Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

ZAHNÄRZTLICHE MITTEILUNGEN | WWW.ZM-ONLINE.DE Neue Ergebnisse der DMS • 6 In Berlin wurde der zweite Teil der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie vorgestellt. IDZ-Direktor Prof. Dr. A. Rainer Jordan zu den neuesten Erkenntnissen. SEITE 24 Haben Sie eine Notfall-Strategie? Falls der Praxisbetreiber ausfällt, sollte vorgesorgt sein! Wie Sie sich auf den Worst Case vorbereiten können, verraten ein Anwalt und ein Versicherungsexperte. SEITE 49 Dauerthema Fluorid Gerade in den Sozialen Medien kommt es zu unsachlichen Diskussionen. Wie sollte die Zahnärzteschaft mit der Verunsicherung vieler Eltern umgehen? SEITE 56 AUSGABE 08 | 2026 zm 16.04.2026, Nr. 08 MRT in der Zahnmedizin

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EDITORIAL | 3 Ein bunter Strauß an Vorschlägen in unserer Titelgeschichte intensiver damit befassen. Die Strahlenfreiheit bietet die Möglichkeit unbegrenzter Verlaufsaufnahmen im Kontext von Behandlung und Monitoring – ein enormer Vorteil. Denn der tiefe Einblick ins Weichgewebe bringt neue diagnostische Informationen. In anderen Bereichen ist MRT ein seit Jahrzehnten etabliertes bildgebendes Verfahren in der Medizin. In der Zahnmedizin wurde sie bislang vergleichsweise zurückhaltend eingesetzt – vor allem wegen der hohen Kosten, der längeren Untersuchungszeiten und der geringeren Eignung für die Darstellung knöcherner und mineralisierter Strukturen. Aber die Entwicklung – insbesondere bei der KI-gestützten Bildverarbeitung und der Sensorik – schreitet voran. Wir zeigen, was inzwischen möglich ist. Außerdem haben wir mit Prof. Dr. Dr. Stefan Haßfeld, Direktor der MKG-Chirurgie am Klinikum Dortmund der Universität Witten/Herdecke, gesprochen. Er war an der Entwicklung des weltweit ersten Dental-MRT-Geräts beteiligt. Viel Spaß bei der Lektüre! Sascha Rudat Chefredakteur Mit großer Spannung wurde er erwartet: Der erste Bericht der Finanzkommission Gesundheit. Und in Zeiten der ständigen Verzögerungen (Stichwort: Herbst der Reformen) hat das mit zehn Expertinnen und Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Medizin, Sozialrecht, Ethik und Prävention besetzte Gremium, das im vergangenen Jahr seine Arbeit aufgenommen hat, auch pünktlich abgeliefert. Und fleißig waren sie auch – wie auch immer man die Vorschläge wertet: 66 Empfehlungen, deren Einsparvolumen sich nach Angaben der Kommission auf etwa 42 Milliarden Euro im Jahr 2027 und 64 Milliarden Euro im Jahr 2030 beläuft. Oberstes Ziel sei es, die Ausgaben in der GKV stärker an die Einnahmen zu koppeln, hieß es. Für den Bericht hatte die FKG ein schriftliches Beteiligungsverfahren initiiert und rund 400 Stakeholder aus dem Gesundheitswesen eingeladen, Vorschläge für die Stabilisierung der GKV-Finanzlage einzubringen. Wie die Kommission mitteilte, gingen rund 1.700 Ideen ein. Salopp formuliert, könnte man sagen, es wurde ein bunter Strauß an Vorschlägen, die ganz verschiedene Bereiche auf der Einnahmen- und der Ausgabenseite betreffen, vorgelegt. Je nach möglicher Betroffenheit (Versicherte, Bund, Leistungserbringer, Steuerzahler) haben sich schon verschiedene Gruppen zu Wort gemeldet. Auch die KZBV und die BZÄK haben eine erste Bewertung vorgenommen. Sie finden sie in diesem Heft auf Seite 12. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat der Kommission für ihre Arbeit gedankt, sich aber ansonsten mit Bewertungen zurückgehalten. Vorgesehen ist ein Gesetz, in dem Vorschläge der Kommission umgesetzt werden sollen, für den Herbst. Im Dezember soll dann noch ein zweiter Teil folgen, der sich mittel- und langfristigen Strukturreformen der GKV widmet. Bis zu dem geplanten Gesetz wird es ein heftiges Ringen der Betroffenen und der Regierungsparteien geben. Es ist zuhoffen, dass der Gesetzgeber die Vorschläge der Kommission aufgreift, die wirklich etwas bringen (finanziell), und die keinen Schaden – insbesondere für die Patientinnen und Patienten – anrichten. Aber die Erfahrung lehrt uns, dass die Vorschläge, die nicht auf Parteilinie sind und eine Belastung für die jeweilige Klientel darstellen könnten, in den Parteigremien zerrieben werden. Schwer vorstellbar ist beispielsweise, dass die Bürgergeldempfänger wirklich aus dem GKV-Finanztopf herausgenommen werden – auch wenn das Einsparpotenzial dort satte 12 Milliarden Euro betragen würde. Auch die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehegatten – Einsparpotenzial 2027: rund 3,5 Milliarden Euro – erscheint eher unwahrscheinlich. Die nächsten Monate dürfen also spannend werden. Sehr spannend ist auch das diagnostische Potenzial, das die MRT in der Zahnmedizin bietet. Grund genug, dass wir uns Foto: Lopata/axentis

4 | INHALT 64 Was seine Zähne über Otto I. verraten Erste Untersuchungen des Kaisergrabmals im Magdeburger Dom haben die Identität der sterblichen Überreste Ottos des Großen bestätigt. 70 Praxisgründung in einem Kurort In den Kurpark Kolonnaden in Bad Saarow entsteht eine neue Zahnarztpraxis – geplant und realisiert von Luisa Damm, die unbedingt in ihrer Heimat leben und arbeiten möchte. MEINUNG 3 Editorial 8 Leitartikel POLITIK 12 Krise des Versorgungswerks der Berliner Zahnärzte Es muss endlich an die Aufarbeitung gehen! 20 Dentalketten und -zentren in Frankreich Straftaten bedrohen weiterhin die Patientensicherheit 28 CED-Konferenz in Brüssel Zuckerkonsum in Europa gemeinsam senken 52 Bereitschaftsdienstreform in Niedersachsen Eine Blaupause für den Bund? 62 American Academy of Pediatric Dentistry schlägt Alarm US-Kinderzahnärzte stellen Plan zur Fluoridbewertung infrage 68 Kurz erklärt: Krankenhausreformanpassungsgesetz Vom großen Wurf spricht niemand ZAHNMEDIZIN 16 Aus der Wissenschaft Strahleninduzierte orale Nebenwirkungen nach Radiotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren 24 Interview mit Prof. Dr. A. Rainer Jordan zur DMS • 6 „Die Prävention der Parodontitis ist die größte sozialmedizinische Aufgabe“ 56 Interview mit Prof. Dr. Roland Frankenberger zur Fluoriddebatte „Wo gründlich geprüft wird, spricht die Evidenz eine eindeutige Sprache“ 59 Zahnmedizinische Versorgung Neue S2k-Leitline zum geriatrischen Patienten 76 71. Zahnärztetag Westfalen-Lippe Der Mundraum als Teil des Ganzen TITELSTORY MRT in der Zahnmedizin 32 Interview mit Prof. Dr. Dr. Stefan Haẞfeld zum dentalen MRT 36 Eine Revolution in der Diagnostik 46 Das dentale MRT in der Diagnostik der Kieferosteonekrose Inhalt Foto: BedRoses – stock.adobe.com zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (574)

