ZAHNÄRZTLICHE MITTEILUNGEN | WWW.ZM-ONLINE.DE BZÄK-Ausschuss Gebührenrecht Wie Sie im Gebührenverzeichnis der GOZ nicht beschriebene Leistungen analog berechnen können. SEITE 16 Entgelttransparenzrichtlinie Nutzen Sie die neue EU-Vorgabe, um das Gehaltsgefüge in Ihrer Praxis strukturiert, transparent und gender-fair auszurichten. SEITE 36 Berufsunfähigkeitsversicherung Warum es trotz Versorgungswerk ratsam ist, sich zusätzlich privat gegen Unfall und Krankheit abzusichern. SEITE 76 FORTBILDUNG INTRAORALSCANNER Das neue Multitool AUSGABE 12 | 2026 zm 16.06.2026, Nr. 12
Mehr erfahren ® 1Durchschnittlicher jährlicher Abverkauf in Packungen von elmex® gelée 38g in deutschen Apotheken (IQVIA Eigenanalyse, Juli 2018 bis Aug 2021) vs. Anzahl der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 17 Jahren (Statista 2020). *Bitte „Individualprophylaxe nach § 22 SGB V“ auf Kassenrezept notieren. 1x WÖCHENTLICH Bei Ausstellung einer Verschreibung bis zum 18. Lebensjahr zu 100% erstattungsfähig* elmex® gelée 1,25 % Dentalgel. Zusammensetzung: 100 g elmex® gelée enthalten: Aminfluoride Dectaflur 0,287 g, Olaflur 3,032 g, Natriumfluorid 2,210 g (Fluoridgehalt 1,25 %), gereinigtes Wasser, Propylenglycol, Hyetellose, Saccharin, Pfirsich-Minz-Aroma (Pfirsich-Aroma, Menthol, Eukalyptol, Anethol). Anwendungsgebiete: Zur Kariesprophylaxe; therapeutische Anwendung zur Unterstützung der Behandlung der Initialkaries und zur Behandlung überempfindlicher Zahnhälse. Gegenanzeigen: Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe, Abschilferungen der Mundschleimhaut, fehlender Kontrolle über den Schluckreflex, bei Kindern unter 3 Jahren und bei Knochenund/oder Zahnfluorose. Nebenwirkungen: sehr selten: Exfoliation der Mundschleimhaut, Gingivitis, Stomatitis, Rötung, Brennen oder Pruritus im Mund, Gefühllosigkeit, Geschmacksstörungen, Mundtrockenheit, Schwellung, Ödem, oberflächliche Erosion an der Mundschleimhaut (Ulkus, Blasen), Übelkeit oder Erbrechen, Überempfindlichkeitsreaktionen. Dieses Arzneimittel enthält Aromen mit Allergenen. Bei entsprechend sensibilisierten Patienten können durch Pfirsich-Minz-Aroma und Menthol Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich Atemnot)ausgelöst werden. Nicht über 25 °C lagern. Packungsgrößen: 25 g Dentalgel (apothekenpflichtig); 38 g Dentalgel (verschreibungspflichtig); 215 g Klinikpackung (verschreibungspflichtig). CP GABA GmbH, 20354 Hamburg. Stand: November 2024. Durchschnittlicher jährlicher Abverkauf in Packungen von elmex® gelée 38g in deutschen Apotheken (IQVIA Eigenanalyse, Juli 2018 bis Aug 2021) vs. Anzahl der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 17 Jahren (Statista 2020). Bitte „Individualprophylaxe nach § 22 SGB V“ auf Kassenrezept notieren. 1x WÖCHENTLICH Bisher profitieren nur ca.10 % der Kinder von elmex® gelée1 – Sie können das ändern Bei Ausstellung einer
EDITORIAL | 3 Technik, die begeistert Dann haben wir mit einem Experten über das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung gesprochen. Denn Praxisinhaberinnen und -inhaber tragen bei einem längeren Ausfall durch Krankheit oder Unfall ein hohes finanzielles Risiko. Neben der Absicherung durch das Versorgungswerk kann hier eine private Berufsunfähigkeitsversicherung als Ergänzung das Risiko minimieren und helfen, im Ernstfall den Lebensstandard zu halten. Wir erklären, warum und in welchen Fällen es für Zahnärztinnen und Zahnärzte wirklich empfehlenswert ist, diese zusätzliche Vorsorge zutreffen. Außerdem berichten wir über die Sylter Woche 2026, die unter dem Kongressmotto „Perfekte Zahnheilkunde für jedes Lebensalter“ Mitte Mai ein breites fachliches Programm bot – von der Kinderzahnheilkunde über Ernährung, Kieferorthopädie, KI und Mundschleimhautveränderungen bis zur Alterszahnheilkunde. Ein kurzer Hinweis noch in eigener Sache: Die nächste Ausgabe der zm erscheint am 16. Juli und nicht wie gewohnt am 1. Juli. Sie müssen sich also etwas länger gedulden. Viel Spaß bei der Lektüre Sascha Rudat Chefredakteur In der Titelgeschichte dieser Ausgabe beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema IOS. Nein, gemeint ist nicht Apple’s Smartphone-Betriebssystem, sondern Intraoralscanner, die in den letzten 30 Jahren einen Siegeszug in den Zahnarztpraxen hingelegt haben, der seinesgleichen sucht. Ursprünglich gestartet sind IOS in der restaurativen Versorgung. Zunächst wollte man Keramik-Inlays möglichst direkt und effizient herstellen – und dafür musste die Mundsituation digitalisiert werden. Dass man mit dem digitalen Abbild der Mundhöhle den eigentlichen Quantensprung vor sich hatte, wurde erst nach und nach klar. Der vollständige digitale Workflow etablierte sich phasenweise. Und die technische Entwicklung ging stetig weiter. Seit einem knappen Jahrzehnt sind in vielen Fällen physische Abformungen kaum noch erforderlich. Erstmals konnten auch Gesamtkiefer in vertretbarer Zeit und mit für zahlreiche Anwendungen ausreichender Genauigkeit gescannt werden. Das erleichtert an vielen Stellen die Arbeit ungemein. In unserem Fortbildungsteil zum Intraoralscanner in dieser und in der nächsten Ausgabe gehen die Autorinnen und Autoren einer Reihe von Fragen nach: Was funktioniert heute wirklich digital? Wo liegen weiterhin Grenzen? Was ist klinisch sinnvoll? Und gibt es vielleicht auch heute noch Indikationen, bei denen die konventionelle Abformung Vorteile bietet? In dieser Ausgabe zeigen wir, welches die gängigen Geräte am Markt sind und welche Anwendungsmöglichkeiten sie bieten. Dann steigen unsere Expertinnen und Experten in die Welt der restaurativen Abformungen ein, zeigen die Historie und den beispielhaften Workflow. Der dritte Artikel dieser Ausgabe widmet sich den Möglichkeiten in der Prothetik. Wir beschreiben die Indikationen für den Einsatz von Intraoralscannern und geben Tipps für gute Scanergebnisse. Im nächsten Heft geht es dann um den Einsatz von Intraoralscannern in der Implantatplanung. Außerdem geben wir eine Anleitung zu den ersten Schritten mit einem IOS. Beachtung findet in unserem Fortbildungsteil natürlich auch die seit März 2026 bestehende Leitlinie zum „Intraoralscan in der Zahnmedizin“. In Hintergrundkästen gehen unsere Autorinnen und Autoren jeweils auf Schwerpunkte der Leitlinie ein. Daneben setzen wir in dieser Ausgabe die Serie zur Studie „Berufsbild Angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ fort. Dabei geht es diesmal um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die für viele junge Zahnärztinnen und Zahnärzte eine zentrale Rolle im Entscheidungsprozess für die Niederlassung spielt. Die Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) zeigt: Partnerschaft, Kinderwunsch und Familiengründung beeinflussen auch, welches Arbeitsmodell sie wählen, um beides miteinander zu verbinden. Foto: Lopata/axentis
