Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 1-2

zm113 Nr. 01-02, 16.01.2023, (16) 16 | ZAHNMEDIZIN AUS DER WISSENSCHAFT Verringern CPC-Mundspüllösungen die Verbreitung von SARS-CoV-2? Elmar Hellwig Mundspüllösungen mit Cetylpyridiniumchlorid (CPC) steigern den Nucleocapsid-Proteingehalt im Speichel SARS-CoV-2-positiver Probanden deutlich, wie eine Studie aus Spanien zeigt. Das ist ein starker Hinweis auf eine viruzide Wirkung von CPC-haltigen Mundspüllösungen. SARS-CoV-2-Viren können sich über ausgeatmete Aerosole während des Sprechens und Atmens ausbreiten und über größere respiratorische Tropfen, die der Mukosa anhaften, übertragen werden. Die Rolle des Speichels bei der Virenübertragung lässt vermuten, dass Mundspüllösungen, die Inhaltsstoffe mit viruzider Aktivität besitzen, die virale Transmission in einer Hochrisikoumgebung reduzieren können — wie zum Beispiel am Zahnarztstuhl. Es gibt bereits einige In-vitro-Studien, die zeigen, dass antiseptische Mundspüllösungen einen viruziden Effekt haben. Eine von diesen Substanzen ist Cetylpyridiniumchlorid (CPC), die in unterschiedlichen Mundspüllösungen verwendet wird. Die antivirale Aktivität von CPC wurde für unterschiedliche Varianten des SARS-CoV-2 nachgewiesen. CPC ist ein amphiphiles Molekül (sowohl wasser- als auch fettlöslich), das in der Lage ist, die cytoplasmatische Membran von Bakterien aufzubrechen. Die viruzide Aktivität von CPC wird über eine Degradation der Doppellipidschicht vermittelt und wurde sowohl für Influenza- als auch für Corona-Viren belegt. Das Zerbrechen der viralen Hülle korreliert mit einer erhöhten Detektion des SARS-CoV-2-Nucleocapsid-Proteins, das in einem entsprechenden Assay (ELISA) nachgewiesen werden kann. Dieses interne Protein ist im viralen Genom adhäriert und kann bei einer Lyse des Virus vermehrt nachgewiesen werden. Seine Bestimmung ist daher eine sinnvolle Maßnahme, um festzustellen, ob ein Virus noch lebensfähig und übertragbar ist. Methoden Die vorliegende Studie wurde an 19 Gesundheitszenten in der Region Katalonien vom 15. Februar bis zum 2. Juni 2021 durchgeführt. Das Studiendesign war doppelblind, parallel, placebokontrolliert und randomisiert. Eingeschlossen waren Erwachsene, die drei Tage vor dem Einschluss positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden waren. Die Patienten waren asymptomatisch oder wiesenmildeCovid-19-Symptome auf (Fieber, Erkältung, Halsschmerzen, AUS DER WISSENSCHAFT In dieser Rubrik berichten die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der zm regelmäßig über interessante wissenschaftliche Studien und aktuelle Fragestellungen aus der nationalen und internationalen Forschung. Die wissenschaftliche Beirat der zm besteht aus folgenden Mitgliedern: Univ.-Prof. Dr. Elmar Hellwig, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Univ.-Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen, Universität Bonn Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, Charité – Universitätsmedizin Berlin Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, Universitätsmedizin Mainz Coronavirus-Struktur Foto: Penwin - stock.adobe.com

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