INHALT | 5 80 So reduzieren Sie Terminausfälle Mit klaren Strukturen, digitaler Unterstützung und gezielter Kommunikation lässt sich die No-Show-Rate deutlich senken und der Praxisalltag wird entlastet. TITELSTORY 32 Eine Revolution in der Diagnostik Seit Sommer 2025 ist am Klinikum Dortmund das weltweit erste DentalMRT-Gerät im Einsatz. Die Technologie hat das Potenzial, die Diagnostik in der Zahnmedizin signifikant zu verbessern. PRAXIS 30 Steuerliche Behandlung von Kunstwerken in der Praxis Kunst ist nicht gleich Kunst 49 Vorbereitungen für den persönlichen Krisenfall Haben Sie Ihr Praxis-Notfallkonzept? 55 Elektronischer Heilberufsausweis Tauschen Sie den eHBA bis Ende Juni aus! 70 Praxisgründung in einem Kurort „Wenn ..., dann Bad Saarow“ 72 Betriebswirtschaft in der zahnärztlichen Praxis – Teil 4 Profitcenter-Rechnungen: Was trägt wirklich zum Praxiserfolg bei? 80 Umgang mit No-Shows So reduzieren Sie Terminausfälle GESELLSCHAFT 64 Untersuchung des Kaisergrabmals im Magdeburger Dom Was seine Zähne über Otto I. verraten 82 Mit dem Förderkreis Clinica Santa Maria in Bolivien „Huancarani bietet Zahnmedizin auf einem anspruchsvollen Niveau!“ MARKT 85 Neuheiten RUBRIKEN 10 Ein Bild und seine Geschichte 60 Termine 67 Formular 78 Nachrichten 84 Impressum 98 Zu guter Letzt Titelfoto: Bonitz zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (575)

ANZEIGE LISTERINE Mehr parodontale Erkrankungen trotz guter Vorsorgemöglichkeiten Mundhygiene in Deutschland: Potenzial vorhanden, Umsetzung unzureichend Aktuelle Laborstudien der Universität Gießen mit über 1.000 Proband:innen zeigen zudem, dass es den meisten Patient:innen sogar bei bestmöglichem Putzen nicht gelingt, Plaque auf den Zähnen hinreichend zu entfernen. Insbesondere Stellen am Zahnfleischrand und an den Innenflächen werden bei der Reinigung vernachlässigt. In der Folge ist selbst nach dem Putzen die Hälfte der Zähne am Zahnfleischrand noch von Plaque besiedelt.2 Die mechanische Reinigung allein ist daher oft nicht ausreichend, um eine optimale Mundhygiene zu gewährleisten. Mundspülungen mit antibakterieller Wirkung schließen Reinigungslücken effektiv Wissenschaftlich bestätigt ist der Nutzen der sogenannten 3-fach-Prophylaxe: Diese kombiniert mechanisches3 und chemisches4 Biofilmmanagement. Zähneputzen und Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide können leitliniengerecht durch die Verwendung einer Mundspülung mit antibakterieller Wirkung, wie zum Beispiel LISTERINE, ergänzt werden.4 Neueste Studienergebnisse unterstreichen den Wert der Kombination chemischer und mechanischer Ansätze für eine komplette Mundgesundheit. Ziel einer aktuellen randomisierten, kontrollierten Studie war es, den zusätzlichen Nutzen einer alkoholfreien Mundspülung (LISTERINE) im Vergleich zu einer rein mechanischen Mundreinigung zu untersuchen.5 In der Studie wurden erwachsene Proband:innen in zwei Gruppen eingeteilt: 1. Kontrollgruppe: Rein mechanische Mundhygiene (Zähneputzen und Interdentalbürsten) 2. Interventionsgruppe: Identische mechanische Reinigung plus zusätzlicher Anwendung einer alkoholfreien LISTERINE Mundspülung Foto: Kenvue Germany GmbH Die aktuellen epidemiologischen Daten zeichnen ein klares Bild: Parodontale Erkrankungen nehmen in Deutschland weiter zu. Das ist umso erstaunlicher, als heute so viele wirksame Präventionsmöglichkeiten zur Verfügung stehen wie nie zuvor. Die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) und aktuelle Untersuchungen zum Mundhygieneverhalten zeigen, dass die tägliche mechanische Reinigung zur Plaquekontrolle häufig nicht ausreicht, um parodontalen Erkrankungen vorzubeugen.1,2

