Zahnärzten, Apothe- kern, Krankenschwestern und ZFA. \ 2017 wurden insgesamt 2.142 Patienten behandelt, davon 1.062 in der zahnmedizi- nischen Sprechstunde, 846 Patienten in der Erwachsenensprechstunde und 243 in der Kindersprechstunde. Quelle: Jahresbericht MMM 2017 Krankenversicherung Malteser Medizin für Menschen ohne „Für viele sind wir die letzte Hoffnung“, sagt Dr. Peter Urbanowicz, Leiter der zahnärztlichen Abteilung bei der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung. Alle Fotos: zm-lu 88 Gesellschaft

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