Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 8

zm112, Nr. 8, 16.4.2022, (783) inklusive weiterer Karrieremöglichkeiten: „Die Zahnmedizin ist viel kleiner und enger, es muss faszinierender und detaillierter sein. Schließlich geht es fünf Jahre lang nur um den Mund.“ Auch dass es um die Interaktion mit Menschen geht, macht den Beruf attraktiv. So geben die Jugendlichen an, der Umgang mit den Patienten könnte anspruchsvoll sein, genau das könnte den Arbeitstag aber auch vielfältiger gestalten: „Man wird wahrscheinlich jeden Tag schwierige Patienten haben, aber ich denke, das ist Teil der Herausforderung.“ Der „Austausch mit Menschen“ wurde dabei nicht nur als Vorteil gesehen, sondern war zugleich Kriterium für die Ablehnung anderer Möglichkeiten bei der Berufswahl: „Ich habe mich für Zahnmedizin entschieden, weil man in der Mathematik nicht so viel mit Patienten, Kunden und Menschen arbeiten kann.“ Dabei war es für die Schüler von Bedeutung, nicht nur Teil, sondern auch Leiter eines Teams zu sein. „DU BIST IMMER AUCH EIN KÜNSTLER!“ Der Wunsch Menschen zu helfen, steht bei vielen Schülern im Fokus und da stellten sie fest, dass eine Karriere in der Zahnmedizin ihrer fürsorglichen Natur entspricht. Die Überlegung, dass man sich in dem Beruf um das Wohl der Menschen kümmert, schien für die Entscheidung grundlegend zu sein: „Ich glaube, dass sich die Mundgesundheit auf das Selbstwertgefühl auswirkt.“ Essenziell war für viele auch, ihre manuelle Geschicklichkeit einbringen und sich künstlerisch ausdrücken können: „Du bist auch ein Künstler und du weißt, dass du deinen Verstand jeden Tag auf sehr kreative Weise einsetzt, das hat mich wirklich angesprochen.“ Demotivierend fanden die Teenies dagegen die fehlende Vielfalt, was Arbeit und Setting angeht: „Sie müssen das Arbeitsumfeld ein bisschen aufpeppen. Wenn man den ganzen Tag auf den Mund starrt, ist es ein bisschen langweilig.“ Wer den Beruf für sich verwarf, lehnte immer auch die Arbeit mit Zähnen, im Mund und die erforderliche Nähe zu den Patienten ab: „Ich mag es einfach nicht, im Mund von jemandem herumzustochern.“ („Aber in der Medizin stochert man doch auch in den Menschen herum?“) „Aber sie schauen dich nicht an, während du es tust.“ Oft wurden persönliche Erlebnisse beim Zahnarzt als Auslöser für die Entscheidung genannt – positiv wie negativ. Schlechte Erfahrungen standen vor allem im Zusammenhang mit kieferorthopädischen Behandlungen, die im Alter von 13 oder 14 Jahren stattfanden – gerade dann, wenn in England die Entscheidung für oder gegen das Abitur ansteht. Prinzipiell beeinflussten die Eltern ihre Kinder sehr stark bei der Berufswahl. Aber auch die Reaktion von Freunden spielte eine große Rolle: „Wenn man in der Schule erzählt ‚ Ich mache Medizin‘, sagen alle ‚ wow!‘, sagt man ‚ Ich mache Zahnmedizin‘, sagen sie ‚ Warum willst du jemandem den ganzen Tag in den Mund gucken?‘. Die Schüler waren sich übrigens einig, dass die Zahnmedizin in den Medien negativ dargestellt wird – und fanden das ungerecht, speziell im Vergleich zur positiven Darstellung einer medizinischen Karriere. Bemerkenswerterweise wurden einige Faktoren gleichzeitig als positiv und negativ bewertet: das „Geschäft“ der Zahnmedizin, das Maß an Verantwortung, das ein Zahnarzt für seine Patienten trägt, die Zahnmedizin als „Spezialgebiet“ und das Arbeitsumfeld. Dies zeigt den Autoren zufolge, wie individuell die Wahrnehmung in dem Fach ist. Ihr Fazit: „Studierende mit dem größten Sozialkapital bekommen mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Stelle in diesen Berufen. In Zukunft müssen wir unbedingt erforschen, wie junge Menschen aus benachteiligten Verhältnissen, denen eine solche Unterstützung fehlt, ihre Chancen nutzen können.“ ck Niven, V., Cabot, L., Scambler, S. et al.: Dentistry as a professional career: the views of London‘s secondary school pupils (2011–2017). Br Dent J 232, 396–406 (2022). https://doi.org/10.1038/s41415– 022–4044-x. published 25. March 2022 ZAHNARZT BLEIBT EIN ELITÄRER BERUF Zahnarzt und Arzt sind im Vereinigten Königreich seit der Etablierung des Studiums an den Hochschulen im 19. Jahrhundert hoch angesehene Berufe, gelten allerdings nach wie vor als elitär. Neue Analysen des Universities & Colleges Admissions Service bestätigen, dass dies auch im 21. Jahrhundert noch der Fall ist. Zwar ist die Studentenschaft in den vergangenen Jahren diverser geworden, dennoch sind schwarze Studierende und solche aus niedrigeren sozioökonomischen Gruppen immer noch unterrepräsentiert, sowohl bei den Bewerbungen als auch bei den Zulassungen zum Zahnmedizinstudium. „Das hat noch niemand erwähnt, aber das Gehalt ist auch ziemlich gut.“ Foto: AdobeStock_fotoinfot GESELLSCHAFT | 81

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