ANZEIGE Die Untersuchung erfolgte unter standardisierten Bedingungen über 24 Wochen und ermöglichte eine differenzierte Beurteilung der Plaquekontrolle in verschiedenen Mundregionen.5 Nach 24 Wochen reduzierte die Kombination aus Anwendung von Interdentalbürste + Zahnbürste im Vergleich zum alleinigen Zähneputzen die Plaquewerte im gesamten Mund um 1,4 Prozent, während die zusätzliche Verwendung einer alkoholfreien LISTERINE-Mundspülung (zusammen mit Interdentalbürste und Zahnbürste) eine Reduktion der Plaquewerte um 15,8 Prozent bewirkte. Die Vorteile der Plaqueentfernung durch die ergänzende Mundspülung waren in schwer zugänglichen posterioren Bereichen sogar noch größer. Die Verwendung von Interdentalbürste + Zahnbürste erzielte nur eine Reduktion um 1,3 Prozent gegenüber dem alleinigen Zähneputzen, während die zusätzliche Mundspülung eine Reduktion um 22,4 Prozent bewirkte. Die Ergebnisse zeigen, dass die zusätzliche Anwendung von LISTERINE die klinischen Vorteile mechanischer Reinigungsmethoden verstärkt. Im Vergleich zur alleinigen mechanischen Reinigung bot die 3-fach-Prophylaxe aus Zähneputzen, Interdentalbürstchen und Anwendung einer Mundspülung mit ätherischen Ölen wie LISTERINE mehr als das Fünffache an zusätzlichem Schutz vor Zahnfleischproblemen. Besonders ausgeprägt war der zusätzliche Effekt in posterioren und interproximalen Bereichen, also dort, wo mechanische Maßnahmen an ihre Grenzen stoßen.5 LISTERINE mit einer fixen Kombination klinisch getesteter ätherischer Öle* Mundspülungen mit ätherischen Ölen, wie LISTERINE, gehören zu den wirksamsten Mitteln zur Reduzierung von Plaque und zum Schutz des Zahnfleisches.6 Die ätherischen Öle dringen tief in den Biofilm ein und unterbrechen dessen Struktur auch an schwer zugänglichen Stellen. Es werden bis zu 99 Prozent der nach dem Zähneputzen verbliebenen Bakterien bekämpft, die Mundgeruch, Plaque und Zahnfleischentzündungen verursachen können.7 Auch bei langfristiger Anwendung** von LISTERINE zeigen sich keine signifikanten mikrobiellen Verschiebungen und es sind keine Verfärbungen zu erwarten.8,9 LISTERINE steht in verschiedenen Varianten zur Verfügung, u.a. alkoholfrei und anpassbar an die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen. Fazit: Die 3-fach-Prophylaxe als evidenzbasierte Empfehlung zur häuslichen Mundpflege Mundspülungen mit ätherischen Ölen, die eine antibakterielle Wirkung haben, stellen damit eine sinnvoll ergänzende und einfach umzusetzende Maßnahme für die häusliche Mundpflege dar. Zahnarztpraxen können mit diesem Ansatz ihre Patient:innen langfristig bei einer wirksamen Prävention parodontaler Erkrankungen unterstützen. „ Verstärkte Reduktion des Plaque-Biofilms durch ergänzende Mundspülung ***P < 0.001; Im Vergleich zu Zähneputzen allein. 1,4% 15,8%*** 1,3% 22,4%*** 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 18% 16% Anwendung von Interdentalbürsten + Zähneputzen allein Reduktion des Plaque-Biofilms nach 6 Monaten Reduktion des Plaque-Biofilms in den posterioren, interproximalen Bereichen nach 6 Monaten Anwendung von Interdentalbürsten + Zähneputzen + LISTERINE® (alkoholfrei) Anwendung von Interdentalbürsten + Zähneputzen allein Anwendung von Interdentalbürsten + Zähneputzen + LISTERINE® (alkoholfrei) Reduktion von supragingivaler interdentaler Plaque (TPI) 0% 5% 10% 15% 20% 25% Reduktion supragingivaler posteriorer interproximaler Plaque (TPI) * Klinische Studien, die mit LISTERINE durchgeführt wurden, das ätherische Öle enthält. ** Studien über 6 Monate. 1 Schwendicke F, Dörfer C, Jordan AR et al., „Parodontale Erkrankungen in Deutschland – Ergebnisse aus der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6)“. In: Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift (DZZ) 2025; pp. 102–121. 2 ZWP Online, 2025. Zähneputzen im Realitätscheck: fleißig, aber oft nicht gründlich genug. [Online] Verfügbar unter: https://www.zwp-online.info/zwpnews/ dental-news/branchenmeldungen/das-zahneputzenauf-dem-prufstand-der-wissenschaft [Zugriff am 16.12.2025]. 3 S3-Leitlinie: Häusliches mechanisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis. AWMF-Registernummer: 083-022, Stand: November 2018, Amendment: Dezember 2020. 4 S3-Leitlinie: Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis. AWMF-Registernummer: 083-016, Stand: November 2018, Amendment: Dezember 2020. 5 Kenvue.Interdental Brush + Essential Oil Mouthrinse Study (IDB Study). Clinical Summary Report. Kenvue Medical Affairs; 2024.The full clinical study manuscript has been submitted for publication. The secondary endpoints from the study were published at (Preshaw, PM et al. Periodontal Bleeding and Probing-Depth Outcomes with Interdental Brushing and Mouthwash (Oral Presentation) J Dent Res Vol 104 B / International Association of Dental Research (IADR). 2025. Barcelona, Spain). 6 Sanz M, Herrera D, Kebschull M, et al. Treatment of stage I-III periodontitis-The EFP S3 level clinical practice guideline. J Clin Periodontol. 2020;47 Suppl 22(Suppl 22):4-60. 7 Johnson & Johnson internal study: FCLGBP0048. Johnson & Johnson 2022. 8 Minah GE, et al. Effects of 6 months use of an antiseptic mouthrinse on supragingival dental plaque microflora. J Clin Periodontol 1989;16:347-352. 9 Charles CH, Mostler KM, Bartels LL, Mankodi SM. Comparative antiplaque and antigingivitis effectiveness of a chlorhexidine and an essential oil mouthrinse: 6-month clinical trial. J Clin Periodontol. 2004 Oct;31(10):878-84. Johnson & Johnson Platz 2 41470 Neuss www.kenvue.com/de-de Kenvue Johnson & Johnson GmbH