34 Neue Reihe: zm-History Vergessene zahnmedizinische Geschichte(n) – den Auftakt macht die Prothese von „Rasiermesser-Tōjō“ 40 Adjuvante häusliche aPDT bei der UPT Verringert eine ergänzende antimikrobielle photodynamische Doppellicht-Therapie durch den Patienten selbst den subgingivalen Biofilm? MEINUNG 3 Editorial 6 Leitartikel 8 Leserforum POLITIK 26 Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats Zahnärzte gehören nicht zu den Kostentreibern 36 Neues Entgelttransparenzgesetz So regeln Sie knifflige Gehaltsfragen 74 Kurz erklärt: Medizinregistergesetz Bye-bye, Datensilos? ZAHNMEDIZIN 20 Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) Parodontitis: Wir müssen jetzt vor die Erkrankungswelle kommen! 32 Sylter Woche 2026 Perfekt ist nicht perfektionistisch 40 Aus der Wissenschaft Wirkt die adjuvante häusliche aPDT bei der UPT? TITELSTORY 44 Fortbildung Intraoralscanner 46 Das sind die gängigen Geräte am Markt 54 Der IOS in der restaurativen Versorgung 62 Der IOS im restaurativen und im prothetischen Workflow PRAXIS 16 Gebührenrechtliche Einordnung der BZÄK – Teil 2 Analoge Berechnung des präendodontischen Aufbaus in Adhäsivtechnik 23 Sicherheitsvorgabe des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik Alte eHBAs werden Ende Juni gesperrt! 24 Praxisübernahme vor den Toren Berlins – Teil 6 Das richtige Pricing 28 Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ – Teil 2 Vereinbarkeit von Familie und Niederlassung Inhalt zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (958) 4 | INHALT
INHALT | 5 72 Zähne ziehen am vierten Breitengrad Mit SDI – Secours Dentaire International im Südsudan, wo es nahezu keine zahnmedizinische Versorgung gibt. TITELSTORY 44 Fortbildung Intraoralscanner Drei Beiträge: eine Übersicht über die aktuellen Geräte am Markt, die Anfänge der IOS in der restaurativen Versorgungen sowie über den restaurativen und den prothetischen Workflowheute 76 Berufsunfähigkeitsversicherung trotz Versicherungswerk? Warum sich eine BU auch für Zahnärzte lohnt GESELLSCHAFT 18 Restaurative Zahnheilkunde im Spätmittelalter Diese Zahnbrücke aus 20-karätigem Gold ist 500 Jahre alt! 34 zm-History Eine Prothese für „Rasiermesser-Tōjō“ 72 Mit „Secours Dentaire International“ im Südsudan Zähne ziehen am vierten Breitengrad 82 „Zahnärzte ohne Grenzen“ in Sambia Zusammenhalt in Twikatane MARKT 84 Neuheiten RUBRIKEN 14 Ein Bild und seine Geschichte 42 News 59 Formular 60 Termine 80 Impressum 98 Zu guter Letzt Titelfoto: vetkit – stock.adobe.com zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (959)
Vor nun über einem Jahr hat die schwarz-rote Bundesregierung ihre Arbeit aufgenommen. Damals herrschte Aufbruchsstimmung in Union und SPD. Doch mittlerweile knirscht es in der Koalition, und auch an der Basis rumort es. Union und SPD überziehen sich regelmäßig gegenseitig mit Vorwürfen; nahezu jedes größere Reformvorhaben wird zur Zielscheibe von heftiger Kritik. So wurden auch, kaum hatte sich das Kabinett auf den Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes geeinigt, von politischer Seite Nachbesserungen gefordert. Und bei allem Verständnis für die grundsätzliche Zielrichtung: Nachbesserungen sind mehr als notwendig. Denn die Regierung verfolgt weiter einen grundlegenden Paradigmenwechsel – weg von einer am zahnmedizinischen Bedarf orientierten Versorgung hin zu einem System, das sich primär an finanziellen Grenzen orientiert. Zu Recht ist unser Berufsstand alarmiert. Daher stehen wir mit der Politik in engem Austausch und zeigen – unterlegt mit Fakten – die verheerenden Folgen der Reformpläne auf: für die freiberuflich geführten Praxen, die das Fundament für eine flächendeckende und qualitativ hochwertige zahnärztliche Versorgung bilden, und für die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten. Die vorgesehenen Maßnahmen im Bereich der KFO führen weder zu Einsparungen noch verbessern sie die Versorgung. Eine erneute, verschärfte Budgetierung gefährdet insbesondere unsere präventionsorientierten Versorgungskonzepte sowie die Weiterentwicklung notwendiger Leistungen für vulnerable Patientengruppen. Zwar hat die Bundesregierung präventionsorientierte Leistungen beziehungsweise Besuchs- und Zuschlagsleistungen für vulnerable Patientengruppen im Gesetzentwurf von der Budgetierung ausgenommen; die in diesem Rahmen erbrachten zusätzlichen kurativen Behandlungsleistungen sind jedoch budgetiert. Eine solche Begrenzung der Behandlungsleistungen konterkariert sämtliche Bemühungen der Kolleginnen und Kollegen in der aufsuchenden Betreuung, was wiederum dem präventiven Charakter dieser Leistungen und der gesundheitspolitischen Zielsetzung der Präventionsstärkung entgegenläuft. Wenn aber seitens der Politik die großen Präventionserfolge in der Zahnmedizinöffentlich gelobt werden, wäre es nur konsequent (gewesen), diese zu fördern. Stattdessen erleben wir jetzt Maßnahmen, die weder Ihre Motivation in den Praxen stärken noch die Versorgung verbessern werden. Gerade die für Sie so wichtige Planungssicherheit darf nicht zunehmend zum Fremdwort avancieren. Sich verschlechternde Rahmenbedingungen – und hierzu zählt eine nach wie vor überbordende Bürokratie – bedeuten am Ende Einschnitte in der Versorgung. Denn es wäre doch nur nachvollziehbar, wenn Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, Ihre Praxisabläufe an diese