Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 10

zm112, Nr. 10, 16.5.2022, (948) Dominik Groß: Lexikon der Zahnärzte und Kieferchirurgen im „Dritten Reich“ und im Nachkriegsdeutschland: Täter, Mitläufer, Oppositionelle, Verfolgte, Unbeteiligte. Band 1: Hochschullehrer und Forscher (A-L). Hentrich und Hentrich, Leipzig 2021. ISBN: 978–3–95565–500–6. 968 Seiten, Hardcover, 215 Abbildungen, 69 Euro. REZENSION EIN OPUS MAGNUM OHNE VORLÄUFER Fast 1.000 Seiten umfasst der erste Band des „Lexikons der Zahnärzte und Kieferchirurgen im ,Dritten Reich‘ und im Nachkriegsdeutschland: Täter, Mitläufer, Oppositionelle, Verfolgte, Unbeteiligte“, so der nicht minder gewichtige Titel des „Lebenswerks“ von Prof. Dominik Groß. Nach rund 30 Jahren wissenschaftlicher Recherche wurde jetzt von Groß, seit 2005 Leiter des Lehrstuhls für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der RWTH Aachen, der erste Band eines auf drei Bände ausgelegten Nachschlagewerks vorgelegt. Das knapp 1.000 Seiten umfassende Buch stellt die verschiedensten Rollen, Lebenswege und Schicksale von Zahnärzten im deutschsprachigen Raum während der Zeit des Nationalsozialismus dar, und beruft sich auf mehr als 2.000 Archiv- und Literaturquellen. „Es hat sich gezeigt, dass die Karrieren nach 1933 meist nicht nach fachlichen Kriterien entschieden wurden und dass der Grad politischer Verstrickung unter Zahnärzten deutlich höher war als noch vor wenigen Jahren angenommen“, fasst Groß zusammen. Er sei so hoch wie in der Medizin, in Teilbereichen sogar noch höher. Dabei habe die Medizin immer als Berufsgruppe mit der höchsten Quote an NS-Mitgliedschaften gegolten, erklärt Groß. Der lexikalische Anspruch geht jedoch deutlich über den Bezug zum Nationalsozialismus hinaus und ist zeitlich nicht auf die Jahre 1933 bis 1945 festgelegt. Viele Lebensläufe beinhalten noch den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die BRD und die DDR. Es ist ein Novum: Es gibt kein Vorgängerwerk, worauf es aufbauen kann. Auffallend ist, dass die überwiegende Mehrheit der aufgeführten Personen männlich ist, was natürlich in der zu dieser Zeit stark männlich geprägten Zahnmedizin begründet liegt. Der Untertitel „Täter, Mitläufer, Oppositionelle, Verfolgte, Unbeteiligte“ soll erklären, dass es bei den einzelnen Biografien nicht um eine Polarisierung von Tätern oder Opfern geht, nicht um ein Täterlexikon oder ein spezielles biografisches Gedenkbuch für verfolgte Zahnärzte, wie der Autor schreibt, sondern um die ganze Bandbreite des oft widersprüchlichen, situativ wechselnden und nicht selten kontrovers beurteilten Verhaltens von in irgendeiner Form exponierten Kollegen. Die ersten beiden Bände befassen sich mit den als Hochschullehrer und Wissenschaftler hervorgetretenen Zahnärzten und MKG-Chirurgen (Band 1: A-L; Band 2: M-Z). Band 3 wird sich mit allen praktisch beziehungsweise nicht-universitär tätigen Zahnärzten und Dentisten beschäftigen, die entweder als Standespolitiker oder in sonstigen Zusammenhängen tätig waren und eine über ihre praktische Tätigkeit hinaustretende Bedeutung oder Bekanntschaft erlangten. Alle Kurzbiografien folgen einer einheitlichen Gliederung: Porträtfoto, soweit vorhanden, Name, Vornamen sowie Rufoder Spitznamen einschließlich möglicher fehlerhafter Namen, akademische Titel, Berufsbezeichnung, Geburtsdatum und -ort, Sterbedatum und -ort, Herkunft, Ausbildung und berufliche Laufbahn, gefolgt von der Einschätzung der Person im Hinblick auf den Nationalsozialismus. Unter „Besonderheiten“ werden fachliche Leistungen und Verknüpfungen zu anderen Persönlichkeiten vermerkt, wobei diesen Bezugspersonen und den damit verbunde30 | REZENSIONEN

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