Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 1-2

18 | POLITIK 31. BRANDENBURGISCHER ZAHNÄRZTETAG Wenn weniger mehr ist „Minimal invasive Therapien in der Prothetik oder warum weniger besser sein kann” – unter diesem Motto stand der 31. Brandenburgische Zahnärztetag, der am 18. und 19. November in Cottbus stattfand. Rund 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich angemeldet. Kammerpräsident Jürgen Herbert machte sich in seiner Eröffnungsrede Luft über die aktuelle Politik der Bundesregierung. „Ich habe mich noch nie so sehr über einen Bundesgesundheitsminister geärgert“, erklärte er mit Blick auf das kürzlich verabschiedete GKV-Finanzstabilisierungsgesetz (GKV-FinStG). Selbstverständlich sei grundsätzlich nachvollziehbar, dass das 17-Millarden-Euro-Loch in der GKV gestopft werden müsse. „Aber das sind staatliche Aufgaben. So etwas finanziert man über Steuern“, betonte Herbert. Derzeit befinde sich die PAR-Behandlungsstrecke ja noch in der schwierigen Anlaufphase. Man habe sich deshalb dazu entschieden, eine umfangreiche Öffentlichkeitskampagne zu fahren: Um die Vorteile dieser Behandlungsstrecke zu verdeutlichen – „und die Regierung deckelt das. Das ist eine Schweinerei“, sagte der Kammerpräsident sichtlich erbost. In ihrem Grußwort lobte die brandenburgische Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) den Einsatz der Landeszahnärztekammer bei der Gruppenprophylaxe von Kindern und Jugendlichen. Die Einschränkungen während der Corona-Pandemie seien problematisch gewesen. Denn „weniger Gruppenprophylaxe bedeutet mehr unentdeckte Karies bei Kindern“, betonte die Ministerin. Und erinnerte an unser aller Verpflichtung: „Alle Kinder haben ein Recht auf gruppenprophylaktische Betreuung. Und alle Kinder müssen die Chance haben, gesund aufzuwachsen.“ Dass digital per se gut ist, ist Quatsch Mit Blick auf das Thema des Zahnärztetages hob sie die Erfolge der präventionsorientierten Zahlheilkunde hervor, die dafür gesorgt hätten, dass die prothetischen Versorgungen erst später und anders notwendig werden. Sie bemängelte, dass sich die GKV bislang bei minimalinvasiven Methoden noch nicht in dem Maß beteilige, wie sich das die Patienten wünschen. Prof. Dr. Matthias Kern, Kiel, präsentierte zu Beginn das von ihm zusammengestellte wissenschaftliche Programm des Zahnärztetages. Kern, der seit langen Jahren leidenschaftlich für minimalinvasive Versorgungen eintritt, wies darauf hin, dass auch die digitalen Verfahren nicht immer zum minimalinvasiven Prinzip passten: „Es wird oft so getan, als sei ‚digital‘ per se schon gut. Das ist aber Quatsch. Oft ist das, was digital gemacht wird, noch gar nicht so gut wie das Analoge. Wir sollten dann auf die digitalen Methoden zurückgreifen, wenn sie wirklich besser sind, wenn sie einen Mehrwert für die Praxis und für den Patienten haben.“ Das kam unter den Zuhörern offensichtlich gut an, denn Kern freute sich über einen „ungewohnten Zwischenapplaus“. sr Kammerpräsident Jürgen Herbert: „Ich habe mich noch nie so über eine Bundesregierung geärgert.” Foto: LZÄK Brandenburg zm113 Nr. 01-02, 16.01.2023, (18)

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