Rahmenbedingungen anpassen würden. Das muss die Politik endlich verstehen. Erst recht muss sie verstehen, dass der Sparbeitrag vor allem den Zahnärzten und Ärzten sowie den Versicherten abverlangt würde. Und ob das gesteckte Ziel, den Beitragssatz für 2027 stabil zu halten, erreicht wird, ist vor dem Hintergrund einer sich weiter verschlechternden Wirtschaftslage und damit einhergehenden geringeren Beitragseinnahmen mehr als fraglich. Eins ist jedoch sicher: Die Patientenversorgung wäre langfristig geschädigt. Jetzt muss es also darum gehen, mit allen Kräften im parlamentarischen Verfahren Änderungen am Gesetz zu erwirken, um die negativen Folgen für den Berufsstand und damit letztlich für die Patientenversorgung noch zu verhindern. Ein erfolgreiches Umlenken dieses politischen Kurses kann aber nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen. Partikularinteressen dürfen in diesen Zeiten keinen Raum finden. Und wir müssen realistisch bleiben: Der Einspardruck und auch der Strukturreform-Druck im Gesundheitswesen werden zunehmen. Daher müssen wir uns mit einer Stimme weiterhin in die Debatte einbringen, um selbst gestalten zu können. Alles andere würde bedeuten, gestaltet zu werden. Das aber darf auf keinen Fall passieren. Martin Hendges Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung Beitragssatzstabilität darf nicht auf Kosten der Versorgung gehen! 6 | LEITARTIKEL Foto: Jan Knoff, Cologne
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zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (962) Leserforum Im Beitrag von Dr. Helena Albrecht und Dr. Dr. Daniel Groisman, M. Sc., wird kasuistisch der Verlauf einer odontogenen Sinusitis maxillaris ausgehend von einer periapikalen Entzündung am tief kariösen Zahn 26 und einem devitalen Zahn 27 über drei Jahre beschrieben. Im Februar 2022 wurde in einer MKG-chirurgischen Praxis bei einer 46-jährigen Patientin wegen Schmerzsymptomatik im Oberkiefer links eine endodontische Therapie am Zahn 26 mit apikaler Ostitis durchgeführt und der Zahn 27 trepaniert. Bei 27 zeigte sich putrider Sekretabfluss, eine weitere Therapie erfolgte nicht. Eine spätere „Revision“ am Zahn 26 wird nicht näher beschrieben, es handelte sich jedoch offenbar nicht um eine WSR. Ein DVT im Mai 2023 ergab eine vollständige Verschattung der linken Kieferhöhle, der Zahn 27 wurde daraufhin extrahiert. Bei weiterhin bestehender Schmerzsymptomatik im Jahr 2023 zeigte eine erneute DVT-Bildgebung im Februar 2024 eine einseitige Pansinusitis links, zu einer Therapie kam es jedoch nicht. Im Jahr 2025 stellte sich die Patientin mit zunehmenden Schmerzen nach MRT-Diagnostik erstmals bei den Autoren vor. Dann erfolgten die Extraktion von 26 und die Revision der linken Kieferhöhle über einen osteoplastischen Zugang in der fazialen Kieferhöhlenwand mit Einlage eines Ballonkatheters von nasal. Postoperativ kam es zu einer eitrigen Sekretion im Bereich der intraoralen Naht, nach antibiotischer Therapie trat Beschwerdefreiheit ein. Eine endoskopische oder radiologische Befundkontrolle wird nicht beschrieben. Die Autoren schildern kritisch die über einen Zeitraum von drei Jahren nicht vollständig durchgeführte Sanierung der odontogenen Entzündungsursache, obwohl die klinische und die radiologische Symptomatik im Verlauf eindeutig für eine persistierende odontogene Ursache der Sinusitis maxillaris sprachen. In der Literatur wird die Inzidenz einer odontogenen Sinusitis maxillaris mit 10 bis 40 Prozent der Sinusitiden angegeben, bei einer einseitigen Sinusitis maxillaris mit bis zu 75 Prozent [Nurchis et al., 2020]. Nach Trepanation des Zahns 27 mit putridem Sekretabfluss wäre eine weitere Therapie erforderlich gewesen. Die erstmals circa ein Jahr nach Behandlungsbeginn erstellte Bildgebung der Kieferhöhle mit dem Bild einer Totalverschattung führte zwar zur Extraktion des Zahnes 27, der Wurzelkanal-behandelte und apikal auffällige Zahn 26 wurde jedoch belassen, eine bildgebende Verlaufskontrolle der periapikalen Aufhellung und der Sinusitis erfolgte nicht. Da die Beschwerden auch nach Extraktion von 27 progredient waren, lag es nahe, dass der Zahn 26 weiterhin als Entzündungsursache wirksam war oder sich die Sinusitis maxillaris als eigenständiges Krankheitsbild mittlerweile verselbstständigt hatte. Die Autoren haben dann die Beseitigung der odontogenen Entzündungsursache und eine Revision der Kieferhöhle durchgeführt. Zur Therapie der odontogenen Sinusitis maxillaris wurden in den letzten Jahren mehrere Studien und Reviews publiziert, ferner wurde die S2k-Leitlinie zur odontogenen Sinusitis maxillaris überarbeitet. In den meisten Arbeiten besteht Konsens darin, THERAPIE DER ODONTOGENEN SINUSITIS MAXILLARIS Die ostiomeatale Drainage muss sichergestellt sein Zum Beitrag „Der besondere Fall mit CME: Odontogene Sinusitis erkennen und richtig behandeln“, zm 6/2026, S. 48–53 Foto: ©Federico Rostagno - stock.adobe.com
* Nr. * Gemäß einer im Jahr 2024 durchgeführten Studie mit 300 Zahnärzten in Deutschland, gefragt nach den Markenempfehlungen für Zahnpasten im Bereich Schmerzempfindlichkeit. Sensodyne umfasst die gesamte Produktfamilie. ** Bildung einer zahnschmelzähnlichen Schutzschicht über freiliegendem Dentin in Labortests. *** bei 2x täglicher Anwendung. PM-DE-SENO-25-00050-20251210 Muster anfordern! Haleon unterstützt Sie im Praxisalltag! Profitieren Sie von unserer Wissensplattform – von Experten für Experten Beratungsmaterialien zum Download CMEWebinare Neueste klinische Daten Kostenlose Produkt-Muster NovaMin bildet eine Schutzschicht, die härter ist als natürliches Dentin.**,1,2 Für klinisch bestätigte, langanhaltende Linderung ab Tag 3.***,3 © 2026 Haleon oder Lizenzgeber. Marken sind Eigentum der Haleon Unternehmensgruppe oder an diese lizenziert. Haleon Germany GmbH. Mit 5% NovaMin Wirksamer Schutz vor Schmerzempfindlichkeit durch die innovative Bioglas-Technologie mit NovaMin Referenzen: 1. Earl J et al. J Clin Dent 2011; 22(Spec Iss): 68 – 73. 2. Haleon, Data on File 2024, Report QD-RPT-118201. 3. Creeth JE. et al. J Dent Res 2025; 104 (Spec Iss A): 0355.
zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (964) 10 | LESERFORUM dass eine sichere Therapie auf zwei Grundprinzipien beruht [Costa et al., 2019]: n der Beseitigung der odontogenen Entzündungsursache und n der Sicherstellung der mukoziliären Clearance der Kieferhöhle Grundsätzlich kann zwar eine polypöse Schleimhautschwellung als morphologisches Korrelat einer Kieferhöhlenverschattung nach Beseitigung der odontogenen Entzündungsursache, zum Beispiel durch Wurzelkanalbehandlung oder Extraktion des schuldigen Zahnes, ausheilen. Dies setzt jedoch eine funktionierende mukoziliäre Clearance bei suffizient offenem Ostium zum mittleren Nasengang voraus. Craig et al. berichteten bei elf Patienten mit einer apikalen Parodontitis über eine Erfolgsrate der rein zahnärztlichen Therapie ohne Sicherstellung der physiologischen Drainage zum mittleren Nasengang von 36,4 Prozent [Craig et al., 2019]. In Anbetracht dieser unzureichenden Heilungsrate wird in der Mehrzahl der aktuellen Studien daher die Sanierung der odontogenen Ursache mit der Sicherstellung der physiologischen Drainage durch eine funktionell-endoskopische SinusChirurgie (FESS) mit Drainage zum mittleren Nasengang bevorzugt. Diese erfolgt entweder als feste Kombination von FESS und odontogener Ursachensanierung oder die FESS erfolgt neben der Ursachensanierung in Abhängigkeit von der Morphologie der ostiomeatalen Einheit. Die Einschätzung, ob das Infundibulum zur Sicherstellung einer regelrechten physiologischen Drainage der Kieferhöhle zum mittleren Nasengang verengt oder ausreichend weit ist, erfordert eine Computertomografie oder eine DVT mit Abbildung des mittleren Nasengangs und der ostiomeatalen Einheit. Eine solche Bildgebung ist für die Beurteilung einer OP-Indikation und die sichere Durchführung einer endoskopisch assistierten Kieferhöhlenoperation erforderlich (S2k-Leitlinie Odontogene Sinusitis maxillaris [DGMKG, 2026]). Im Zweifelsfall kann die Indikation zur FESS in Anbetracht ihres minimalinvasiven Charakters großzügig gestellt werden, sie ist in der HNO-ärztlichen Therapie der chronischen Rhinosinusitis das seit vielen Jahren bewährte Standardverfahren. Für die odontogene Sinusitis maxillaris wurde die Weite des Infundibulums beziehungsweise ostiomeatalen Komplexes und damit die Sicherstellung der mukuziliären Clearance als ein signifikanter Faktor für die Rückbildung der odontogenen Sinusitis maxillaris von Tomomatsu et al. nachgewiesen [Tomomatsu et al., 2014]. Darüber hinaus ist auch eine Kompromittierung der nasalen Ventilation durch Septumdeviationen, Septumsporne, Bodenleisten oder eine Muschelhyperplasie ins Therapiekonzept einzubeziehen, worauf bereits Pape 1986 hingewiesen hat [Pape, 1986]. Nur wenn eine Engstelle im Infundibulum sicher ausgeschlossen werden kann, kommt eine temporäre Drainage der Kieferhöhle über den unteren Nasengang in Betracht. Ein permanentes Fenster zum unteren Nasengang stört den mukoziliären Transport der Schleimhaut, der dauerhaft über die mediale Kieferhöhlenwand zum physiologischen Ostium gerichtet bleibt [Stammberger, 1986] und ist daher obsolet. Aus den möglichen Szenarien ergibt sich somit der in Abbildung 1 dargestellte Therapiealgorithmus. Die dauerhafte Sicherstellung einer physiologischen Kieferhöhlendrainage sollte somit in einem modernen Therapiekonzept der odontogenen Sinusitis maxillaris Berücksichtigung finden. Sie ist der Schlüssel zur Wiederherstellung regelrechter physiologischer Drainageverhältnisse der Kieferhöhle und einer sicheren Ausheilung bei minimaler Patientenbelastung (Abbildung 2). Hierzu ist die Einbeziehung moderner endoskopisch assistierter OP-Verfahren alternativlos. Das zweite oben genannte Grundprinzip der Behandlung einer odontogenen Sinusitis maxillaris betrifft, wie von den Autoren in ihrer Behandlung praktiziert, die Sanierung der odontogenen Entzündungsursache. Hier ist allerdings nur bei bestimmten Indikationen, zum Beispiel Fremdkörpern (Wurzelrest, Wurzelkanalfüllmaterial, Augmentationsmaterial, Implantat, Therapiealgorithmus der odontogenen Sinusitis maxillaris Ohne Indikation für osteoplastischen Zugang Odontogene Sinusitis maxillaris Mit Indikation für osteoplastischen Zugang Odontogene Ursache Kieferhöhle Infundibulum regelrecht: Ursachensanierung, Drainage über unteren Nasengang oder FESS Infundibulum verlegt: Ursachensanierung, FESS Infundibulum regelrecht: Ursachensanierung, Drainage über unteren Nasengang oder FESS Infundibulum verlegt: Ursachensanierung, FESS Abb. 1
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zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (966) 12 | LESERFORUM Instrumententeile et cetera) oder einer Aspergillose, ein osteoplastischer Zugang über die faziale Kieferhöhlenwand tatsächlich erforderlich (siehe Therapiealgorithmus). Eine Revision am Boden einer Alveole, im vorliegenden Fall in regio 26, kann regelhaft über die Alveole oder unter umschriebener Erweiterung über einen kleinen lokalen Zugang ohne osteoplastischen Zugang erfolgen. Auch bei der plastischen Deckung einer Mund-Antrum-Verbindung als häufige Ursache einer Sinusitis maxillaris ist eine für den Patienten belastende subperiostale Darstellung der fazialen Kieferhöhlenwand mit Aussägen und Refixation eines Knochendeckels nicht erforderlich. Bereits Gundlach et al. [1989] und Portugall et al. [1989] konnten zeigen, dass allein der osteoplastische Zugang trotz Wiederherstellung der Kontinuität der fazialen Kieferhöhlenwand mit persistierenden