12 | LESERFORUM ZUCKERSTEUER Wir sind Zahnärzte und keine Steuerfachleute Zum Meinungsartikel „Eine Zuckersteuer ist keine Bevormundung, sondern Verantwortung“ in zm 23-24/2025, S. 16. Wir alle wollen weniger Karies und mehr Prävention. Aber: Die Forderung nach einer pauschalen Zuckersteuer – und das isoliert, aus der Zahnärzteschaft heraus – ist aus fachlicher wie berufspolitischer Sicht nicht der richtige Weg. „Das Argument, eine Zuckersteuer beschneide die persönliche Freiheit ist populär – aber falsch. … Zucker wirkt nachweislich gewöhnungsfördernd.“ Stimmt, das ist bei Steuern im Übrigen auch so. Ein freier Beruf sollte keine Forderungen nach Regulierungen stellen. Es kann nicht die Aufgabe der Zahnmedizin sein, fiskalpolitische Forderungen aufzustellen. Eine pauschale Abgabe setzt am falschen Hebel an und lässt Sirupe, Fruchtsaftkonzentrate und Reformulations-Schlupflöcher zu – mit kaum spürbarem Effekt auf Karies. Die Abgrenzung zwischen freiem Zucker, Sirupen und „natürlichen Süßen“ ist bürokratisch aufwendig und öffnet Schlupflöcher für die Industrie. Abgaben verändern Verkaufszahlen, aber robuste zahnmedizinische Endpunkte lassen sich ohne begleitende Maßnahmen nicht belegen. Diese Symbolpolitik bindet Ressourcen, die wir in wirksame Prävention investieren sollten. Verbrauchssteuern treffen Einkommensschwächere relativ stärker – genau jene Gruppen mit erhöhtem Kariesrisiko. Ohne eine harte Zweckbindung wird der Staatshaushalt finanziert, aber nicht die Zahnbürste im Kindergarten. Wir Zahnärzte lieben klare Kanten, sowohl bei der Präparation als auch bei Positionen. Eine pauschale Zuckersteuer? Irgendwie klingt das, als wollten wir Karies mit einer Sammelrechnung behandeln. Wir sind Zahnärzte und keine Steuerfachleute. Kennt jemand eine Krankheit, die mit Steuern behandelt wird? Was wird passieren, was passiert in anderen Ländern? Die Industrie wird reformulieren, d.h. sie wird ihren Produkten weniger Zucker und mehr Säure hinzufügen. Erosionen nehmen zu. Wie sieht es mit allgemeinmedizinischen Folgen von Ersatzstoffen aus? Ohne enge Vernetzung mit der ärztlichen Seite verlieren wir Glaubwürdigkeit und verpassen Allianzen, die für echte Prävention nötig sind. Was wäre stattdessen zu tun? n Verbindliches Gruppen-Zähneputzen in Kitas/Schulen n klare Kennzeichnung freier Zucker je Portion plus pH-Hinweis bei sauren Getränken n Marketingbeschränkungen für hochkariogene Kinderprodukte n Reformulationsziele inklusive Sirupen n Vergütung strukturierter Ernährungs- und Prophylaxegespräche in unseren Praxen n Evaluation mit Karies- und Erosionsdaten „Eine Gesellschaft, die ihre Bürgerinnen und Bürger schützt, betreibt keine Verbots-, sondern Verantwortungspolitik. Die Zuckersteuer ist kein Eingriff in die Freiheit – sie ist ihr Schutzmechanismus.“ Mit diesem Satz lässt sich viel begründen. Wir tauschen mit solchen Sätzen schrittweise unsere Freiheit gegen eine vermeintliche Sicherheit ein. Dr. Roland Kaden Heide Foto: zm / adobedesigner – stock.adobe.com zm116 Nr. 01-02, 16.01.2026, (2054) Foto: photowahn – stock.adobe.com ZEIGEN SIE UNS IHRE PRAXISKUNST! Sie haben auch Kunst an der Praxiswand, zeigen Skulpturen im Wartezimmer oder präsentieren Installationen im Außenbereich? Dann lassen Sie doch Ihre Kolleginnen und Kollegen daran teilhaben und schicken Sie uns Fotos an zm@zm-online.de. Wir stellen Ihre Praxiskunst in den nächsten Ausgaben vor!
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