Vor einem Jahr haben wir mit dem Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) die ersten Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) der Öffentlichkeit präsentiert. Nach neun Jahren – die DMS V erschien 2016 – lag damit erstmals wieder eine aktuelle, wissenschaftlich fundierte Übersicht über die Mundgesundheit der deutschen Bevölkerung vor. Die DMS • 6 ist die größte repräsentative oralepidemiologische Bevölkerungsstudie in Deutschland und liefert umfassende Einblicke in den Zustand der Mundgesundheit der Bevölkerung in Deutschland – von den Kindern bis zu den Menschen im Rentenalter. In dieser Form weltweit einmalig, ist sie ein hervorragendes Stück Wissenschaft, das das IDZ mit großem Aufwand und Engagement erarbeitet hat. Die DMS • 6 zeigt, dass unsere präventiven Maßnahmen in der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland nachhaltige Früchte tragen. Das Motto der Studie bringt es auf den Punkt: Prävention wirkt! Wir können mit erhobenem Haupt in die Diskussion mit der Politik gehen, denn die Ergebnisse sind auch ein Beleg für die Richtigkeit unserer vergangenen standespolitischen Entscheidungen: Zahnmedizin und die Mundgesundheit der Bevölkerung entwickeln sich in die richtige Richtung. Jetzt haben wir den zweiten Teil der DMS • 6 vorgestellt. Mithilfe von Längsschnittanalysen wurden die Probanden von 2016 erneut untersucht, um die Entwicklung der Mundgesundheit der Bevölkerung nachzuvollziehen und erstmalig detaillierte Einblicke in individuelle Krankheitsverläufe zu erhalten. Mit den Ergebnissen beweist die Zahnärzteschaft erneut, dass Prävention der Schlüssel zum Erfolg bei der Mundgesundheit ist. Dass bei zum Zeitpunkt der DMS V kariesfreien Kindern, also den heute 20-Jährigen, innerhalb des Untersuchungszeitraums im Durchschnitt maximal ein Zahn an Karies erkrankte, ist ein fantastisches Ergebnis. Die Daten zu Parodontitis zeigen jedoch, dass hier noch dringender Handlungsbedarf besteht. Um dieser Volkskrankheit mit schweren Folgen für die Allgemeingesundheit endlich Herr zu werden, muss sie möglichst früh behandelt werden. Mit der präventionsorientierten Parodontitisbehandlungsstrecke in der GKV haben wir eine wirksame und auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Therapie in der Versorgung, die aber durch das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz mit seiner strikten Budgetierung ausgebremst wurde. Und auch jetzt wurden seitens der Finanzkommission Gesundheit Vorschläge vorgelegt, die die Erfolge in der Zahnund Mundgesundheit der vergangenen Jahre nachhaltig beschädigen können. Dabei ist es höchste Zeit, dass die Politik Prävention zum Leitbild gesundheitspolitischen Handelns macht. Jegliche Sparmaßnahmen schränken die Präventionsfähigkeit massiv ein und haben fatale Folgen – sowohl für die Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten als auch für die GKV-Finanzen durch hohe Folgekosten. Die Längsschnittergebnisse der DMS • 6 belegen eindeutig, wie wirkungsvoll die langjährige, strukturierte Präventionsorientierung der Zahnmedizin ist. Patientinnen und Patienten sollten die vielfältigen Angebote von Anfang an und über den gesamten Lebensbogen hinweg in Anspruch nehmen. Im internationalen Kariesvergleich ist Deutschland Weltklasse. Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Diabetes und Herz-KreislaufErkrankungen, haben allerdings einen überdurchschnittlichen Zahnverlust. Hier bedarf es einer intensivierten Zusammenarbeit der Zahnärzteschaft mit den Allgemeinärztinnen und -ärzten sowie weiteren Fachgruppen. Auf Basis dieser Daten können wir sehen, wo es Versorgungsnotwendigkeiten gibt, die neu entstanden sind oder die bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Damit hat die deutsche Zahnärzteschaft wieder einmal ihre Hausaufgaben gemacht. Diesen erfolgreichen Weg weitergehen können wir natürlich nur, wenn die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen im jetzt anstehenden Gesetzgebungsverfahren schafft.Auch angesichts des Berichts der Finanzkommission sind wir überzeugt, dass man an den Ergebnissen der DMS • 6 – auch was die kieferorthopädische Versorgung angeht – nicht vorbeikommt. Martin Hendges Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung Dr. Romy Ermler Präsidentin der Bundeszahnärztekammer Lesen Sie auch das Interview mit IDZ-Direktor Prof. Dr. A. Rainer Jordan auf Seite 24. Auch die weiteren Ergebnisse der DMS • 6 zeigen: Prävention wirkt! 8 | LEITARTIKEL Fotos: Jan Knoff, GEORG JOHANNES LOPATA-AXENTIS.DE

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EIN BILD UND SEINE GESCHICHTE Foto: Facebook – Studio Dental, Dennis – stock.adobe.com zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (580) 10 | GESELLSCHAFT Acht Jahre lang engagierte sich die US-Zahnärztin Dr. Sara Boyer mit ihrer Praxis „Studio Dental“ in der aufsuchenden Zahnheilkunde. Statt vulnerablen Patientengruppen hatte sie aber eher ein junges, fittes Publikum im Blick, das krass im Job unterwegs (und darum super solvent) ist und deswegen keine Zeit hat. Wie das Team zuvor in Befragungen herausgefunden haben will, dauert ein durchschnittlicher Zahnarztbesuch aufgrund der Anfahrtswege für manche Patienten vier Stunden. Augenblicklich war das Ziel geboren, diese Zeit auf unter eine Stunde zu reduzieren. Wenn also Beschäftigte den Gang zur Praxis für zu beschwerlich halten, bringt man die Praxis eben zu ihnen. Das hippe Architekturbüro Montalba baute mithilfe von Experten für Schiffsausbauten eine 21 Quadratmeter große Minipraxis mit Steriraum, Wartebereich und zwei Behandlungszimmern in einen 11,5 Meter langen Anhänger. Es gab ein Tablet zur Anmeldung, transluzente, skulpturale Oberlichter in der Decke, die nicht nur natürliches Licht hereinlassen, sondern auch Videomonitore mit beruhigenden Bildern tragen sowie gezielt eingesetzte Spiegelstreifen, die den Raum optisch verlängern und die hintersten Ecken des Anhängers ausleuchten. So fancy die Praxis mit ihren künstlerisch wertvollen, indirekt beleuchteten und schallschluckenden Holzverkleidungen aussah (siehe QR-Code), so schlicht war sie von außen. 2022 führte dann die COVID-19-Pandemie zur Ausmusterung des Trailers. Immerhin: Bis dahin hatte das rollende Dentalstudio sowohl die Jury des „Green Good Design Award“ vom Europäischen Zentrum für Architektur, Kunst, Design und Stadtforschung als auch die des Chicagoer „Athenaeum“-Museums für Architektur und Design überzeugt. Beide zeichneten die mobile Praxis aus und hoben lobend hervor, dass sie von einem ganz normalen Pick-up gezogen werden konnte. Naja. mg

