Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 04

zm 110, Nr. 4, 16.2.2020, (246) US-GESUNDHEITSBEHÖRDE FDA ZU AMALGAMFÜLLUNGEN Kein Anlass für Verbot oder prophylaktische Entfernung Die US-amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel (U.S. Food & Drug Administration, FDA) hat die Auswirkungen von Quecksilber aus Amalgamfüllungen auf die Gesundheit epidemiologisch untersucht. D ie FDA hatte in Studien seit 2010 das Gesundheitsrisiko von Amalgam untersucht, mit be- sonderem Schwerpunkt auf Schwan- geren, stillenden Müttern und deren Säuglingen sowie Kindern von unter sechs Jahren. Das damalige Ergebnis: Das Vorhandensein von Amalgam- füllungen korrelierte mit dem Queck- silbergehalt im Blut und im Urin der exponierten Personen. 2019 untersuchte die FDA dieselben Zusammenhänge erneut anhand einer umfangreichen Literaturrecherche, dieses Mal bezogen auf die Gesamt- bevölkerung. Es konnten zwar wieder Korrelationen zwischen der Queck- silberexposition aus Amalgamfüllun- gen und dem Quecksilbergehalt in Körperflüssigkeiten von großen Studien- populationen US-weit und aus anderen Industriestaaten festgestellt werden. Doch ein Tremor oder andere typische neurologische Beschwerden oder Symptome, die auf eine Quecksilber- vergiftung hindeuten können, konn- ten nicht eindeutig dem Quecksilber aus Amalgamfüllungen zugeordnet werden. Es gibt weiterhin Unsicher- heiten, auf welche Quellen in Körperflüssigkeiten messbares Queck- silber konkret zurückzuführen ist – auf Amalgamfüllungen oder auf die Ernährung. URIN: KEIN VERLÄSSLICHER INDIKATOR Die FDA-Studie sagt auch, das der Quecksilbergehalt im Urin kein ver- lässlicher Indikator sei, um so geringe Mengen zu detektieren, wie sie aus Amalgamfüllungen austreten. Gleich- wohl wenden WissenschaftlerInnen in Studien sehr häufig diese Methode an, wie auch im vorliegenden Review der FDA. Auch anhand vorliegender Daten aus Europa (SCENIHR-Bericht, 2015) ließ sich kein von Amalgam ausgehendes Gesundheitsrisiko für die Gesamt- bevölkerung feststellen. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich weder Emp- fehlungen für ein Verbot noch für eine prophylaktische Entfernung von bestehenden Amalgamfüllungen herleiten. Weiter ungeklärt bleibt auch, welche Auswirkungen elementares Queck- silber hat, das aus Amalgamfüllungen in den Körper gelangt und dort in Methylquecksilber umgewandelt wird. Sowohl die AutorInnen der europäischen Untersuchung als auch die FDA empfehlen, die Neurotoxizi- tät von Quecksilber aus Amalgam- füllungen weiter zu untersuchen, denn es gebe Lücken in Bezug auf die klinischen und biomedizinischen Auswirkungen. Kerstin Albrecht U.S. Food & Drug Administration (FDA), Center for Devices & Radiological Health, Epidemiological Evidence on the Adverse Health Effects Reported in Relation to Mercury from Dental Amalgam: Systematic Literature Review (2010-Present); September 2019 Foto: Adobe Stock_charnsitr Die FDA empfiehlt, die Neurotoxizität von Quecksilber aus Amalgamfüllungen weiter zu untersuchen, weil noch Lücken in Bezug auf klinische und biomedizinische Auswirkungen bestehen. 16 | ZAHNMEDIZIN

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