Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 6

zm112, Nr. 6, 16.3.2022, (525) Längsfraktur in die palatinale Wurzel (Fall Nr. 3) Eine 22-jährige Patientin stellte sich erstmals im Sommer 2017 mit rezidivierenden Beschwerden an dem alio loco endodontisch behandelten Zahn 16 vor. Nach ausgiebiger Aufklärung über die Therapieoptionen bei Verdacht auf einen unbehandelten mb2 erfolgte die Revisionsbehandlung des Zahnes mit der Empfehlung, diesen aufgrund des großen Substanzdefekts zur Stabilisierung zeitnah zu überkronen. Bevor die Überkronung durchgeführt werden konnte, frakturierte der palatinale Höcker. Bei der Inspektion unter dem Operationsmikroskop war sichtbar, dass sich die Fraktur als Längsfraktur in die palatinale Wurzel fortsetzte. Mit der Patientin wurden nun die Optionen der Teilamputation der frakturierten Wurzel oder alternativ der Extraktion des Zahnes besprochen. Sie entschied sich für den Erhaltungsversuch. Darauf erfolgte die Amputation der palatinalen Wurzel mit anschließender Versorgung durch eine vollkeramische Krone. Die Situation ist nach inzwischen drei Jahren weiterhin stabil, die Patientin kommt mit der Versorgung gut zurecht, lediglich palatinal finden sich leicht erhöhte Sondierungstiefen. Abb. 1: Sicht auf die Fraktur 2017 durch das Operationsmikroskop Abb. 2: Röntgen präoperativ Abb. 3: nach Eingliederung einer vollkeramischen E-max-CAD-Krone Abb. 4: Röntgenkontrolle nach Amputation der palatinalen Wurzel Abb. 5: Verlaufskontrolle drei Jahre nach Amputation der palatinalen Wurzel Abb. 6: Aktuelle klinische Situation: Wegen der palatinalen Gingivitis wurde die Mundhygiene der Amputationsregion erneut geübt. Alle Fotos: Praxis Dres. König/Antritter bei Oberkiefermolaren, deren palatinale Wurzel entfernt wurde, langfristig schlechter ist als bei jenen, denen eine der bukkalen Wurzeln entfernt wurde. Die Zähne mit entfernter palatinaler Wurzel weisen häufiger erhöhte Sondierungstiefen und BOP auf als die anderen hier gezeigten Zähne. In allen drei nachuntersuchten Fällen, bei denen die palatinale Wurzel entfernt wurde, zeigte sich zudem BOP oder Pusaustritt aus dem Parodontalspalt. Die Röntgenbilder wiesen bei diesen Fällen bei der Kontrolluntersuchung deutliche Hinweise für einen progredienten Knochenabbau auf. Diese Beobachtung basiert lediglich auf der Nachuntersuchung von drei Fällen, wird bei uns nun jedoch bei der Behandlungsplanung berücksichtigt. Im Fall von median verlaufenden Frakturen der Zahnkrone kann der Behandler vor der Wahl stehen, entweder die beiden bukkalen oder die palatinale Wurzel zu entfernen. Wir sind in diesem Fall bislang davon ausgegangen, dass das Belassen von zwei (vestibulären) Wurzeln stabilere Verhältnisse ermöglicht als ein Restmolar mit einer palatinalen Wurzel, da die parodontale Verankerung durch zwei bukkale Wurzeln in der Regel der alleinigen Verankerung durch eine einzelne palatinale Wurzel überlegen scheint. Für diese Annahme sprechen die größere Fläche des Parodonts und die gespreizte Ausrichtung der beiden bukkalen Wurzeln. Der angenommene Vorteil der besseren Verankerung schien die Entfernung der palatinalen Wurzel im Fall einer Medianfraktur zu rechtfertigen. Auf der anderen Seite bereitet es den Patienten trotz ausführlicher Mundhygieneunterweisungen größere Probleme, den nach Amputation der palatinalen Wurzel entstandenen Bifurkationsbereich (vor allem von palatinal) zu reinigen. Diese Schwierigkeit in der Mundhygiene kann die Prognose des Zahnes durch infolge DR. ANNE-KATRIN KÖNIG Endodontische SchwerpunktpraxisKurbrunnenstr. 9, 67098 Bad Dürkheim rezeption@koenig-zahnaerzte.de Foto: Hans-Georg Merkel ZAHNMEDIZIN | 47

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