Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 8

zm 111, Nr. 8, 16.4.2021, (673) jährige habe sie bei den Schulaufga- ben mit Schieferstift und Tafel eine ziemlich starke Ohrfeige von ihrer Stiefmutter bekommen, sodass der Schieferstift zerbrochen sei. Danach habe sie an der Schläfe stark geblutet und eine kleine Verletzung über dem Ohr bemerkt. Im weiteren Verlauf habe die Wunde dann geeitert und einige Tage geschmerzt. Aus Angst vor der Reaktion der Stiefmutter und aus Scham habe die Patientin damals aber niemandem davon erzählt und ein Kopftuch getragen, bis die Wunde abgeheilt war. Auf der angefertigten Computer- tomografie war ein zur Geschichte der Patientin passendes Objekt in der Form einer Griffelspitze deutlich er- kennbar, die im Spatium pterygo- mandibulare mit enger Lagebeziehung zum Nervus mandibularis lokalisiert war (Abbildungen 2 und 3). Der Schieferstift wurde daraufhin unter stationären Bedingungen in der Mund-, Kiefer- und Gesichts- chirurgischen Klinik des Universitäts- klinikums Erlangen komplikationslos durch einen enoralen Zugang ent- fernt (Abbildungen 4 und 5). In der postoperativen Phase nahmen die Be- schwerden der Patientin kontinuier- lich ab und verschwanden schließlich vollständig. Die langjährige Schmerz- medikation mit Carbamazepin konnte nach Entlassung aus der stationären Behandlung ausgeschlichen werden. DISKUSSION Ein eingesprengter Fremdkörper, der den Nervus mandibularis insbesondere bei Kaubewegungen chronisch reizte, war die Ursache für die jahrelangen Beschwerden der Patientin mit einer massiven Einschränkung ihrer Lebens- qualität. Ernüchternd an diesem Fall ist die Tatsache, dass der Fremdkörper trotz der langen Leidensgeschichte und der Vorbehandlungen erst so spät erkannt wurde. PROF. DR. DR. FALK WEHRHAN, MHBA Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie Weißenburg, Donauwörth und Eichstätt Bismarckanlage 3, 91781 Weißenburg und Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichts- chirurgie am Universitätsklinikum Erlangen Glückstr. 11, 91054 Erlangen Foto: privat Abb. 2 und 3: Computertomografische Darstellung eines Fremdkörpers (Griffelspitze) innerhalb des Spatium pterygomandibulare in der koronaren Reformation (l.) und in der axialen Darstellung (r.) FREMDKÖRPERDARSTELLUNG NACH BILDGEBUNGSVERFAHREN Zahnfilm/ OPG CT/DVT MRT Ultraschall Tab. 1: Darstellungsfähigkeit von Fremdkörpermaterialien in unterschiedlichen Bildgebungsmodalitäten Quelle: modifiziert nach [Kaviani et al., 2014;, Javadrashid et al., 2015] Metall + + - 0 Zahn 0 + 0 0 Holz - - - + Kunststoff - + 0 0 Stein 0 + + 0 Glas 0 + 0 0 Graphit + + + 0 Quelle: MKG Weißenburg, Donauwörth, Eichstätt ZAHNMEDIZIN | 15

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