Zahnärztliche Mitteilungen Nr. 1-2

siert, die in einem Fünfjahreszeitraum in der Praxis behandelt worden waren, und mit der Kaplan-Meier-Analyse eine Überlebensrate geschätzt. Die Autoren ermittelten Überlebensraten von 90,4, 60,4 und 48,3 Prozent nach einem, drei und zehn Jahren [Beck-Broichsitter et al., 2018]. DieAnwendung der Kaplan-Meier-Analyse erlaubt bei einer ausreichend langen Nachbeobachtungszeit auch die Angabe einer medianen Überlebenszeit und Erfolgsrate. Es ist die Zeit, nach der genau die Hälfte der Zähne noch in situ verblieben (mediane Überlebenszeit) beziehungsweise klinisch und röntgenologisch asymptomatisch (mediane Erfolgsrate) sind (Abbildung 2). Erfahrungsgemäß lässt sich diese Zahl leichter verständlich ins Patientenaufklärungsgespräch einfügen als die Erläuterung einer Kaplan-Meier-Kurve. Eigene Daten aus der Auswertung von 3.895 nachbeobachteten Zähnen zeigen unter Berücksichtigung der klinischen Symptomatik eine mediane Erfolgsrate von 120 Monaten (Abbildung 2) und von 109 Monaten unter Berücksichtigung klinischer und röntgenologischer Befunde [Kreisler, 2018]. Sehr wichtig ist es, bei der Analyse der Überlebens- und Erfolgsrate zu differenzieren, ob die Entfernung des Zahns tatsächlich aufgrund einer Reinfektion erfolgte, was tatsächlich als Fehlschlag der WSR interpretiert werden müsste, oder aufgrund anderer Ursachen. Häufige andere Gründe sind später eingetretene Wurzel- und Kronenfrakturen, Extraktionen im Rahmen von prothetischen Neuversorgungen und Änderungen der Behandlungsplanung, eine fehlende Erhaltungswürdigkeit aufgrund parodontaler Probleme und andere unbekannte Gründe, die eher das Schicksal der resezierten Zähne und nicht den Therapiemisserfolg der WSR darstellen. Die Wurzelspitzenresektion im Vergleich zu therapeutischen Alternativen Bezüglich der Versorgung eines avitalen Zahns mit einer kritischen ProgAbb. 2: Kaplan-Meier-Kurve mit Angabe der medianen Erfolgsrate der WSR (120 Monate). Anzahl der nachbeobachteten Zähne: 3.895, Anzahl der Ereignisse (Auftreten einer klinischen Symptomatik): 307 (Eigenes Patientengut) zm113 Nr. 01-02, 16.01.2023, (51) ZAHNMEDIZIN | 51 Foto: Matthias Kreisler Quelle: [Kreisler, 2018] PROF. DR. MATTHIAS KREISLER Fachzahnarzt für Oralchirurgie, Praxisklinik für Oralchirurgie und Implantologie, Sendlinger Str. 19, 80331 München matthiaskreisler@yahoo.de „ 1997: Zahnärztliches Examen in Regensburg „ 1998-2004: Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Univ.-Prof. Dr. B. d’Hoedt) „ 1999: Promotion „ 2002: Anerkennung als Fachzahnarzt für Oralchirurgie „ 2003: Habilitation und Ernennung zum Privatdozenten „ seit 2003: Lehrauftrag an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz „ 2004-2006: Niedergelassen in der Paracelsusklinik Bad Ems „ seit 2006: Niedergelassen in München „ 2010: Ernennung zum apl. Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ERFOLGSRATEN IM VERGLEICH NACH FOLLOW-UP-ZEITRAUM WSR Endodontische Revision Follow-up n (Studien) Erfolgsrate in % n (Studien) Erfolgsrate in % Signifikanz < 2 Jahre 7 95 3 84 p < 0,05 2-4 Jahre 2 90 2 71 p < 0,05 > 4 Jahre 2 82 2 82 ns Tab. 1: Auswahl an Studien zur Prognose wurzelspitzenresezierter Zähne mit Angabe der Nachbeobachtungszeit, der Anzahl der Fälle und den Überlebens- bzw. Erfolgsraten, Quelle: Kreisler

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