Beschwerden im Versorgungsbereich des N. infraorbitalis assoziiert sein kann. Maßnahmen an der polypösen Schleimhaut erfolgen ohnehin nicht, diese heilt bei intakter mukoziliärer Clearance spontan. Daher sollte die Indikation zum osteoplastischen Zugang streng und kritisch geprüft werden. Im Fallbericht blieb ebenfalls unklar, um welche narbigen Schleimhautanteile es sich handelte, da am Boden der Kieferhöhle im Vorfeld keine operative Maßnahme stattgefunden hatte. Eine Ballonkathetereinlage in die Kieferhöhle sollte nicht erfolgen, die Nachblutungsgefahr bei einer FESS ist sehr gering. Zur Antibiotikatherapie liegen eine ganze Reihe von Studien vor, die zeigen, dass trotz mehrerer Zyklen einer antibiotischen Therapie eine odontogene Sinusitis maxillaris erst dann ausheilt, wenn der odontogene Focus therapiert wurde und/oder eine FESS durchgeführt wurde (Übersicht im Konsensus-Statement von Craig et al. [2020]). In Übereinstimmung mit der S2k-Leitlinie zur odontogenen Sinusitis und auch nach unserer Erfahrung bei über 400 Patienten mit durchgeführter FESS ist eine längere perioperative Antibiotika-Therapie nur bei Ausbreitungstendenz im Sinne einer seltenen akuten Sinusitis maxillaris oder bei immunkompromittierten Patienten erforderlich. In der Regel ist eine single shot-Gabe ausreichend. Es handelt sich nicht um eine Weichteilinfektion. Damit entfallen viele Unwägbarkeiten und unerwünschte Begleiterscheinungen einer längeren Antibiotikagabe. Notwendig bei Chirurgie im mittleren Nasengang ist jedoch eine Nachsorge mit Reinigung des mittleren Nasengangs. Insgesamt betrachten die Autoren zu Recht die vollständige Sanierung der odontogenen Entzündungsursache als wichtige Säule einer erfolgreichen Therapie der odontogenen Sinusitis. Die Sicherstellung der ostiomeatalen Drainage ist aus physiologischen Gründen jedoch ebenfalls ins Therapiekonzept einzubeziehen. Zur Diagnostik und OP-Planung ist in der Bildgebung eine dreidimensionale Darstellung der Kieferhöhle einschließlich ostiomeatalem Komplex durch CT oder DVT erforderlich, ein MRT ist nur im Ausnahmefall sinnvoll. Die Indikation für einen Zugang über die faziale Kieferhöhlenwand zur Behandlung der odontogenen Entzündungsursache sollte streng gestellt werden. Ist eine solche nicht gegeben, kann sich das operative Vorgehen in Übereinstimmung mit der aktuellen Literatur neben der Sanierung der odontogenen Ursache auf die Wiederherstellung der physiologischen Drainage der Kieferhöhle durch funktionell-endoskopische Sinus-Chirurgie (FESS) bevorzugt mit Drainage zum mittleren Nasengang beschränken. Prof. Dr. Dr. Siegmar Reinert Senior Consultant, Klinik für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie, Plastisch-ästhetische Operationen, Zentrum für Implantologie, Klinikum Stuttgart, s.reinert@klinikum-stuttgart.de Abb. 2: Chronische odontogene Sinusitis maxillaris links a: Nach Infundibulotomie im mittleren Nasengang besteht Einblick durch das Ostium maxillare in die linke Kieferhöhle, 30-Grad-Optik. Legende: sm = Sinus maxillaris, cnm = Concha nasalis media, cni = Conch nasalis inderior, s = Septum Fotos: [Reinert, 2026] b: Endoskopischer Befund nach sechs Monaten mit Blick in die linke Kieferhöhle durch das offene Ostium maxillare mit reizlosen Schleimhautverhältnissen, 30-Grad-Optik Legende: sm = Sinus maxillaris Literatur 1. Nurchis MC, Pascucci D, Lopez MA, Moffa A, Passarelli PC, Bressi F, Casale M, Damiani G. Epidemiology of odontogenic sinusitis: an old, underestimated disease, even today. A narrative literature review. J Biol Regul Homeost Agents. 2020; 34(5 Suppl. 3):195-200. Technology in Medicine. 2. Costa F, Emanuelli E, Franz L, Tel A, Robiony M (2019) Single-step surgical treatment of odontogenic maxillary sinusitis: A retrospective study of 98 cases. J Craniomaxillofac Surg 47:1249-1254. 3. Craig JR, McHugh CI, Griggs ZH. Peterson EI (2019) Optimal timing of endoscopic sinus surgery for odontogenic sinusitis. Laryngoscope 129:1976-1983. 4. Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. S2k-Leitlinie odontogene Sinusitis maxillaris – Langfassung. AWMF-Registernummer: 007-086 Version 4.0 Stand: 24.03.2026. 5. Tomomatsu N, Uzawa N, Aragaki T, Harada K. Aperture width of the osteomeatal complex as a predictor of successful treatment of odontogenic maxillary sinusitis. Int J Oral Maxillofac Surg 2014;43:1386-90. 6. Pape H D (1986) Die Therapie der odontogenen Sinusitis maxillaris. In: Watzek G, Matejka M (Hrgb.): Erkrankungen der Kieferhöhle. Wien New York, Springer: 137-143. 7. Stammberger H (1986) Endoscopic endonasal surgery - concepts in treatment of recurring rhinosinusitis. Part I. Anatomic and pathohysiologic considerations. Otolaryngol Head Neck Surg 94: 143-147. 8. Reinert S (2026) Chirurgische Anatomie und Therapie odontogener Kieferhöhlenerkrankungen. Die MKG-Chirurgie, doi.org/10.1007/s12285-026-00565-0, 99-107. 9. Gundlach K K H, Siegert R, Pfeifer G (1989) Die konservative Kieferhöhlenoperation unter Erhalt von Mukosa und Weichteil-gestieltem fazialen Knochendeckel. Dtsch Z Mund Kiefer GesichtsChir 13: 275-277. 10. Portugall J, Khoury F, Becker R, Habel G (1989) Kieferhöhlenoperation mit oder ohne plastischen Zugang? Eine retrospektive Vergleichsstudie. Dtsch Z Mund Kiefer GesichtsChir 13: 54-56. 11. Craig JR, Tatryn RW, Aghaloo TL, Pokorny AT, Gray AT, Mattos JL, Poetker DM (2020) Management of odontogenic sinusitis: multidisciplinary consensus statement. Int Forum Allergy Rhinol 10:901-912.
