Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 1-2

Dem statistischen Jahrbuch der KZBV zufolge wurden im Jahr 2020 insgesamt 579.100 Wurzelspitzenresektionen (WSR) bei GKVVersicherten durchführt (BEMA-Positionen 54a bis 54c). Im Vergleich zum Jahr 2000 mit 557.000 abgerechneten Resektionen stellt dies ein leichtes Plus von 3,9 Prozent dar. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass der Bedarf an chirurgischer Behandlung apikaler Probleme in den vergangenen 20 Jahren weitgehend konstant geblieben ist. Allerdings spielt heute insbesondere die Behandlung der Molaren eine größere Rolle, während die Zahl der Frontzahnresektionen abgenommen hat. Die Prognose wurzelspitzenresezierter Zähne Der Erfolg der Wurzelspitzenresektion beinhaltet den In-situ-Verbleib des Zahns, die Symptomfreiheit und eine röntgenologische Ausheilung des knöchernen Defekts (Abbildung 1). Der erste Punkt dient als Grundlage für die Berechnung der Überlebensrate, alle Punkte zusammen dienen der Berechnung der Erfolgsrate. Literaturangaben zur Prognose wurzelspitzenresezierter Zähne sind ausreichend vorhanden und unter Berücksichtigung der jeweiligen Nachbeobachtungszeiträume (1 bis 10 Jahre) erscheinen die Überlebens- beziehungsweise Erfolgsraten (47,5 bis 91,5 Prozent) (Tabelle 1) akzeptabel, insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die WSR oftmals die allerletzte Therapieoption für einen Zahn darstellt. Es ist aufgrund der heterogenen statistischen Ausarbeitung der publizierten Studien allerdings kaum möglich, Vergleiche anzustellen oder die Daten zusammenzufassen. Ein methodisches Problem der meisten Studien ist der Umgang mit Drop-outs. Nur ein Teil der publizierten Arbeiten führte bei der Berechnung der Überlebensrate der Zähne eine Kaplan-Meier-Analyse durch. Alle anderen Arbeiten machen nur deskriptive statistische Angaben zu definierten Zeitpunkten. Die Notwendigkeit eines Schätzverfahrens ergibt sich aber aus der Tatsache, dass bei einem Teil der Studienteilnehmer das Ereignis (Extraktion beziehungsweise Rezidiv) bis zum Ende der Nachbeobachtungszeit nicht eintritt oder die Patienten die Studie vorzeitig verlassen (Drop-outs) [Zwiener et al., 2011]. Ohne Berücksichtigung dieser Zensierungen kann es zu verzerrten Ergebnissen kommen und dieser Effekt ist so stark, dass andere Einflussfaktoren auf die Überlebensrate in den Hintergrund treten. Mithilfe des Log-Rank-Tests können bei dem Kaplan-Meier-Verfahren Gruppenvergleiche durchgeführt werden und mit der Cox-Regression der gleichzeitige Einfluss vonmehreren Variablen auf die Überlebenszeit untersucht werden. Einen eher unkonventionellen wissenschaftlichen Weg beschritt eine Untersuchung, bei der Abrechnungsdaten einer deutschen gesetzlichen Krankenversicherung ausgewertet wurden. Es wurde nach den bekannten Abrechnungspositionen für Wurzelspitzenresektionen gefiltert und anschließend abgefragt, ob in der Folgezeit eine Position für eine Extraktion oder Osteotomie abgerechnet worden war. So konnte auf einen Zahnverlust geschlossen und zeitbezogen eine Schätzung der Überlebensrate mithilfe der Kaplan-Meier-Methode durchgeführt werden. Ausgewertet wurden 93.797 Zähne bei 77.636 Patienten. Die Ergebnisse ergaben eine kumulative Überlebensrate von 81,6 Prozent nach drei Jahren [Raedel et al., 2015]. Bei einer retrospektivenStudie aus einer freien MKG-Praxis wurden retrospektiv Krankenblätter und Röntgenaufnahmen von 149 Behandlungsfällen analyFORTBILDUNG „DIE ZWEITE CHANCE“ Update Wurzelspitzenresektion – die aktuelle Evidenz im Fokus Matthias Kreisler, Philipp Luhrenberg, Bilal Al-Nawas Ungeachtet aller neueren Entwicklungen ist die Wurzelspitzenresektion nach wie vor ein substanzieller Bestandteil des zahnmedizinischen Therapiespektrums. Der Erfolg der Intervention ist von zahlreichen patientenindividuellen und iatrogenen Faktoren abhängig. Dabei bleibt die Gewinnung belastbarer wissenschaftlicher Evidenz zu wichtigen klinischen Fragen eine Herausforderung. Der Beitrag analysiert die aktuelle Literatur in Bezug auf klinisch relevante Fragestellungen und präsentiert eigene Daten. Abb. 1: Vollständige knöcherne Ausheilung sieben Monate nach Durchführung der WSR zm113 Nr. 01-02, 16.01.2023, (50) 50 | ZAHNMEDIZIN Foto: Matthias Kreisler ZM-LESERSERVICE Die Literaturliste kann auf www.zm-online.de abgerufen oder in der Redaktion angefordert werden.

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