Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

32 | TITEL zm113 Nr. 09, 01.05.2023, (722) Strukturen bezeichnet. Nach der aktuellen IADT-Klassifikation erfolgt die Einteilung dentaler Traumata in Frakturen („tooth fractures“) und Luxationsverletzungen („luxations“ beziehungsweise „luxation injuries“) [Bourguignon et al., 2020]. Im deutschen Sprachraum und auch in der vorliegenden Leitlinie wird anstelle der Luxation gemäß IADT aktuell der Begriff Dislokation verwendet, entsprechend dem Terminus „displacement“. Tabelle 1 fasst die Klassifikation der Zahnverletzungen zusammen. Empfehlungen zur klinischen Diagnostik Die klinische Untersuchung umfasst vergleichende Anamnese, Inspektion, Palpation, Perkussion, Sensibilitätstest und Okklusionsprüfung. Ao. Univ.-Prof. i. R. Dr. med. Kurt Alois Ebeleseder Universitätsklinik für Zahnmedizin und Mundgesundheit Graz Abteilung für Zahnerhaltung, Parodontologie und Zahnersatz Billrothgasse 4, A-8010 Graz Foto: privat Prof. Dr. med. dent. Gabriel Krastl Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie / Zahnunfallzentrum Universitätsklinikum Würzburg Pleicherwall 2, 97070 Würzburg Foto: UK Würzburg Prof. Dr. med. Dr. med. dent. DirkNolte Praxisklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie mkg-muc® Sauerbruchstr. 48, 81377 München Foto: privat PD Dr. med. dent. Matthias Widbiller Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Regensburg Franz-Josef-Strauß-Allee 11, 93053 Regensburg Foto: UKR KLASSIFIKATION VON ZAHNUNFÄLLEN Frakturen Dislokationsverletzungen Schmelzinfraktion sichtbarer Riss des Zahnschmelzes ohne Substanzverlust Kronenfraktur, begrenzt auf den Schmelz (= Schmelzfraktur) Kronenfraktur (Schmelz, Dentin, ohne Pulpabeteiligung) (= unkomplizierte Kronenfraktur), Schmelz-Dentin-Fraktur Kronenfraktur (Schmelz, Dentin, mit Pulpabeteiligung) (= komplizierte Kronenfraktur), Schmelz-Dentin-Fraktur mit Freilegung der Pulpa Kronen-Wurzelfraktur (mit und ohne Pulpabeteiligung) bis in die Wurzel extendierte Kronenfraktur. Mobiles Kronenfragment ist oftmals noch an der Gingiva befestigt. Eine Exposition der Pulpa ist nicht zwingend. Wurzelfraktur ohne Kommunikation zur Mundhöhle horizontale bzw. schräge Fraktur der Zahnwurzel. Oftmals erhöhte Mobilität des koronalen Fragments ggf. mit Dislokation Wurzelfraktur mit Kommunikation zur Mundhöhle horizontale bzw. schräge Fraktur der Zahnwurzel. Oftmals erhöhte Mobilität des koronalen Fragments ggf. mit Dislokation Wurzellängsfraktur vollständiger Längsriss mit Kommunikation zur Mundhöhle Konkussion keine Dislokation, keine Lockerung, lediglich Perkussionsempfindlichkeit Lockerung keine Dislokation, erhöhte Mobilität, Perkussionsempfindlichkeit, Blutung aus dem Sulkus möglich Laterale Dislokation Dislokation nach oral, oftmals Verkeilung in dieser Position, Aufbissstörung Dislokation nach vestibulär mit oder ohne Verkeilung i.S.e. intrusiven Dislokation (Gemeinsam ist beiden Formen die Dislokation des Zahns mitsamt der frakturierten festhaftenden bukkalen Lamelle.) Extrusive Dislokation (Extrusion) Dislokation nach inzisal, hochgradige Mobilität (Zahn hängt an der Pulpa und/oder an einigen dentogingivalen Fasern.) Intrusive Dislokation (Intrusion) Dislokation nach apikal, Verkeilung im Alveolarknochen, Diskrepanz zwischen Gingiva und Zahnumfang, Alveole bukkal aufgetrieben, keine Perkussionsempfindlichkeit, keine Sulkusblutung, metallischer Perkussionsschall Avulsion Komplette Herauslösung des Zahns aus seiner Alveole Tab. 1, Quelle: Leitlinie [DGMKG, DGZMK, 2022]

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