22 | POLITIK zm116 Nr. 04, 16.02.2026, (212) weil immer mehr Einflüsse von außen kommen, wo wir standespolitisch viel schneller gegensteuern müssen. Haben Sie ein Beispiel? Das sind etwa die vielen bürokratischen Anforderungen an die zahnärztlichen Praxen, die uns inzwischen geradezu überrollen. Alle Kammern können wahrscheinlich ein Lied davon singen, welche Kämpfe sie unter anderem mit den Gesundheitsämtern ausfechten. Als ich mich 2005 niedergelassen habe, gab es noch keine Diskussionen über Wischdesinfektion oder einen Leiterbeauftragten. Was sagen Sie Zahnärztinnen und -ärzten, die Interesse an der Berufspolitik haben, aber vor den Anforderungen zurückschrecken? Dass sie die Hürden an der falschen Stelle vermuten. Aus meiner Erfahrung gibt es nur eine Voraussetzung, die man erfüllen muss, um gute Standespolitik machen zu können: Man muss mit Leib und Seele Zahnärztin oder Zahnarzt sein. Wer richtig für den Job brennt, weiß, was nötig ist, um den Beruf gut auszuüben und kann sich somit auch schnell in die Selbstverwaltung einfinden. Der Vorteil in unserer Selbstverwaltung ist, dass wir uns als Praktiker einbringen können. Dieses Wissen und die Erfahrungen aus der Praxis bringt man in die Gespräche mit der Politik ein. Am besten nicht abstrakt, sondern anhand von Beispielen aus der täglichen Praxis, denn so ist ein Problem für die Politikerinnen und Politiker viel leichter verständlich. Sie sind die erste Frau an der Spitze der Bundeszahnärztekammer. Was bedeutet Ihnen das? Dass ich eine Frau bin, steht für mich persönlich gar nicht so im Vordergrund. Auch, weil ich mich als Vertreterin der gesamten Zahnärzteschaft verstehe. Ich muss aber sagen: Als ich vor viereinhalb Jahren Vizepräsidentin wurde, war es ein Riesenthema, eine Frau in den Geschäftsführenden Vorstand zu wählen. Seit vergangenem Oktober sind wir nun sogar zwei Frauen im Geschäftsführenden Vorstand, ohne dass dieser Umstand noch groß debattiert wird. Ich glaube, Frauen in Führungspositionen sind inzwischen auch in der Zahnärzteschaft selbstverständlich. Sicherlich gibt es noch Luft nach oben. Es wäre natürlich generell wünschenswert, dass das Geschlecht überall immer weniger eine Rolle spielt. Da sehe ich die Zahnärzteschaft aber auf einem sehr guten Weg. Das Gespräch führten Claudia Kluckhuhn und Susanne Theisen. ZUR PERSON DR. ROMY ERMLER, MBA ... studierte Zahnmedizin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Jahr 2005 ließ sie sich in Potsdam in eigener Praxis mit den Schwerpunkten Prothetik und Parodontologie nieder. In der Berufspolitik übernahm sie 2009 ihr erstes Amt als Gutachterin für Zahnersatz und Parodontologie. 2018 wurde sie in den Vorstand der LZK Brandenburg gewählt, der sie seit 2025 auch als Präsidentin vorsteht. Im Juni 2021 wurde sie Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer, seit Oktober 2025 ist sie Präsidentin. Sie ist außerdem Vorstandsvorsitzende der Initiative proDente und Vorstandsmitglied im Council of European Dentists. Fotos: Sascha Rudat
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