Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 12

zm 109, Nr. 12, 16.6.2019, (1374) Abbildung 4: Oft ist das Zahnfleisch geschwollen, weil neue Zähne kommen. Deswegen sollten Eltern den ersten Milch- backenzahn quer putzen (grüner Pfeil). zahnbürste weniger stark verdrängt. Eltern berichten häufig, dass die Zunge des Kindes das Auswischen lingual gar nicht zulässt. Daher liegt bei vielen Kindern Plaque am lin- gualen Zahnfleischrand der Milchmolaren. Das Kind würgt beim Sauberputzen der Zähne durch die Eltern weniger, weil die Eltern mit der Zahnbürste gar nicht so weit nach hinten kommen, wenn sie die Bürste einzeln oder quer führen. Eltern sind schon aufs Querputzen der 6er vorbereitet. Dass Eltern anders Zähne putzen als das Kind selbst, macht die Aufgabenverteilung zwischen Kind und Eltern deutlich: Kinder üben die Systematik K-A-I fürs Leben, Eltern putzen Kinderzähne sauber. Interdentalraumreinigung an den Kariesrisikoflächen Ab dem Zeitpunkt, an dem sich zwischen Milchvierer und -fünfer ein Kontaktpunkt gebildet hat, müssen Eltern den Raum unter dem Kontaktpunkt (Interdentalraum) zu- sätzlich reinigen, da dieser mit der Zahn- bürste nicht erreicht werden kann. In Ab- bildung 5 hat sich beim gleichen Kind (2 Jahre und 9 Monate alt) bei 74/75 ein Kontaktpunkt gebildet, 84 und 85 stehen noch, wie im Durchbruch üblich, lückig. Da Front- und Eckzähne in der physiologischen Gebissentwicklung lückig stehen, ist die Anwendung der Zahnseide durch die Eltern meist an nur vier Stellen imMilchgebiss not- wendig. Das Zahnarztteam sollte bei jeder Vorsorge die Kontaktpunkte bei den Kindern mit der Zahnseide selbst prüfen. Auf schwarzer Zahnseide kann Eltern die Plaque besser sichtbar gemacht werden. Sobald Kontakt- punkte vorhanden sind, muss den Eltern die Anwendung der Zahnseide im Mund des Kindes nach der Tell-Show-Do-Methode vermittelt werden. Ob Eltern den Zahnseide- faden oder den Zahnseidestick verwenden, können sie selbst entscheiden. Sind Eltern in der Anwendung der Zahnseide im Kinder- mund geübt, können sie dann die nächste Kariesrisikostelle, nämlich 6 mesial, auch mit der Zahnseide reinigen. Nach Verlust der Milchfünfer sollen Eltern den Zahnarzt auf- suchen, damit dieser die mesiale Fläche des 6ers anschauen kann. Der Sechsjahrmolar hat recht häufig eine initiale Karies mesial, die zu diesem Zeitpunkt sehr gut therapiert werden kann. Alle Therapieoptionen zur Remineralisation wie zum Beispiel Fluorid- lack-Touchierung, Fluoridgel, calciumhaltige Pasten, jedoch auch Curodont repair, ICON, eine Versieglung oder eine minimalinvasive Füllung sind je nach Kariesstadium denkbar. Dr. Andrea Thumeyer Zahnärztin in Kriftel und Vorsitzende der Landes- arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH) Alle genannten und abge- bildeten Faltblätter sowie die Beratungsbox können Zahnarztpraxen für die Bera- tung von Eltern im Rahmen der neuen Früherkennungs- untersuchungen bestellen. Entsprechende Bestellformulare zum Download stehen im Netz zur Verfügung, Adresse: www.lagh.de. Alternativ finden Sie die Bestellformulare zum Download auch über den QR-Code. hin und her arbeiten (Abbildung 4 roter Pfeil), berühren sie automatisch das ge- schwollene Zahnfleisch des durchbrechen- den Eckzahns und kurze Zeit später das meist deutlich gerötete und entzündete Zahnfleisch des durchkommenden zweiten Milchbackenzahns. Um hier Schmerzen zu vermeiden, sollte das Prophylaxeteam den Eltern früh genug das Einzelnputzen der Milchmolaren zeigen. Einzeln heißt entwe- der quer mit der Handzahnbürste (grüner Pfeil in Abbildung 4) oder einzeln mit der elektrischen Zahnbürste oder einer Schall- zahnbürste. Beide Milchmolaren werden quer geputzt Das Querputzen, entwickelt zusammen mit Dr. Sabine Bertzbach, hat viele weitere Vor- teile: Der Druck ist beim Querputzen geringer, weil die Bewegungsstrecke kürzer ist. Die Milchmolaren, insbesondere die Milchfünfer, stehen oft Monate unterhalb der Okklusionsebene und können in der Bewegungsrichtung auf den Kauflächen hin und her gar nicht erreicht werden. Die tiefen Fissuren der Milchfünfer, insbe- sondere die okklusal-palatinalen Fissuren, können mit demQuerputzen besser erreicht werden. Die effektive Plaquebeseitigung senkt das Kariesrisiko. Die Lingualfäche, insbesondere der lin- guale Zahnfleischrand kann durch zusätz- liches, leichtes Kippen der Bürste besser er- reicht werden, weil die Zunge die Eltern- Abbildung 5: Nach dem Durchbruch des Milchmolaren sind keine Kontaktpunkte vorhanden. Sobald sich diese gebildet haben, müssen Eltern die Interdentalraumpflege ins Sauberputzen integrieren. Porträt: privat 56 Neue Ära in der Prophylaxe

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