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zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (582) 12 | POLITIK BZÄK UND KZBV ZU DEN VORSCHLÄGEN DER GKV-FINANZKOMMISSION „Erneute Kostendämpfung würde Erfolge in der Zahn- und Mundgesundheit beschädigen“ Die FinanzKommission Gesundheit (FKG) hat 66 Maßnahmen empfohlen, um die Beitragssätze in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kurzfristig zu stabilisieren. KZBV und BZÄK warnen jedoch vor Rückschritten bei den präventiven Erfolgen in der Zahnmedizin. Auf etwa 42 Milliarden Euro im Jahr 2027 und 64 Milliarden Euro im Jahr 2030 beläuft sich nach Angaben der FKG das Einsparvolumen, das mit den 66 Empfehlungen maximal erreicht werden kann. Oberstes Ziel sei, die GKV-Ausgaben stärker an die Einnahmen zu koppeln. Zudem appelliert das mit zehn Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Medizin, Sozialrecht, Ethik und Prävention besetzte Gremium an die Regierung, in der medizinischen Versorgung konsequent auf wissenschaftliche Evidenz und Prävention zu setzen. „Leistungen ohne nachgewiesenen Nutzen sollen grundsätzlich nicht aus Mitteln der solidarischen Krankenversicherung erstattet werden“, schreiben sie in ihrem Bericht. „Um das Ziel der GKV-Finanzstabilisierung zu erreichen, wurden alle Bereiche des Gesundheitswesens adressiert“, betont die FKG. „Die Reformempfehlungen richten sich an alle Leistungserbringerbereiche, an die Hersteller von pharmazeutischen Produkten und Medizinprodukten, an die Krankenkassen, die beitragszahlenden Mitglieder, die Versicherten sowie Konsumenten und Produzenten gesundheitsschädlicher Produkte sowie den Steuerzahler.“ Höhere Steuern auf Alkohol, Tabak und Zucker Mit Blick auf die Versicherten empfiehlt die Kommission etwa, dass die zumeist aus 2004 stammenden Zuzahlungen gemäß der Inflation angehoben, die Steuern auf Tabak und Alkohol erhöht sowie eine gestaffelte Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke eingeführt werden. Die daraus generierten Extra-Steuereinnahmen seien der GKV zuzuführen. Eine Stabilisierung der GKV-Einnahmen sei aber nur möglich, wenn die Regierung Maßnahmen zur Stärkung des Arbeitsmarkts ergreift und die Zahl der Beschäftigten erhöht. Die GKV könne hier nur eingeschränkt Impulse geben. Ein sinnvoller Schritt sei dabei die weitgehende Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehegatten in der GKV. Die Kommission rät zudem, versicherungsfremde Leistungen, insbesondere die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern, aus Steuern zu finanzieren. KZBV: Schon das GKV-FinStG hat die Prävention gebremst Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) kritisieren einzelne Vorschläge der Kommission scharf. So stellt der KZBV-Vorsitzende Martin Hendges klar: „Bereits das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz mit seiner strikten Budgetierung für die Jahre 2023 und 2024 hat dem Kampf gegen Parodontitis einen herben Rückschlag versetzt! Denn gerade erst hatten wir mit unserer präventionsorientierten Parodontitisbehandlungsstrecke eine wirksame und auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Therapie in die Versorgung gebracht, womit natürlich – auch politisch gewollt – eine erhöhte Inanspruchnahme verbunden sein sollte.“ Infolge der strikten Budgetierung sei es dann zu einer Foto: Vink Fan - stock.adobe.com Die von der Bundesregierung beauftragte GKV-Finanzkommission empfiehlt 66 kurzfristige Maßnahmen, um die Beitragssätze zu stabilisieren. Aus Sicht der Zahnärzteschaft könnten einige der Mundgesundheit schaden.

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14 | POLITIK drastischen Unterfinanzierung gekommen – mit spürbar negativen Folgen für die Patientenversorgung. Hendges: „Eine nachhaltige Behandlung ist nun deutlich erschwert. Und das vor dem Hintergrund, dass aktuell rund 14 Millionen Menschen an einer schweren Parodontitis leiden. Der Kampf gegen diese Volkskrankheit ist umso wichtiger, weil durch eine unbehandelte oder nicht frühzeitig behandelte Parodontitis hohe Folgekosten entstehen – sowohl im zahnärztlichen als auch im allgemeinmedizinischen Bereich.“ Eine erneute Kostendämpfung würde sich damit zwangsläufig ins Gegenteil verkehren und zudem die Erfolge in der Zahn- und Mundgesundheit der vergangenen Jahre beschädigen. Darüber hinaus sei, wie im Bericht selbst erwähnt, an anderer Stelle mit Einschränkungen in der Versorgung zu rechnen, betont Hendges: „Praxisinhaberinnen und -inhaber könnten sich entscheiden, früher aus der Versorgung auszuscheiden; zugleich werden mögliche Vorbehalte gegenüber einer Praxisniederlassung durch fehlende Planungssicherheit gestärkt. Versorgungsengpässe sind künftig dann nicht mehr auszuschließen.“ Mit dem Vorschlag der Etablierung einer einnahmenorientierten Ausgabenpolitik, was einer globalen Begrenzung der Vergütungsanstiege entsprechen würde, nehme man die äußerst effiziente und wirtschaftliche vertragszahnärztliche Versorgung mit einer erneuten ziellosen Kostendämpfungsmaßnahme ins Visier und ließe darüber hinaus auch die Folgekosten für das Gesundheitssystem völlig außer Acht. Aussagen zur Kieferorthopädie widersprechen der Evidenz Mit großer Irritation haben wir zudem das Maßnahmenbündel im Bereich der Kieferorthopädie zur Kenntnis genommen, das in weiten Teilen der aktuellen Evidenzlage und der tatsächlichen Versorgungssituation widerspricht“, rügt Hendges. Ziel der KZBV sei es immer, die vertragszahnärztliche Versorgung am Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse auszurichten. Die neuen Daten der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) sowie die aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien zeigten, dass dies auch für die Kieferorthopädie der Fall ist. Gerade diese Publikationen habe die FKG jedoch nicht berücksichtigt. Hendges: „Will man die großen Herausforderungen im Gesundheitswesen wirklich meistern, muss die Prävention Leitbild der Gesundheitsversorgung werden.“ Mit konsequenter Präventionsausrichtung sei es gelungen, den Anteil an den GKV-Ausgaben für vertragszahnärztliche Leistungen – trotz Ausweitung des Leistungskatalogs – seit 2001 um mehr als ein Drittel auf 5,7 Prozent zu senken, Tendenz weiter abnehmend. Er appelliert an die Bundesgesundheitsministerin, dies in der Gesetzgebung unbedingt zu berücksichtigen – die Zahnärzteschaft stehe mit ihrer Expertise und Erfahrungen aus dem Praxisalltag bereit. BZÄK: An validierten Erfolgen sollte nicht gespart werden BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler bestätigt: „Die Zahnmedizin hat ihre Hausaufgaben gemacht – und zwar im Vorfeld. Seit über 25 Jahren haben wir uns auf den einzig richtigen Weg gemacht, Krankheiten zu vermeiden. Prävention ist der nachhaltigste Weg, Gesundheit zu erhalten und Kosten zu vermeiden.“ Das gelte bei der frühen Behandlung der Parodontitis und ebenso bei allen anderen Erkrankungen, egal ob im Rahmen der Zahnmedizin oder allgemein. Die Zahnmedizin zeige seit Jahren, dass konsequente Präventionsstrategien messbare Erfolge bringen, betont Ermler: „Erkrankungen konnten deutlich zurückgedrängt werden. Diese Erfahrungen sollten im gesamten Gesundheitssystem stärker genutzt werden. An validierten Erfolgen, die mit wissenschaftlichen Studien belegt sind, sollte keinesfalls gespart werden!“ Die FKG bestätige selbst, dass die Zahnmedizin nur moderate Ausgaben aufweise. Weitere Kürzungen würden daher auf Kosten der Mund- und Allgemeingesundheit der Patientinnen und Patienten gehen, mahnt Ermler. Positiv sei, dass der Bericht einen Fokus auf die Prävention im gesamtmedizinischen Bereich lege. Auch der steuerpolitische Ansatz, gesundheitsschädigendes Verhalten stärker nach dem Verursacherprinzip zu berücksichtigen, sei zu begrüßen. Ermler: „Es muss gelten: Prävention stärken, statt Versorgung schwächen!“ Warken will Spargesetz spätestens im Juli vorlegen Das Finanzvolumen der empfohlenen Maßnahmen übersteige die prognostizierte Deckungslücke in der GKV bei Weitem, hob die FKG bei der Präsentation ihres Berichts hervor: „Die Politik hat damit einen großen Ermessensspielraum und kann entscheiden, welche Empfehlungen umgesetzt werden sollen.“ Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es, man werde die Vorschläge zügig prüfen und auf dieser Grundlage sehr zeitnah ein Gesetzgebungsverfahren einleiten. Bis spätestens Juli will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einen Gesetzentwurf vorlegen. Zum Hintergrund: Das von der Bundesregierung beauftragte Gremium unter Leitung des Gesundheitsökonomen Wolfgang Greiner hatte im September 2025 die Arbeit aufgenommen. Für den Bericht hatte die FKG ein schriftliches Beteiligungsverfahren initiiert und rund 400 Stakeholder aus dem Gesundheitswesen eingeladen, Vorschläge für die Stabilisierung der GKVFinanzlage einzubringen. Rund 1.700 Ideen gingen demnach ein. Mit dem Bericht ist die Arbeit der Kommission nicht abgeschlossen. Im Dezember soll ein zweiter Teil folgen, der sich mittelund langfristigen Strukturreformen der GKV widmet. sth zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (584) „Prävention ist der nachhaltigste Weg, Gesundheit zu erhalten und Kosten zu vermeiden.” BZÄK-Präsidentin Dr. Romy Ermler

