Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 3

12 | POLITIK USA AKTUALISIEREN ERNÄHRUNGSEMPFEHLUNGEN Esst mehr Fleisch! Für die USA gelten ab sofort aktualisierte Ernährungsrichtlinien. Sie setzen auf mehr Fleisch und vollfette Milchprodukte. Das Echo aus Fachkreisen ist gemischt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bezeichnet die neuen Empfehlungen als widersprüchlich. Die „Dietary Guidelines for Americans, 2025–2030“, die von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins vorgestellt wurden, lösen die zuletzt in den USA geltende Empfehlung ab, den Teller zu etwa gleichen Teilen mit Getreide, Gemüse, Eiweiß und Obst sowie einer kleinen Portion Milchprodukte zu füllen. Stattdessen fordern die neuen Richtlinien die Bevölkerung dazu auf, mehr Eiweiß und vollfette Milchprodukte zu sich zu nehmen. Als Eiweißquelle wird Fleisch priorisiert, pflanzliche Proteinlieferanten wie Hülsenfrüchte werden erst später genannt. Obst und Gemüse stehen in der überarbeiteten Ernährungspyramide (Abbildung rechts) zwar weiterhin weit oben, nun allerdings an zweiter Stelle. Stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerhaltige Getränke und Produkte mit zugesetztem Zucker sollten generell nur sehr reduziert verzehrt werden, heißt es in den Guidelines. Der Fokus solle auf „real food“ (echtem Essen) liegen. Kennedy lobte die neuen Richtlinien bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus als einen Schritt, der „die Esskultur unseres Landes revolutionieren und Amerika gesund machen wird“. Wort und Bild stimmen nicht überein Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht die Empfehlungen der US-Regierung kritisch. Sie bemängelt Inkonsistenzen zwischen den formulierten Empfehlungen und der grafischen Darstellung der überarbeiteten US-Ernährungspyramide: „Die neuen Botschaften empfehlen den täglichen Verzehr von zwei bis vier Portionen Vollkornprodukten. Die Platzierung dieser Lebensmittelgruppe in einem vergleichsweise kleinen Segment in der Pyramide suggeriert jedoch eine geringere Bedeutung.“ Ein ähnlicher Widerspruch findet sich aus Sicht der DGE bei den Proteinquellen. Zwar wird im Text empfohlen, die Vielfalt pflanzlicher und tierischer Proteinlieferanten zu nutzen, darunter Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Sojaprodukte ebenso wie Eier, Geflügel, Fisch und rotes Fleisch, in der grafischen Darstellung dominiert jedoch Fleisch innerhalb der Sammelgruppe „Protein, Milchprodukte und gesunde Fette“. Für die DGE ist dieser Widerspruch problematisch, da visuelle Darstellungen für die Orientierung zentral sind. Zu viele tierische Proteine Ein wesentlicher Unterschied zu den eigenen Ernährungsempfehlungen sieht die DGE zudem in der Bewertung der Proteinzufuhr. Die neuen US-Empfehlungen setzten hier mit 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag einen neuen Schwerpunkt. „Dieser Wert liegt deutAlle fünf Jahre veröffentlicht die US-Regierung neue Ernährungsempfehlungen. Das jüngste Update legt den Amerikanerinnen und Amerikanern nahe, mehr Fleisch und vollfette Milchprodukte zu essen. Foto: pilipphoto – stock.adobe.com zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (106)

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