Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 3

POLITIK | 13 lich über dem Referenzwert der DGE und der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, der für gesunde Erwachsene unter 65 Jahren in Deutschland als bedarfsdeckend gilt“, gibt die Fachgesellschaft zu bedenken. Die DGE fügt zudem an, dass wissenschaftliche Studien bisher keine belastbaren Hinweise auf einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen einer dauerhaft höheren Proteinzufuhr liefern. In der Praxis stelle sich zudem die Frage nach möglichen indirekten Effekten. So geht der erhöhte Konsum tierischer Proteinquellen beispielsweise mit einem höheren Anteil gesättigter Fettsäuren einher. Außerdem bemängelt die DGE, dass das Kriterium der Nachhaltigkeit nicht systematisch in die neuen US-Leitlinien eingeflossen ist. Eine Berücksichtigung ökologischer Faktoren, wie sie in den DGE-Empfehlungen erfolgt, sei nicht erkennbar. Parallelen zu den eigenen Empfehlungen sieht die Fachgesellschaft hingegen beim hohen Stellenwert von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten, der Bevorzugung ungesüßter Getränke wie Wasser sowie der Empfehlung, den Konsum von zugesetztem Zucker und alkoholischen Getränken zu begrenzen. Wer hat die Richtlinien geschrieben? Die Expertinnen und Experten, die das wissenschaftliche Gutachten erarbeitet haben, das den „Dietary Guidelines“ üblicherweise zugrunde liegt, äußern sich ebenfalls kritisch zu den neuen Empfehlungen. Deirdre Tobias, Assistenzprofessorin am Institut für Ernährung an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, war Mitglied des wissenschaftlichen Beirats. In einem Interview auf der Website ihres Instituts sagt sie: „Im Idealfall spiegeln die Ernährungsempfehlungen die strengen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse wider, die der Beirat im Vorfeld der Veröffentlichung zwei Jahre lang geprüft und zusammengefasst hat.“ Bei den aktuellen Richtlinien fehlten jedoch Informationen darüber, wer sie verfasst hat. Tobias: „Es gibt keine Transparenz hinsichtlich der angewandten Methodik und Stringenz oder der Gründe, warum bestimmte Themen zur erneuten Diskussion ausgewählt wurden.“ Die DGE spricht sich für eine klare Trennung zwischen wissenschaftlicher Evidenzgenerierung und politischer oder administrativer Entscheidungsfindung aus: „Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen unabhängig, methodisch hochwertig und frei von politischen oder wirtschaftlichen Interessen erarbeitet und bewertet werden“, heißt es in der DGE-Stellungnahme. Für diese Unabhängigkeit stünden wissenschaftliche Fachgesellschaften, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungsinstitute. Sie sei eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen in Ernährungsempfehlungen und damit ein hohes gesellschaftliches Gut, das es zu schützen gilt. sth, nb zm116 Nr. 03, 01.02.2026, (107) In der Darstellung der neuen Ernährungspyramide in den USA stehen Vollkornprodukte ganz unten. Foto: USDA „Bis heute gibt es keine Transparenz darüber, wer die neuen Dietary Guidelines for Americans verfasst hat.“ Deirdre Tobias, Assistenzprofessorin am Institut für Ernährung an der Universität Harvard und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat für die Dietary Guidelines

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