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16 | ZAHNMEDIZIN zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (586) AUS DER WISSENSCHAFT Strahleninduzierte orale Nebenwirkungen nach Radiotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren Peer W. Kämmerer Eine Arbeitsgruppe aus Düsseldorf und Berlin hat die Evidenz zu den strahleninduzierten Nebenwirkungen bei der Radiotherapie systematisch zusammengefasst und damit den aktuellen Wissensstand kartiert. Abgeleitet werden daraus interdisziplinäre Empfehlungen für ein strukturiertes dentales Begleitkonzept. Kopf-Hals-Tumoren gehören weltweit zu den häufigen malignen Erkrankungen und werden oft mittels Radiotherapie, meistens in Kombination mit operativen und systemischen Verfahren, behandelt. Gerade bei hohen Strahlendosen im Bereich von etwa 60 bis 70 Gray (Gy) lassen sich Belastungen der angrenzenden Strukturen – Zahnhartsubstanzen, Speicheldrüsen, Mundschleimhaut und Kaumuskulatur – kaum vollständig vermeiden. Die daraus resultierenden Nebenwirkungen sind oft multifaktoriell bedingt, persistieren teils langfristig und führen nicht selten zu Schmerzen, funktionellen Einschränkungen, Ernährungsproblemen und einer deutlich reduzierten Lebensqualität. Die Studienautoren betonen, dass viele dieser Komplikationen in klinischen Behandlungspfaden bislang noch unzureichend antizipiert oder im Followup nicht konsequent adressiert werden. Moderne Techniken wie IMRT, VMAT oder künftig auch die Protonentherapie können die Belastung gesunder Gewebe reduzieren. Wegen der bislang begrenzten klinischen Evidenz zur Protonentherapie konzentriert sich die Übersichtsarbeit jedoch im Wesentlichen auf die herkömmliche photonenbasierte Radiotherapie. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Pathophysiologie, die Häufigkeit und die klinischen Manifestationen der einzelnen Nebenwirkungen, sondern auch präventive und therapeutische Strategien sowie die Frage, wie die zahnärztliche Betreuung systematisch in den gesamten onkologischen Behandlungsverlauf integriert werden kann. Materialien und Methoden Die Arbeit wurde als Literaturübersicht nach PRISMA durchgeführt. Recherchiert wurde in MEDLINE/PubMed sowie in der Cochrane Library nach englischsprachigen Publikationen aus dem Zeitraum von 1999 bis November 2025. Verwendet wurden Suchbegriffe zu Kopf-Hals-Tumoren, Radiotherapie und den relevanten oralen Nebenwirkungen, darunter Karies, Parodontitis, Xerostomie, Mukositis, Zahnverlust, Candidiasis, Trismus, Dysphagie und Osteoradionekrose. Eingeschlossen wurden peer-reviewte Volltexte mit originalen klinischen Daten oder systematischen Übersichten, sofern sie einen klaren Fokus auf orale Toxizitäten nach Radiotherapie bei Kopf-HalsMalignomen hatten. Nach Deduplikation und unabhängiger Sichtung durch zwei Reviewer wurden 151 Studien in die Übersichtsarbeit aufgenommen. Aufgrund der ausgeprägten Heterogenität der Endpunkte, Definitionen und Studiendesigns erfolgte keine Metaanalyse; die Daten wurden stattdessen narrativ und thematisch nach NebenwirkunTrotz moderner Bestrahlungstechniken werden bei einer Radiotherapie die benachbarten oralen Strukturen häufig mitbelastet, so dass nicht selten Karies, Parodontitis, Xerostomie, eine Mukositis, Candidosen, Trismus, eine Dysphagie oder eine Osteoradionekrose entstehen. Foto: Universitätsmedizin Mainz

Ästhetik mit System – Komposite von TOKUYAMA Individuelle Anwendungsmöglichkeiten durch verschiedenste Viskositäten Exzellente Polierbarkeit & Handhabung mehrfach ausgezeichnet durch den Dental Advisor Hohe Belastbarkeit durch optimal abgestimmte sphärische Füllkörper Schnelle Tiefenhärtung durch kontrollierte Brechungsindizes & RAP-Technology Spezialisten & Alleskönner: Die ESTELITE-Familie – ein einzigartiges System für die moderne Füllungstherapie basierend auf sphärischen Füllkörpern. Für den idealen Workflow: Unsere ESTEPOLISHER MUSTER &MEHR tokuyama-dental.eu

