Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 4

18 | ZAHNMEDIZIN DATEN VON ÜBER ELF MILLIONEN GEBURTEN AUSGEWERTET Fluorid im Trinkwasser führt nicht zu einem geringeren Geburtsgewicht US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. forderte kürzlich dazu auf, die Empfehlungspraxis zur TrinkwasserFluoridierung neu zu evaluieren. Doch besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen fluoridiertem Wasser und Veränderungen des Geburtsgewichts bei Säuglingen? Ein internationales Team von Forscherinnen und Forschern aus der Schweiz, Großbritannien und den USA hat nun mögliche Zusammenhänge untersucht und dabei Daten von über elf Millionen Geburten ausgewertet. Es ist wichtig, solche bevölkerungsweiten Maßnahmen methodisch sauber zu überprüfen“, sagt Erstautor Benjamin Krebs von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel. Immer wieder sorgten Studien für Aufsehen, die Fluorid als schädlich darstellten. „Dabei ist es aber wichtig zu verstehen, was Studien tatsächlich messen und vergleichen. Oft zeigen diese lediglich, dass bestimmte Effekte gemeinsam auftraten. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass das Fluorid die Ursache war – andere Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen.“ Die Praxis der Trinkwasserfluoridierung steht immer wieder in der Kritik. Befürchtet werden etwa mögliche negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Neugeborenen, die sich in einem geringeren Geburtsgewicht oder einem erhöhten Risiko für Frühgeburten zeigen könnten. Das Team hat deshalb untersucht, ob die Aufnahme von Fluorid über das Trinkwasser solche Effekte haben könnte. Grundlage der Analyse waren die Daten von rund 11,5 Millionen Geburten in den USA über einen Zeitraum von 21 Jahren. Die Forschenden werteten Daten von über 670 sogenannten „Counties” in den USA aus, die zwischen 1968 und 1988 erhoben wurden. Sie verglichen Geburten vor und nach der Einführung von Fluorid im Trinkwasser und setzten diese Entwicklung in Beziehung zu Regionen, in denen keine Einführung stattfand. So konnten sie regionale Unterschiede sowie allgemeine zeitliche Entwicklungen ausschließen. Die Analyse erfolgte zwischen dem 4. Februar und dem 28. Oktober 2025. Geburtsgewicht als etablierter Gesundheitsindikator Primäres Zielkriterium war die Veränderung des mittleren Geburtsgewichts. Sekundäre Zielkriterien waren die Häufigkeit von Untergewicht bei der Geburt (<2.500 g), die Schwangerschaftsdauer (in Wochen) sowie die Häufigkeit von Frühgeburten (Schwangerschaftsdauer <37 Wochen). Die Fluoridierung des Trinkwassers wurde anhand des bevölkerungsgewichteten Anteils der Landkreisbewohner, die fluoridiertes Wasser erhalten, gemessen. Grundlage hierfür waren die Daten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC). zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (208) Abbildung 1: Geschätzter Zusammenhang zwischen der Fluoridierung des Trinkwassers und dem Geburtsgewicht [Krebs B. et al., 2026] 9-mo In utero exposure –40 –30 –20 –10 0 10 20 30 40 Time since fluoridation (mo) DID estimate, –0,526; P = 0,81 Change in birth weigth (g) –36 –30 –24 –18 –12 –6 –0 6 12 18 24 30 36

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