Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 7

ZAHNMEDIZIN | 67 Um diese lebensnotwendigen Fähigkeiten und die Lebensqualität des Patienten so gut wie möglich wiederherzustellen, bieten sich zwei Optionen an: die chirurgische Rekonstruktion oder ein Verschluss mittels prothetischem, herausnehmbarem Defektverschluss. In diesem Beitrag möchten wir die Vor- und Nachteile der beiden Behandlungsoptionen diskutieren sowie mögliche Therapieoptionen des prothetischen Verschlusses aufzeigen, um eine patientenindividuelle Entscheidungshilfe zu geben. Chirurgische Rekonstruktion Wenn möglich und vom Patienten gewünscht, wird eine chirurgische Rekonstruktion gewählt. Hier wird beispielsweise mit mikrovaskulär anastomosierten Fibula- oder Beckenkammtransplantaten nach erfolgter Oberkiefer(teil-)resektion der vollständige Verschluss der oro-nasalen Verbindung angestrebt [Dos Santos et al., 2018]. Durch den Verschluss wird die Sprechfunktion wiederhergestellt. Die knöcherne Rekonstruktion ermöglicht die Insertion von Implantaten in den knöchernen Anteil des Transplantats [Wijbenga et al., 2016], wodurch die Möglichkeit für einen implantatgetragenen Zahnersatz geschaffenwird. Die Risiken der chirurgischen Methode liegen in der Notwendigkeit einer großen Operation, die insbesondere bei gesundheitlich kompromittierten Patienten sorgfältig abgewogen werden muss [Moreno et al., 2010]. Zusätzlich kann es zu einer Transplantatnekrose mit vollständigem Transplantatverlust kommen. Mikrovaskuläre Fibulatransplantate zeigen ein sehr hohes Erfolgsergebnis mit 95 bis 100 Prozent Überlebensrate [Cordeiro und Santamaria, 2000; Rothweiler et al., 2022; Wijbenga et al., 2016]. Ein weiterer Nachteil des Defektverschlusses ist die erschwerte Tumornachsorge, die nur über eine dreidimensionale Bildgebung (MRT, CT) und in Einzelfällen über eine Sonografie erfolgen kann. Aus diesem Grund ist ein chirurgischer Defektverschluss gerade bei Tumoren mit hohem Rezidivrisiko erst ab zwei Jahren nach Erstdiagnose und bei Rezidivfreiheit empfehlenswert. Prothetischer Defektverschluss Bei der Tumornachsorge zeigt sich ein großer Vorteil des prothetischen Defektverschlusses: Zusätzlich zur Bildgebung kann mithilfe klinischer Inspektion frühzeitig ein Rezidiv entdeckt werden [Ali et al., 1995; Moreno et al., 2010]. Beim prothetischen Defektverschluss kann eine Acrylat-Obturator-Prothese gewählt werden, die je nachMundöffnung ein- oder mehrteilig gestaltet ist und die auch verlorengegangene Zähne ersetzt. Alternativ gibt es die zwingend zweiteilige Möglichkeit eines Defektverschlusses über Abb. 1: Defektversorgung zweiteilig (A): Defekt (B) Aufsicht mit Silikon-Obturator, (C) Frontalansicht mit Silikon-Obturator und fein auslaufendem Rand, (D) mit eingesetzter Modellgussprothese auf dem Silikon-Obturator. Dr. med. dent. Olivia Höfer, Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – plastische Operationen, Universitätsklinikum Freiburg Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg olivia.hoefer@uniklinik-freiburg.de Foto: Universitätsklinik Freiburg, Medienzentrum Dr. med. dent. Udo Schneider, Universitätsklinikum Freiburg, Departement für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Medizinische Fakultät, Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Hugstetter Straße 55, 79106 Freiburg und ZIK GmbH Dr. Dr. W. Hallermann St. Leonhardstr. 78, 9000 St. Gallen Foto: Universitätsklinik Freiburg Prof. Dr. Benedikt Spies, Universitätsklinikum Freiburg, Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Klinik für Zahnärztliche Prothetik Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg Foto: Britt Schilling Dr. med. Dr. med. dent. René Rothweiler, Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie – plastische Operationen, Universitätsklinikum Freiburg Hugstetter Str. 55, 79106 Freiburg Foto: Universitätsklinik Freiburg Fotos: Olivia Höfer zm113 Nr. 07, 01.04.2023, (561) A C D B

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