Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 18

zm 108, Nr. 18, 16.9.2018, (2068) Die Anamnese der Patientin ergab multiple Erkrankungen (Abbildung 1). Sie litt an einer Schilddrüsenunterfunktion, die medi- kamentös mit Levothyroxin eingestellt war. Sie hatte eine bekannte Trigeminusneural- gie, die über Gabapentin behandelt wurde. Des Weiteren bestanden ein insulinpflichti- ger Diabetes und ein Bluthochdruck. Ver- mutlich auf Basis einer Hepatitis aufgrund des Morbus Osler litt die Frau zusätzlich unter einer Leberzirrhose. Jüngst war sie wegen eines subduralen Hämatoms in sta- tionärer Behandlung gewesen. Im Allergie- pass wurden unter anderem Novocain, Tetracain als Lokalanästhetika und auch Perubalsam, das in zahlreichen Salben vor- handen ist, angegeben. Bei der klinischen Untersuchung zeigten sich neben den nicht erhaltungswürdigen Zähnen eine Lingua plicata (Abbildung 2), aber auch multiple fleckige Veränderungen auf der Mundschleimhaut (Abbildung 3). Bei diesen Veränderungen handelte es sich allein um farbliche, das heißt rötlich-bläuliche, Alterationen, die nicht über das Niveau der Schleimhäute erhaben waren. Hier lag der Verdacht auf das Vorliegen eines Morbus Osler nahe, der von der Patientin auch so bestätigt wurde. Abgeklärt worden war dies in einer hämatoonkologischen Praxis. Diskussion Pathologische Blutungen können inadäquat lang oder stark ausfallen oder ohne ent- sprechenden Anlass vonstatten gehen. Unterschieden werden Defekte im Bereich der Thrombozyten, der plasmatischen Ge- rinnung sowie in den Gefäßen. Etwa 70 Prozent aller pathologischen Blu- tungen finden ihre Ursache bei den Throm- bozyten, die entweder in nicht ausreichen- der Zahl vorliegen oder einen Defekt auf- weisen. Das heißt, derartige Erkrankungen entziehen sich einer schnellen Diagnostik, da erst Thrombozytenfunktionstestungen durchgeführt werden müssen. Insgesamt Der besondere Fall mit CME Morbus Osler Christian Walter, Eva Papesch Eine 72-jährige Patientin mit Morbus Osler wurde mit der Bitte um Zahnsanie- rung bei bestehenden Schmerzen von einer niedergelassenen Kollegin über- wiesen. Eine Therapie gegen den Morbus Osler gibt es nicht. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass es vermehrt zu Blutungen kommen kann. Kliniker präsentieren Fälle mit hohem diagnostischem Schwierigkeitsgrad. Abbildung 1: Panoramaschichtaufnahme mit mehreren nicht erhaltungswürdigen Zähnen Alle Fotos: Walter et al. 56 Zahnmedizin

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