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EIN BILD UND SEINE GESCHICHTE Foto: Instagram - Ginger Zee zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (968) 14 | GESELLSCHAFT Es gibt nichts zu beschönigen: Dawn E. ZuidgeestCraft (links im Bild) ist eine echte Spätzünderin. Die US-Amerikanerin feiert in drei Wochen ihren 73. Geburtstag – und hat eben erst ihre Facharztausbildung begonnen. Seit sie sieben Jahre alt ist, wollte sie Ärztin zu werden, erklärt sie im Interview mit dem landesweiten Fernsehsender ABC News. Doch es kam erst einmal anders. Sie wurde Krankenschwester, arbeitete 45 Jahre in der Neonatologie und zog vier Kinder groß. Über all diese Jahrzehnte sei ihr Traum aber nie ganz verschwunden. Der Gedanke, eines Tages selbst als Ärztin tätig zu sein, blieb bestehen ... Als ihr Mann Carl dann 2020 eine Hirnblutung erlitt (und ohne große Spätschäden überlebte), war das ein Erweckungserlebnis für das Paar: Sie investierte ihre angesparte Altersvorsorge und schrieb sich an der privaten St. James School of Medicine (SJSM) in Illinois ein. Dass er seit dem Vorfall „mehr reisen“ wollte, passte gut, denn das Vorklinikum absolvierte seine Frau in der Karibik, die Offshore-Lehrveranstaltungen der SJSM finden auf Anguilla und St. Vincent statt. Im Juli 2026 startet Dawn E. Zuidgeest-Craft dann ihre dreijährige Facharztausbildung im heimischen Michigan, die sie – wenn alles klappt – im Sommer 2029 im Alter von 76 Jahren abschließen wird. mg
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zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (970) 16 | PRAXIS GEBÜHRENRECHTLICHE EINORDNUNG DER BZÄK – TEIL 2 Analoge Berechnung des präendodontischen Aufbaus in Adhäsivtechnik Bei stark zerstörten und/oder mit insuffizienten Restaurationen versorgten Zähnen, die einer Wurzelkanalbehandlung zugeführt werden sollen, ist es oft nicht hinreichend, diese Zähne mit einem einfachen temporären Verschluss zu versehen. Es ist vielmehr notwendig, die verlorene Zahnhartsubstanz durch einen Aufbau zu ersetzen, der bestimmten Anforderungen genügt Dieser Aufbau muss folgenden Anforderungen genügen: n Ermöglichung des Anlegens und der Fixierung von Spanngummi n Schaffung von Referenzpunkten zur Längenbestimmung n Gewährleistung einer zumindest keimarmen Instrumentierung n Verhinderung der bakteriellen Neubesiedlung der Wurzelkanäle n Herstellung einer zumindest begrenzten Kaustabilität Die vorstehend bezeichneten Eigenschaften erfordern nicht die vollständige Wiederherstellung der physiologischen Außenkontur des Zahnes im Sinne einer definitiven Restauration, auch dient die Leistung nicht als Vorbereitung des Zahnes zur Aufnahme einer Krone. Es handelt sich vielmehr um eine im Gebührenverzeichnis der Gebührenordnung für Zahnärzte nicht beschriebene Leistung, die auf Grundlage von § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnen ist. Nur um andere, ungeeignete oder unangemessene Berechnungsvorschläge zu vermeiden, weist der Ausschuss Gebührenrecht auf folgende Berechnungsmöglichkeit als gebührenrechtskonform im Sinne des § 6 Abs. 1 GOZ hin: Geb.-Nr. 2100a GOZ Präendodontischer Stumpfaufbau in Adhäsivtechnik entsprechend (§ 6 Abs.1 GOZ) Nr. 2100 Kompositrestauration, dreiflächig. Diese Berechnung gewährt unter Anwendung des 2,3-fachen Steigerungssatzes eine Vergütung in Höhe von 83,05€. Die vorstehende gebührenrechtliche Einordnung der Bundeszahnärztekammer hindert die Zahnärztin / den Zahnarzt ausdrücklich nicht daran, unter Beachtung der Kriterien des § 6 Abs. 1 GOZ eine andere Leistung zur analogen Berechnung heranzuziehen. Ausschuss Gebührenrecht Foto: MQ-Illustrations - stock.adobe.com WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN n Stellungnahme „Endodontologische Leistungen“, Februar 2024 n Patienteninformation „Präendodontischer Aufbau in Adhäsivtechnik“, Mai 2026 n Stellungnahme „Analoge Leistungen“, September 2022 n Stellungnahme „Bemessung analoger Leistungen“, Februar 2026 n Stellungnahme „Rechnungslegung analoger Leistungen“, März 2026
Starke antiseptische Wirkung stärkere Plaquereduktion** effektiver* 7x 28x Empfehlen Sie meridol® med Chlorhexidin 0,2 % zur kurzzeitigen effektiven Unterstützung der Zahnfleischgesundheit und meridol® PARODONT EXPERT zur Verstärkung der Wirkung des täglichen Zähneputzens#, um die Ursache von Zahnfleischproblemen zu bekämpfen§ und die Widerstandskraft des Zahnfleisches gegen Zahnfleischrückgang und Parodontitis zu stärken. *meridol® PARODONT EXPERT Zahnpasta, in der Umkehr von gelegentlich blutenden zu nicht blutenden Stellen am Zahnfleisch, im Vergleich zu einer fluoridierten Zahnpasta (1.000 ppm F-, NaMFP), nach 6 Monaten bei zweimal täglicher Anwendung. Montesani et al., 2024, J Dent Res, 102 (SI_ #3967079). ** Nach 6 Monaten bei zweimal täglicher Anwendung im Vergleich zu einer fluoridierten Mundspülung, 200 ppm F- als NaF. Montesani et al., 2024, J Dent Res, 102 (SI_ #3969463). # Im Vergleich zu einer fluoridierten Zahnpasta (1.450 ppm F-, MFP/ NaF) § Reduziert bakterielle Plaque bei kontinuierlicher Anwendung, bevor Zahnfleischprobleme entstehen. meridol® med Chlorhexidin 0,2 % Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle. Zusammensetzung: 100 ml Lösung enthalten 1,0617 g Chlorhexidindigluconat-Lösung, entsprechend 200 mg Chlorhexidinbis (D-gluconat), Sorbitol-Lösung 70 % (nicht kristallisierend), Glycerol, Propylenglycol, Macrogolglycerolhydroxystearat, Cetylpyridiniumchlorid, Citronensäure-Monohydrat, Pfefferminzöl, Patentblau V (E 131), gereinigtes Wasser. Anwendungsgebiete: Zur zeitweiligen Keimzahlreduktion in der Mundhöhle, als temporäre adjuvante Therapie zur mechanischen Reinigung bei bakteriell bedingten Entzündungen der Gingiva und der Mundschleimhaut sowie nach parodontalchirurgischen Eingriffen, bei eingeschränkter Mundhygienefähigkeit. Gegenanzeigen: Bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels, bei schlecht durchblutetem Gewebe, am Trommelfell, am Auge und in der Augenumgebung. Nebenwirkungen: Reversible Beeinträchtigung des Geschmacksempfindens, reversibles Taubheitsgefühl der Zunge, reversible Verfärbungen von Zahnhartgeweben, Restaurationen (Zahnfüllungen) und Zungenpapillen (Haarzunge). Dieses Arzneimittel enthält Aromen mit Allergenen. Selten treten Überempfindlichkeitsreaktionen auf. In Einzelfällen wurden auch schwerwiegende allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock nach lokaler Anwendung von Chlorhexidin beschrieben. In Einzelfällen traten reversible desquamative Veränderungen der Mukosa und eine reversible Parotisschwellung auf. CP GABA GmbH, 20354 Hamburg. Stand: Januar 2026. KURZZEITIGE BEHANDLUNG TÄGLICHER ZAHNFLEISCHSCHUTZ Setzen Ihre Patient:innen ihre Zahnfleischgesundheit aufs Spiel? Lassen Sie uns gemeinsam helfen. Setzen Sie auf
