Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 5

zm116 Nr. 05, 01.03.2026, (304) 22 | POLITIK DR. JULIANE VON HOYNINGEN-HUENE GIBT ZAHNÄRZTINNEN TIPPS FÜR DIE GEHALTSVERHANDLUNG „Wer den eigenen Umsatz kennt, kann den Wert seiner Arbeit besser beurteilen!“ Zwar ist die Lohnlücke zwischen angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten im Durchschnitt von 33 Prozent im Jahr 2021 auf neun Prozent 2025 geschrumpft. Ist eine Umsatzbeteiligung im Spiel, verdienen Männer dennoch 20 Prozent mehr als Frauen. Wie kommt das und was können angestellte Zahnärztinnen tun, um ein höheres Gehalt zu erzielen? Tipps dazu gibt Dr. Juliane von Hoyningen-Huene, angestellte Zahnärztin in Berlin und Vizepräsidentin von Dentista. Viele Männer sind stärker von sich überzeugt und fordern in Gehaltsverhandlungen oft mehr als Frauen“, sagt Hoyningen-Huene. Frauen hätten häufig eine größere Scheu, das Thema Geld anzusprechen. Gerade beim Berufseinstieg stehe das Einkommen bei ihnen weniger im Vordergrund. Die Arbeitszufriedenheit hänge bei ihnen nicht nur vom Gehalt ab, sondern ihnen sei es meist genauso wichtig, in einem guten Team zu arbeiten und die Patientinnen und Patienten zufriedenzustellen. Manche verließen sich auch darauf, dass ihr Mann gut verdiene. Wichtig ist, sich nicht unter Wert zu verkaufen! Doch in welche Fallen tappen Frauen beim Thema Geld? „Sie unterschätzen oft die eigenen Fähigkeiten, geben sich mit einem Festgehalt oder schlechteren Prozenten zufrieden und haben nicht genügend Informationen parat, welche Gehaltshöhe angemessen wäre“, beobachtet von Hoyningen-Huene. Männer verhandelten dagegen häufig schon zum Berufsstart besser, wenn sie frisch von der Uni kommen. Und sie spezialisierten sich schneller, was sich in der Folge im Gehalt niederschlägt. Angestellten Zahnärztinnen rät von Hoyningen-Huene ebenfalls, sich fortzubilden, um spezialisiertere Behandlungen anbieten zu können. Grundsätzlich sei es sinnvoll, sich direkt nach dem Studienabschluss zu spezialisieren; in der Familienphase bleibe dafür meist keine Zeit mehr. Um gut vorbereitet in Gehaltsverhandlungen zu gehen, sei es außerdem ratsam, sich vorab mit Kolleginnen zu besprechen und sich von deren Erfahrungen berichten zu lassen beziehungsweise die gängigen Gehälter im örtlichen Umfeld herauszufinden. „Dafür sind Netzwerke hilfreich. Beispielsweise können Sie bei Stammtischen, wie sie auch Dentista anbietet, solche Themen ansprechen“, empfiehlt von Hoyningen-Huene. Weiterhin sei es entscheidend, die eigenen Umsätze, die Kostenstruktur der Praxis und die Praxisstrukturen zu kennen. Es sei sinnvoll, bereits in einem Bewerbungsgespräch zu fragen, ob eine Umsatzbeteiligung möglich sei und inwieweit man in einer Praxis die Umsätze einsehen könne. „Wer den eigenen Umsatz kennt, kann den Wert seiner Arbeit besser beurteilen und hat in der Folge in einer Gehaltsverhandlung gute Argumente parat“, sagt von Hoyningen-Huene. Wer eine bestimmte Leistung – zum Beispiel Wurzelbehandlungen – gut beherrscht, könne der Chefin oder dem Chef vorschlagen, diese Leistung in der Honorierung höher zu bewerten. Denn sobald der Umsatz der Praxis steige, erhöhe sich auch der eigene Anteil. Und man sollte wissen, wohin manwill „Beschäftigen Sie sich damit, wie Ihr Gehalt fair gestaltet werden kann – und zwar für alle Seiten“, rät von Hoyningen-Huene. Macht eine Umsatzbeteiligung Sinn? Wie kann das Grundgehalt gestaltet sein? Diese Fragen sollte man sich stellen. Ist eine Gehaltserhöhung nicht drin, könnten Angestellte fragen, welche anderen Leistungen die Praxis bieten kann – etwa die Teilnahme an einem Mastercurriculum. „Wichtig ist, an sich zu glauben“, sagt von Hoyningen-Huene, und fügt hinzu: „Zudem ist es gut, einen Plan zu haben. Man sollte wissen, wohin man will!" ao Dr. Juliane von Hoyningen-Huene ist angestellte Zahnärztin in Berlin und Vizepräsidentin von Dentista. Foto: Lu Glez 16% verdienten Frauen 2025 im Schnitt pro Stunde weniger als Männer (Statistisches Bundesamt).

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