18 | ZAHNMEDIZIN gen, Pathomechanismen sowie präventiven und therapeutischen Optionen zusammengefasst. Ergebnisse Die Autoren zeigen, dass strahleninduzierte orale Nebenwirkungen häufig, klinisch relevant und eng miteinander verknüpft sind. Die Prävalenz der Strahlenkaries liegt bei über 25 Prozent und ist eng mit Hyposalivation sowie einer erschwerten Mundhygiene assoziiert. Strahleninduzierte Parodontitis betrifft je nach Kollektiv bis zu 70 Prozent der Patienten. Xerostomie ist eine der zentralen Langzeitfolgen; für die Parotis wird eine mittlere Dosis von etwa 25 Gy als klinisch bedeutsame Schwelle diskutiert, oberhalb derer die Speichelsekretion deutlich und oft dauerhaft eingeschränkt bleibt. Mukositis tritt besonders häufig auf und betrifft 80 bis 100 Prozent der bestrahlten Patienten. Candidosen konnten in einzelnen Kollektiven sogar bei bis zu 96 Prozent beobachtet werden. Trismus stabilisiert sich etwa ein Jahr nach der Therapie bei einer Prävalenz von 32 Prozent, Dysphagie betrifft ungefähr ein Drittel der Patienten und die Osteoradionekrose zählt trotz geringerer Häufigkeit zu den schwerwiegendsten Spätfolgen. In therapeutischer Hinsicht ergibt sich eindifferenziertes Bild. Zur Prävention der Strahlenkaries bleibt die topische Fluoridierung die wichtigste Maßnahme, ergänzt durch Speichelersatz, eine professionelle Prophylaxe und eine strukturierte Patientenführung. Bei Xerostomie werden vor allem Pilocarpin, Speichelersatzmittel und TENS genannt. Bei Mukositis werden pharmakologische Ansätze, antiseptische Spülungen, sorgfältige orale Pflege sowie weitere unterstützende Verfahren beschrieben. Candidosen werden lokal oder systemisch antimykotisch behandelt, etwa mit Miconazol. Trismus und Dysphagie sprechen vor allem auf frühzeitig eingeleitete Übungs- und Rehabilitationsprogramme an. Bei einer Osteoradionekrose reichen die Optionen von konservativen Maßnahmen über Sequestrektomie bis hin zur hyperbaren Sauerstofftherapie und zur chirurgischen Resektion; zudem werden neue Ansätze wie die Photobiomodulation, prophylaktische Antibiotika, eine Biomarker-basierte Diagnostik und Biomaterial-gestützte Rekonstruktionen diskutiert. Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist der Vorschlag eines integrativen Versorgungspfades. Bereits vor Beginn der Radiotherapie sollten dentale Infektions- und Entzündungsherde saniert, kariöse Läsionen behandelt und gegebenenfalls Fluoridierungsschienen oder protektive intraorale Hilfsmittel angefertigt werden. Nach dem Therapieabschluss empfehlen die Autoren eine engmaschige zahnärztliche Nachsorge zunächst innerhalb der ersten drei Monate, anschließend halbjährlich oder jährlich – risikoadaptiert. Dabei sollen insbesondere Trismus, parodontale Verschlechterungen, Schleimhautveränderungen sowie Zeichen einer Osteoradionekrose systematisch erfasst werden. Diskussion Die vorliegende Arbeit ist keine klassische Wirksamkeitsanalyse einzelner Interventionen, sondern eine breit angelegte Kartierung des aktuellen Wissensstandes. Ihre Stärke liegt deshalb vor allem darin, dass sie die Vielzahl strahlenbedingter oraler Komplikationen nicht isoliert betrachtet, sondern als miteinander vernetzte Probleme entlang des gesamten onkologischen Behandlungsverlaufs. Für die klinische Praxis ist besonders relevant, dass die Prävention und eine strukturierte dentale Mitbetreuung hier klar in den Vordergrund rücken. Das betrifft die prätherapeutische Sanierung, die Abstimmung mit der Strahlentherapieplanung sowie die langfristige Nachsorge. Trotz der Limitationen (Literaturanalyse ohne Bewertung des Biasrisikos und ohne gepoolte Effektanalyse bei sehr heterogener Literatur) hat die Übersichtsarbeit einen klaren praktischen Wert. Sie macht deutlich, dass orale Nebenwirkungen der Radiotherapie keine nachgeordneten Begleiterscheinungen sind, sondern wesentliche Determinanten für die Funktion, die Ernährung, die Lebensqualität und die Langzeitprognose. Entsprechend erscheint ein verbindlich integriertes zahnärztlich-radiologisch-onkologisches Betreuungskonzept sinnvoll, um Risiken frühzeitig zu erkennen, Komplikationen zu vermeiden und die Versorgung von Kopf-Hals-Tumorpatienten nachhaltig zu verbessern. „ Die Studie: Gerlach T., Brunello G., Tenbrink C. et al.: Radiationinduced oral side effects in head and neck cancer: a scoping review and interdisciplinary recommendations. BMC Oral Health (2026). https://doi. org/10.1186/s12903-026-08100-4. zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (588) AUS DER WISSENSCHAFT In dieser Rubrik berichten die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der zm regelmäßig über interessante wissenschaftliche Studien und aktuelle Fragestellungen aus der nationalen und internationalen Forschung. Die wissenschaftliche Beirat der zm besteht aus folgenden Mitgliedern: Univ.-Prof. (a.D.) Dr. Elmar Hellwig, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (bis 31.12.2023) Univ.-Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen, Universitätsklinikum Bonn Univ.-Prof. Dr. Florian Beuer, Charité – Universitätsmedizin Berlin Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, Universitätsmedizin Mainz Univ.-Prof. Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, MA, FEBOMFS Leitender Oberarzt/ Stellvertr. Klinikdirektor Klinik und Poliklinik für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie – Plastische Operationen, Universitätsmedizin Mainz Augustusplatz 2, 55131 Mainz Foto: Kämmerer

® Schmerzlinderung beginnt in Ihrer Praxis PROFESSIONAL ORAL HEALTH Für die tägliche Mundpflege bei Dentinhypersensibilität gibt es die Routine von elmex® SENSITIVE PROFESSIONAL Produktvorteile: Sorgt für hohe Fluoridaufnahme (5 % Natriumfluorid, 22.600 ppm F-) 50 Einzeldosen, je 0,4 ml Applikationspinsel Toller Geschmack nach Himbeere DENTIN: BEHANDELTER BEREICH DENTIN: UNBEHANDELTER BEREICH 100% Tubuli-Okklusion mit 1 Anwendung1 Zahnpasta: Für sofortige Schmerzlinderung bis zu 2x täglich mit der Fingerspitze auf den empfindlichen Zahn auftragen und für 1 Minute sanft einmassieren. 1 UltradentTMData on file. Report WO#4422, 2018.

