Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

16 | ZAHNMEDIZIN zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (586) AUS DER WISSENSCHAFT Strahleninduzierte orale Nebenwirkungen nach Radiotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren Peer W. Kämmerer Eine Arbeitsgruppe aus Düsseldorf und Berlin hat die Evidenz zu den strahleninduzierten Nebenwirkungen bei der Radiotherapie systematisch zusammengefasst und damit den aktuellen Wissensstand kartiert. Abgeleitet werden daraus interdisziplinäre Empfehlungen für ein strukturiertes dentales Begleitkonzept. Kopf-Hals-Tumoren gehören weltweit zu den häufigen malignen Erkrankungen und werden oft mittels Radiotherapie, meistens in Kombination mit operativen und systemischen Verfahren, behandelt. Gerade bei hohen Strahlendosen im Bereich von etwa 60 bis 70 Gray (Gy) lassen sich Belastungen der angrenzenden Strukturen – Zahnhartsubstanzen, Speicheldrüsen, Mundschleimhaut und Kaumuskulatur – kaum vollständig vermeiden. Die daraus resultierenden Nebenwirkungen sind oft multifaktoriell bedingt, persistieren teils langfristig und führen nicht selten zu Schmerzen, funktionellen Einschränkungen, Ernährungsproblemen und einer deutlich reduzierten Lebensqualität. Die Studienautoren betonen, dass viele dieser Komplikationen in klinischen Behandlungspfaden bislang noch unzureichend antizipiert oder im Followup nicht konsequent adressiert werden. Moderne Techniken wie IMRT, VMAT oder künftig auch die Protonentherapie können die Belastung gesunder Gewebe reduzieren. Wegen der bislang begrenzten klinischen Evidenz zur Protonentherapie konzentriert sich die Übersichtsarbeit jedoch im Wesentlichen auf die herkömmliche photonenbasierte Radiotherapie. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Pathophysiologie, die Häufigkeit und die klinischen Manifestationen der einzelnen Nebenwirkungen, sondern auch präventive und therapeutische Strategien sowie die Frage, wie die zahnärztliche Betreuung systematisch in den gesamten onkologischen Behandlungsverlauf integriert werden kann. Materialien und Methoden Die Arbeit wurde als Literaturübersicht nach PRISMA durchgeführt. Recherchiert wurde in MEDLINE/PubMed sowie in der Cochrane Library nach englischsprachigen Publikationen aus dem Zeitraum von 1999 bis November 2025. Verwendet wurden Suchbegriffe zu Kopf-Hals-Tumoren, Radiotherapie und den relevanten oralen Nebenwirkungen, darunter Karies, Parodontitis, Xerostomie, Mukositis, Zahnverlust, Candidiasis, Trismus, Dysphagie und Osteoradionekrose. Eingeschlossen wurden peer-reviewte Volltexte mit originalen klinischen Daten oder systematischen Übersichten, sofern sie einen klaren Fokus auf orale Toxizitäten nach Radiotherapie bei Kopf-HalsMalignomen hatten. Nach Deduplikation und unabhängiger Sichtung durch zwei Reviewer wurden 151 Studien in die Übersichtsarbeit aufgenommen. Aufgrund der ausgeprägten Heterogenität der Endpunkte, Definitionen und Studiendesigns erfolgte keine Metaanalyse; die Daten wurden stattdessen narrativ und thematisch nach NebenwirkunTrotz moderner Bestrahlungstechniken werden bei einer Radiotherapie die benachbarten oralen Strukturen häufig mitbelastet, so dass nicht selten Karies, Parodontitis, Xerostomie, eine Mukositis, Candidosen, Trismus, eine Dysphagie oder eine Osteoradionekrose entstehen. Foto: Universitätsmedizin Mainz

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=