18 | GESELLSCHAFT RESTAURATIVE ZAHNHEILKUNDE IM SPÄTMITTELALTER Diese Zahnbrücke aus 20-karätigem Gold ist 500 Jahre alt! Restaurative Zahnheilkunde gab es offenbar schon im Spätmittelalter: Ein Mann, der zwischen 1460 und 1670 in Aberdeen gelebt hat, trug im Unterkiefer eine Zahnbrücke aus 20-karätigem Gold. Der in einer mittelalterlichen Kirche geborgene Fund dokumentiert den ältesten bekannten Fall einer Zahnbrücke in Schottland. Der untersuchte Unterkiefer wurde bei einer Rettungsgrabung vor dem Wiederaufbau der East Kirk of St Nicholas in Aberdeen, Schottland, entdeckt. Dabei bildete die Goldligatur, die an den rechten seitlichen und den linken mittleren Schneidezähnen des Unterkiefers befestigt war, entweder eine Brücke für den fehlenden rechten mittleren Schneidezahn oder sollte den rechten seitlichen Schneidezahn stabilisieren, berichtet das Team um Dr. Rebecca Crozier von der Universität Aberdeen in ihrer gerade erschienenen Studie. Die prestigeträchtige Grabstätte des Mannes signalisiert den Forschenden zufolge, dass er ein relativ wohlhabendes Mitglied der Gemeinde war und sich diese Art von Zahnbehandlung leisten konnte. Angesichts der sozialen Bedeutung des Erscheinungsbildes als Ausdruck des Charakters im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit mutmaßen die Wissenschaftler, dass die Gründe für diesen Eingriff überden Erhalt der Kaufunktion hinausgingen. Der untersuchte Unterkiefer war zu etwa 70 Prozent erhalten; der hintere Teil des linken aufsteigenden Unterkieferastes fehlte. Im Unterkieferzahnbogen befanden sich neun Zähne in ihrer ursprünglichen Position, vier gingen postmortal verloren und der rechte mittlere Schneidezahn war bereits vor dem Tod verloren gegangen. Die Weisheitszähne fehlten. Der Mann war reich, hatte aber schlechte Zähne Die Gesamtgröße des Knochens, der Entwicklungsstand der vorhandenen Zähne und die geschlechtsspezifischen Merkmale deuten darauf hin, dass der Unterkiefer von einem männlichen Erwachsenen mittleren Alters stammt. Die Untersuchung der Zähne ergab auch, dass die Person eine schlechte Mundgesundheit hatte. An mehreren Zähnen bestanden Kariesläsionen, an drei Zähnen waren ausgeprägte Kariesläsionen mit einer Zerstörung von über 50 Prozent der Zahnkrone erkennbar. An allen übrigen Zähnen waren geringe Zahnsteinablagerungen vorhanden. Periapikale Zysten oder Abszesse wurden nicht beobachtet. Dasauffälligste Merkmal des Fragments ist aber der feine Golddraht, der den rechten seitlichen Schneidezahn und den linken mittleren Schneidezahn umschließt und die Lücke zwischen diesen beiden Zähnen überbrückt. Dieser Draht liegt um den Zahnhals der genannten Zähne und wird durch einen Knoten an der labiodistalen Seite des linken mittleren Schneidezahns fixiert. Eine deutliche Vertiefung verläuft entlang des Zahnhalses an der labialen und der lingualen Seite des linken mittleren Schneidezahns – sie ist wahrscheinlich durch längeres Reiben des Drahtes an Das früheste (bekannte) Beispiel restaurativer Zahnheilkunde in Schottland: Verwendung einer Ligatur aus Gold zur Stabilisierung eines instabilen Unterkieferschneidezahns oder als Brückenkonstruktion zur Befestigung von Zahnersatz. zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (972) DIE GRABUNG Vor ihrem Wiederaufbau fanden in der East Kirk of St Nicholas in Aberdeen von Januar bis Dezember 2006 archäologische Grabungen statt. Dabei wurden die Skelettreste von etwa 900 Individuen sowie 3,5 Tonnen Skelettmaterial freigelegt. Im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts wurden die geborgenen Skelette, einschließlich des Unterkiefers mit der Goldligatur, jetzt erneut untersucht. Fotos: Jenna Dittmar
GESELLSCHAFT | 19 der Zahnwurzel entstanden. Das heißt, dass die Ligatur wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum vor dem Tod der Person angelegt worden war. Zahnerhalt oder Zahnersatz? Die Form des Drahtes, der sich über die verheilte Alveole des rechten mittleren Schneidezahns erstreckt, lässt vermuten, dass die Ligatur nach dem Verlust dieses Zahnes befestigt wurde. Dann bestand ihr Zweck wahrscheinlich darin, entweder den rechten seitlichen Schneidezahn zu erhalten oder ein Brückengerüst zur Befestigung eines Zahnersatzes zu schaffen. Die semiquantitative Analyse ergab, dass die Ligatur aus einer Legierung besteht, die sich im Mittel aus ungefähr 82,4 Prozent Gold, 9,8 Prozent Silber und 2,5 Prozent Kupfer zusammensetzt. Zu den restlichen messbaren Elementen zählen Schwefel, Aluminium und Sauerstoff. Dies entspricht 20-karätigem Gold. „Die Ligatur wurde wahrscheinlich von einem semi-profesionellen Praktiker angelegt, der möglicherweise auch die Golddrahtquelle war: ein Juwelier“, heißt es in der Studie. Das Aussehen war Spiegel des Charakters Die Gründe für diesen Eingriff waren vermutlich vielfältig. Im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit galt das äußere Erscheinungsbild eines Menschen als Indikator für seinen Charakter. Das Aussehen und der wahrgenommene Gesundheitszustand wurden mit den begangenen Sünden in Verbindung gebracht. „Ein schönes Lächeln ermutigte daher diejenigen, die sich solche Behandlungen leisten konnten, diese auch in Anspruch zu nehmen“, schreiben die Autorinnen und Autoren. Ihr Fazit: „Der Zugang zu Gesundheitsversorgung und kosmetischen Eingriffen war damals eng mit dem sozioökonomischen Status verknüpft. Diese Fallstudie erhärtet die wachsenden Belege einer restaurativen Zahnheilkunde im Spätmittelalter und in der Vormoderne.“ Das Verständnis der vormodernen Zahnmedizin zeige, dass bereits lange vor der Etablierung der modernen Zahnmedizin zahnärztliche Praktiken existierten. ck Dittmar, J., Crozier, R., Cameron, A. et al. Restorative dentistry in Early Modern Scotland: archaeological evidence of the use of a gold ligature. Br Dent J 240, 555–559 (2026). https://doi.org/10.1038/s41415025-9107-3 zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (973) 35-fache Vergrößerung des verknoteten Endes der Ligatur Foto: University of Aberdeen Nahaufnahme der Goldligatur von labialer (a) und von lingualer Seite (b) HINTERGRUND Die erste anerkannte zahnärztliche Qualifikation wurde in Großbritannien erst 1860 eingeführt, aber bereits zuvor praktizierten viele qualifizierte (und unqualifizierte) Zahnärzte. Hilfesuchende wandten sich an Barbiere, Baderchirurgen, Zahnärzte (Dentatores) oder andere Heiler und Handwerker in ihrer Umgebung. Je nach Verfügbarkeit konnte man sich auch an einen „Zahnzieher“ wenden, oft ein Schausteller, der durchs Land reiste und seine Methoden zur „schmerzlosen“ Zahnextraktion anpries. In den frühneuzeitlichen schottischen Gemeinden wurde die Gesundheitsversorgung größtenteils von einheimischen Frauen übernommen, die Zähne zogen und neben der Anwendung von Heilkräutern auch Gebete und Zaubersprüche anboten. Verschiedene Heilmittel für Beschwerden im Mundbereich sind in schriftlichen Quellen belegt. Auf der Isle of Skye wurde Zahnschmerz unter anderem mit glühenden Kohlen erhitzter grüner Torf auf die schmerzende Stelle aufgelegt. Berichte aus Aberdeen deuten darauf hin, dass ein Umschlag aus Kuhdung ein lokales Behandlungsmittel gegen Abszesse (sowie Ekzeme) war. Die Anwendung solcher Volksheilmittel war in Schottland bis ins 20. Jahrhundert üblich. a b Fotos: Jenna Dittmar
