Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 6

18 | ZAHNMEDIZIN AUS DER WISSENSCHAFT Wie präzise beantworten Chatbots Examensfragen? Elmar Hellwig Je weiter KI in den zahnmedizinischen Arbeitsalltag vordringt, desto dringlicher stellt sich die Frage nach den Konsequenzen für die heutigen Strukturen und Arbeitsweisen. Auch in der Lehre haben Chatbots inzwischen einen Stand erreicht, dass sie Prüfungsfragen auf einem bemerkenswert hohen Niveau beantworten. Das zeigt stellvertretend für andere Studien diese Untersuchung aus der Türkei. Die KI entwickelt computerbasierte Systeme, die genau wie Menschen lernen, argumentieren, Entscheidungen treffen und Probleme lösen können. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben dabei große Fortschritte in der Computerleistung, bei der BigData-Analyse und der Deep-LearningModelle die Integration von KI in die Diagnostik und klinische Bewertung beschleunigt. In der Folge sind intelligente Werkzeuge entstanden, die zunehmend die Art und Weise verändern, wie medizinisches Fachpersonal klinische Kompetenz erlernt, praktiziert und bewertet. Zu den am weitesten verbreiteten Anwendungen gehören KI-gestützte Konversationssysteme (Chatbots). Diese Systeme werden überwiegend von großen Sprachmodellen (LLM – Large Language Models) angetrieben, die auf umfangreichen Datensätzen trainiert werden, um komplexe Sprachverständnis- und Erzeugungsaufgaben auszuführen. Die Chatbots sind in der Lage, die menschliche Sprache zu verstehen und zu erzeugen, so dass sie strukturierte Fragen (etwa Multiple-Choice-Fragen) mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und Kohärenz beantworten können. Sie gewinnen in der medizinischen und zahnmedizinischen Ausbildung an Bedeutung, indem sie die Studierenden bei der Stärkung des theoretischen Wissens, der Durchführung von Selbstbewertungen und dem Zugriff auf evidenzbasierte Inhalte in Echtzeit unterzm116 Nr. 06, 16.03.2026, (396) DAS ANTWORTETEN CHATBOTS AUF TYPISCHE PRÜFUNGSFRAGEN Unser Autor und wissenschaftlicher Beirat Prof. Dr. Elmar Hellwig hat zwei typische Fragen aus deutschen zahnmedizinischen Prüfungen an die KI-Chatbots ChatGPT und Microsoft Copilot gestellt. Die Qualität der Antworten bestätigt die Studienergebnisse des türkischen Teams: Sie liegen im oberen Bereich der Erwartungen und würden unter Berücksichtigung des Kontextes mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet werden. Prüfungsfrage 1 Frage: Wann ist eine Pulpotomie bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum indiziert? Antwort ChatGPT: Eine Pulpotomie bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum (Apexogenese) ist indiziert, wenn bei einem bleibenden Zahn mit offenem Apex die radikuläre Pulpa vital und erhaltungsfähig ist. Hauptindikation n tiefe Karies oder Trauma n eröffnete Pulpa n vitaler Zahn n kein Hinweis auf irreversible Pulpitis oder Nekrose n unvollständiges Wurzelwachstum (offener Apex) Ziel der Pulpotomie (Apexogenese) n Erhalt der Vitalität der radikulären Pulpa n Fortsetzung des Wurzelwachstums n Ausbildung einer physiologischen Apexkontraktion n Verdickung der Wurzelwände typische klinische Situationen n traumatische Pulpaeröffnung (etwa Frontzahntrauma) n tiefe Karies bei Jugendlichen n reversible oder frühe irreversible Pulpitis mit noch vitaler Wurzelpulpa keine Indikation bei n nekrotischer Pulpa n ausgedehnter periapikaler Läsion n nicht stillbarer Blutung aus der Kanaleingangsebene n stark symptomatischer irreversibler Pulpitis mit Beteiligung der Wurzelpulpa Vorgehen n Entfernung der koronalen Pulpa n Blutstillung n Überkappung etwa mit MTA oder Calciumhydroxid n dichte koronale Versorgung

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