zm116 Nr. 06, 16.03.2026, (400) 22 | ZAHNMEDIZIN keitsrate von 96,28 Prozent und unterstrich damit die Zuverlässigkeit solcher Werkzeuge im Rahmen der zahnärztlichen Ausbildung. Die Studienergebnisse belegen nicht nur die Fähigkeit der Chatbots, sich an Informationen zu erinnern, sondern ebenso deren Kompetenz bei der Analyse klinischer Kontexte und der Erzeugung von breitem, inferenziellem Denken. Das trifft insbesondere für fall-/wissensbasierte Fragen zu und deckt sich mit den Ergebnissen aus der Literatur. Wenn es dagegen um visuelle Interpretationen, heterogene Fragetypen oder Inhalte mit geringer Informationsdichte geht, differieren die Leistungen der Chatbots deutlich – bei der Mehrzahl der derzeit verfügbaren Chatbots bleibt die visuelle analytische Kapazität begrenzt. Eine Einschränkung der Studie könnte sein, dass die Fragen auf Türkisch präsentiert wurden. Das könnte zu Fehlinterpretationen oder Ungenauigkeiten geführt haben, insbesondere für Modelle, die überwiegend auf englischsprachigen Daten trainiert wurden. Zudem wurden die Fragen ausschließlich aus dem türkischen Lehrplan für Zahnmedizin abgeleitet, die Ergebnisse sind daher möglicherweise nicht vollständig auf andere Prüfungen oder Bildungssysteme verallgemeinerbar. Weiter könnten Änderungen in den Trainingsdaten, in der Aktualisierungsfrequenz oder in der Modellarchitektur die Leistung beeinflussen und direkte Vergleiche über Systeme hinweg einschränken. Folglich sollten die Ergebnisse im Zusammenhang mit diesen Kategorien vorsichtig interpretiert und starke Verallgemeinerungen sollten vermieden werden. Da KI-Chatbots kontinuierlich aktualisiert werden, kann die Leistung aktualisierter Chatbots von den hier präsentierten Ergebnissen abweichen. Schlussfolgerung Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass KI-Chatbots ein großes Potenzial als ergänzende Werkzeuge in der zahnmedizinischen Ausbildung und Prüfungsvorbereitung haben. Dennoch sollten sie nicht als alleinige Informationsquelle verwendet, sondern durch fachliche Anleitung und kritische Bewertung ergänzt werden. n Die Studie: Merve Haberal and Dilek Hançerlioğulları: Can artificial intelligence chatbots think like dentists? A comparative analysis based on dental specialty examination questions in restorative dentistry. BMC Oral Health 2026 6;26(1):231. KOMMENTAR VON ELMAR HELLWIG Sind Lehrbücher künftig überflüssig? Studien wie diese sollten Anlass dafür sein, zu überlegen, wie KI zukünftig die theoretische Lehre, die Fortbildung und das Lernen in der Zahnmedizin beeinflussen wird und wie Universitäten und Fortbildungsanbieter darauf reagieren sollten. Welche neuen Lehrkonzepte sind beispielsweise notwendig? Benötigt man noch Hörsäle für Vorlesungen oder erhalten Studierende zu Semesterbeginn einen Themenkatalog, dessen Inhalte sie durch den Einsatz von KI selbst erarbeiten und die Ergebnisse dann in Videokonferenzen mit dem Lehrpersonal diskutieren? Braucht man noch Bücher, Artikel, Fortbildungen et cetera, wenn alles bereits im Netz vorhanden ist? Zweifellos wird sich KI produktiv in die Lehre integrieren lassen. So könnten KI-Chatbots Schülern und Studenten beispielsweise ermöglichen, ihr Wissen wiederholt mit Fragen im Prüfungsstil zu testen. Bei vernünftiger Anwendung könnten diese Tools auch helfen, die kognitive Belastung zu bewältigen, indem sie während des selbstgesteuerten Lernens sofortiges Feedback und strukturierte Reaktionen geben. KI-Chatbots könnten als Ergänzungswerkzeuge für die Prüfungsvorbereitung, die formative Selbsteinschätzung und klinische Argumentationsübungen, insbesondere in präklinischen und frühen klinischen Trainingsphasen, in die Zahnmedizinausbildung integriert werden. Bei jeder Anwendung der KI wird jedoch die Frage nach der Zuverlässigkeit der Auskünfte noch lange Zeit ein Thema bleiben. Wenn die KI heute für ihre Aussagen Quellen nennt, ist das zweifellos ein Fortschritt, denn damit wird eine Überprüfung möglich. Eine solche Überprüfung kann jedoch sinnvollerweise nur stichprobenartig erfolgen, so dass man beim Einsatz der KI um ein gewisses Vertrauen in deren Output nicht herumkommen wird. Damit bleibt eine vorerst nicht zu beseitigende Restunsicherheit erhalten, die einen kritischen Blick der humanen Intelligenz unverzichtbar macht. Trotz teils brillant anmutender und fachlich mitunter erstaunlich differenziert daherkommender KI-Texte ist also ein blindes Vertrauen in die KI als quasi durch das Internet enzyklopädisch gebildete und noch dazu denkendeInstanzaufabsehbareZeitnicht angebracht. Deshalb sollten KI-generierte Ergebnisse nicht als ausschließliche Quellen verwendet werden und müssen von Fakultätsrichtlinien, kritischen Bewertungsfähigkeiten und dem Bewusstsein der Anwender für potenzielle Fehlinformationen begleitet werden. n Univ.-Prof. (a.D.) Dr. med. dent. Elmar Hellwig Erzherzogstr. 8, 79102 Freiburg Foto: privat
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