20 | POLITIK SECHSTE DEUTSCHE MUNDGESUNDHEITSSTUDIE (DMS • 6) Parodontitis: Wir müssen jetzt vor die Erkrankungswelle kommen! A. Rainer Jordan Parodontalerkrankungen werden seit 2018 nach einer neuen Klassifikation eingeteilt. Die DMS • 6 ist die erste bevölkerungsweite Studie, die diese neue Einteilung der Erkrankungsstadien angewendet hat. Dabei wurden individuelle Krankheitsverläufe über fast eine Dekade analysiert. Die Schwere der Erkrankung wird dabei im Rahmen eines Stagings in vier Stadien eingestuft. Diese reichen von leichten über moderate bis hin zu schweren Verlaufsformen (Stadien I bis III). Stadium IV stellt die schwerste Form dar, bei der das Risiko eines Verlusts der verbleibenden Zähne besteht. In der DMS • 6 wurde nicht nur die aktuelle Verbreitung der Parodontitis in Deutschland untersucht, sondern es wurden auch individuelle Krankheitsverläufe über einen Zeitraum von neun Jahren analysiert. Parodontitis bei Erwachsenen Bereits im jüngeren Erwachsenenalter gelten nach dieser Klassifikation 95 Prozent der Personen als parodontal erkrankt. Lediglich knapp 4 Prozent weisen gesunde parodontale Verhältnisseauf. Die Analyse der individuellen Krankheitsverläufe über neun Jahre zeigt, dass die entscheidende Dynamik der Erkrankung nicht (erst) im höheren Lebensalter auftritt, sondern bereits im Erwachsenenalter stattfindet. Innerhalb von neun Jahren entwickeln 19 Prozent der jüngeren Erwachsenen eine schwere Form der Parodontitis. Dies entspricht einer Verdopplung der schweren Erkrankungsfälle in dieser Lebensphase. zm116 Nr. 12, 16.06.2026, (974) Welche Erfahrungen aus der Kariesprävention können helfen beim Kampf gegen die Parodontitis? Foto: Sudarsan Thobias - stock.adobe.com
POLITIK | 21 Darüber hinaus erkranken 63 Prozent der zuvor parodontal gesunden jüngeren Erwachsenen im Beobachtungszeitraum. Auch die Sondierungstiefen nehmen im Erwachsenenalter doppelt so stark zu wie bei Seniorinnen und Senioren. Parodontitis bei Senioren Jüngere Seniorinnen und Senioren weisen eine hohe parodontale Krankheitslast auf: 85 Prozent dieser Altersgruppe sind von Parodontitis betroffen. Gleichzeitig verschiebt sich die Erkrankungsschwere in höhere Stadien, sodass jeweils etwa ein Viertel der 65bis 74-Jährigen an einer moderaten, einer schweren oder einer sehr schweren Form der Erkrankung leidet. Etwa fünf Prozent der jüngeren Seniorinnen und Senioren sind zahnlos. Parodontal gesunde Verhältnisse treten in dieser Altersgruppe nicht mehr auf. Allerdings können nach den Kautelen der wissenschaftlichen Klassifikation knapp zehn Prozent nicht klassifiziert werden, zum Beispiel wegen überkronter Zähne. In diesem Lebensabschnitt ist eine langsame Erkrankungsprogression nur noch bei leichten Erkrankungsformen zu erwarten. Überwiegend wird eine moderate Progression beobachtet. Mit zunehmender Erkrankungsschwere steigt jedoch auch die Geschwindigkeit der Krankheitsentwicklung. Bei schweren und sehr schweren Formen macht sie einen bedeutsamen Anteil aus (18 beziehungsweise 29 Prozent). Vorerkrankung als Risikofaktor für den Krankheitsverlauf Der Fortschritt einer Parodontalerkrankung hängt wesentlich vom bisherigen Erkrankungsverlauf ab. Bei Erwachsenen und Senioren ohne oder mit leichter Parodontitis nimmt die Sondierungstiefe innerhalb von neun Jahren um 0,3 mm beziehungsweise 0,5 mm zu. Bei schwerer Parodontitis zeigt sich dagegen in beiden Altersgruppen eine Abnahme der Sondierungstiefe. Dies lässt sich einerseits dadurch erklären, dass derzeit vor allem schwere parodontale Erkrankungen behandelt werden und sich dadurch die Sondierungstiefen verbessern können. Andererseits können stark betroffene Zähne teilweise nicht mehr erfolgreich therapiert werden und müssen extrahiert werden. Dies führt epidemiologisch ebenfalls zu einer Verringerung der durchschnittlichen Sondierungstiefe, da auch Zahnverluste mit zunehmender Erkrankungsschwere häufiger auftreten. Episodenhafter Verlauf der Parodontitis Die Ergebnisse der Bevölkerungsstudie unterstützen Erkenntnisse aus der experimentellen Epidemiologie chronischer Erkrankungen: Karies und Parodontitis verlaufen nicht linear, verschlechtern sich also nicht kontinuierlich, sondern wechseln zwischen Phasen der Stagnation und der Progression. In der Regel treten längere Phasen auf, in denen die Parodontitis stabil bleibt und gut kontrolliert werden kann. Diese werden jedoch durch kürzere Episoden mit erhöhter Krankheitsaktivität unterbrochen, in denen die Erkrankung rasch fortschreiten kann. Der grundsätzlich langsame und chronische Verlauf der Parodontitis zeigt sich beispielsweise darin, dass die durchschnittliche Tiefe der Zahnzm116 Nr. 12, 16.06.2026, (975) Erwachsene Seniorinnen und Senioren Zunahme Sondierungstiefe0,2mm Zunahme Sondierungstiefe0,1mm Schwere Parodontitis×2 63% 19% Inzidenz Parodontitis Progression zu schwerer Parodontitis Schwere Parodontitis×1,3 58% 24% Inzidenz Parodontitis Erwachsene: 35- bis 44-Jährige > 43- bis 52-Jährige| Seniorinnen und Senioren: 65- bis 74-Jährige > 73- bis 82-Jährige Parodontitiserfahrung mit CPI klassifiziert | Inzidenz/Progression: Anteil Personen (%) unter Risiko mit Neuerkrankung/Erkrankungsfortschritt nach 9 Jahren Progression zu schwerer Parodontitis Parodontitis Inzidenz und Progression bei Erwachsenen und Seniorinnen und Senioren Abb. 1: Inzidenz und Progression der Parodontitis bei Erwachsenen und Senioren Erwachsene: 35- bis 44-Jährige > 43- bis 52-Jährige | Seniorinnen und Senioren: 65- bis 74-Jährige > 73- bis 82-Jährige Keine/ leichte Parodontitis +0,3mm + 0,35 Zähne –0,3mm +1,8Zähne Sondierungstiefe Zahnverluste Schwere Parodontitis Erwachsene Seniorinnen und Senioren Keine/ leichte Parodontitis +0,5mm +1,1Zähne –0,3mm +3,2Zähne Sondierungstiefe Zahnverluste Schwere Parodontitis Parodontitisprogression in Abhängigkeit von der Erkrankungsschwere Abb. 2: Parodontitisprogression in Abhängigkeit von der Erkrankungsschwere
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