20 | POLITIK Über 400 Dentalzentren allein innerhalb der Stadtgrenzen von Paris – und eine Gesundheitsbehörde, die unseren Quellen zufolge nur 12 Inspektionen pro Jahr durchführen kann“, moniert die Französische Zahnärztekammer (Ordre National des Chirugiens-Dentistes, ONCD). Für den ONCD spiegelt dieses Beispiel den Zustand der regionalen Gesundheitsbehörden (Agence régionale de santé, ARS) in ganz Frankreich wider. „Der eklatante Mangel an Mitteln der Ämter zur Kontrolle der dentalen Zentren ist unstrittig“, stellt der ONCD fest. Dabei zeuge die Zunahme von Verwaltungs- und Gerichtsentscheidungen zu diesen Zentren und Ketten von zahlreichen und anhaltenden Problemen, die unmittelbar die Versorgung und die Sicherheit der Patienten gefährden, führt der ONCD aus und verweist auf schwerwiegende Verstöße gegen Hygienevorschriften, Betrug bei der Krankenversicherung sowie illegale Berufsausübung. „Ganz zu schweigen von der Schande, die unserem Berufsstand durch Personen zugefügt wird, deren entwürdigende Handlungen in zweifelhaften Einrichtungen weder kontrolliert noch eingedämmt werden!” Diese Entwicklung sei sehr besorgniserregend, auch wenn der ONCD die jüngsten Entscheidungen der ARS zur Aussetzung oder Schließung von Einrichtungen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit begrüßt. Der ONCD als Berufsvertretung der französischen Zahnärztinnen und Zahnärzte wolle nun bei bekannt gewordenen Straftaten verstärkt Beschwerde gegen die Zentren und gegebenenfalls ihre Leiter und angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte einreichen. Die Berufsvertretung will stärker durchgreifen Parallel dazu plant der ONCD eine Aufwertung des Status des Praktikumsleiters (statut de maître de stage, MSUO) in Zahnarztzentren, insbesondere in unterversorgten Gebieten. Ziel sei, die pädagogische Betreuung der StudieFoto: BluedarkArt-stock.adobe.com zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (590) DENTALZENTREN VERSTOẞEN (IMMER NOCH) GEGEN DAS GESETZ Auszugsweise schildert der ONCD, wie dentale Zentren immer noch gegen das Gesetz verstoßen und dadurch die Patientensicherheit gefährden. Und wie lange es dauert, bis die Behörden gegen solche Übertretungen wirksam vorgehen. „ In einem zahnärztlichen Zentrum in Nanterre hatte das Gesundheitsamt (ARS Île-de-France, ARS IDF) im Januar 2025 schwerwiegende Mängel in Bezug auf Hygiene und Sterilität festgestellt und eine detaillierte Liste der Gesetzesverstöße Ende April 2025 übermittelt. Der Einrichtung wurde eine Frist von einem Monat eingeräumt, um die Defizite zu beheben. Im Juli entzogen die Krankenkassen (Caisse Primaire d'Assurance Maladie, CPAM) der Einrichtung aufgrund von ungerechtfertigten Zahlungen in Höhe von über 600.000 Euro die Zulassung. Die ARS IDF ordnete am 3. Oktober die Schließung des Zentrums an. Im August hatte die ARS IDF eine Einrichtung im Zentrum von Paris aus ähnlichen Gründen stillgelegt. „ Im Oktober setzte die ARS Provence-Alpes-Côte d'Azur (ARS PACA) in der Region Nizza die Zulassung eines Zentrums aus. Die Einrichtung hatte plötzlich dichtgemacht, ohne die Patienten darüber zu informieren, angeblich war wegen Urlaubs vorübergehend zu. Der Fall ist noch anhängig. „ Ende März wurde die Tätigkeit dreier Zahnarztzentren in Marseille von der ARS PACA wegen Gefährdung der Versorgung und der Patienten ausgesetzt. Die Einrichtungen wurden angewiesen, die festgestellten Mängel innerhalb von acht Tagen zu beheben. Da sie dieser Aufforderung nicht nachkamen, verkündete die ARS am 6. Mai ihre endgültige Schließung. „ Eine Zahnklinik im Departement Bouches-du-Rhône wurde von der ARS Paca endgültig geschlossen, da sie die für die Erteilung ihrer Zulassung erforderlichen Vorschriften nicht einhalten konnte. Zwei weitere Einrichtungen in der Region wurden gleichzeitig geschlossen, nachdem eine Kontrolle der ARS schwerwiegende Verstöße gegen die Hygienevorschriften aufgedeckt hatte, die die Sicherheit der Behandlungen gefährdeten. DENTALKETTEN UND -ZENTREN IN FRANKREICH Straftaten bedrohen weiterhin die Patientensicherheit Sozialversicherungsbetrug, Verstöße gegen Sicherheits- und Hygienestandards, illegale Berufsausübung: Dentalketten und -zentren stehen in Frankreich trotz strengerer Gesetze immer noch laufend vor Gericht. Wie kann das sein? Und was müsste sich tatsächlich ändern?

POLITIK | 21 renden zu stärken und Anreize für die Niederlassung in medizinisch unterversorgten Gebieten zu schaffen – und am Ende die Qualität der zahnärztlichen Versorgung in den Dentalzentren zu heben. Die Reform des dritten Zyklus in der Zahnmedizin (R3C) sieht zudem die Einführung eines Diplôme d'Études Supérieures (DES) in allgemeiner Zahnmedizin vor. Dabei geht es ebenfalls darum – durch die Verlängerung der Praktika, eine verbesserte Ausbildung der Praktikumsleiter sowie eine Stärkung der Vernetzung –, die Dentalzentren und -ketten stärker zu kontrollieren. Es sei jedoch unmöglich für den Verband, sich um all diese Verfehlungen zu kümmern und die Versäumnisse der ARS auszugleichen: Das Gesetz habe ihm weder die Befugnis, noch die finanziellen Mittel dafür gegeben. Hinzu komme, dass sich die Behörden selbst offenbar nicht immer gut mit den Gesetzen auskennen. So berichtet der ONCD über einen Fall, in dem ein Amt eine regionale Zahnärztekammer bat, die sogenannte Zoneneinteilung der Zahnarztzentren zu kontrollieren*. Diese Festlegung liegt allerdings im Zuständigkeitsbereich der ARS, woran die Kammer sie (das Gesundheitsministerium in Kopie) daraufhin freundlich erinnerte. ck *In Frankreich werden Zahnarztpraxen und -zentren zur Steuerung der Versorgung in verschiedene Zonen eingeteilt (Zonage des chirurgiens-dentistes). Diese Einteilung basiert auf der Dichte an Zahnärzten pro Einwohner in einer bestimmten Region und wird von den regionalen Gesundheitsbehörden (ARS) festgelegt. zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (591) DIE FRANZÖSISCHE ZAHNÄRZTEKAMMER ZUM UMGANG MIT DENTALKETTEN „Der alarmierendste Punkt ist die illegale Ausübung des Berufs!“ Warum kommt es trotz verschärfter Gesetze immer noch zu Betrügereien in den Dentalketten und -zentren – und was sind die Folgen? Wir haben Dr. Alain Durand, Präsident der Französischen Zahnärztekammer, und seine Vize Dr. Françoise GaillardFourcade gefragt. Frankreich hat seit drei Jahren ein Gesetz zur Regulierung der Dentalketten: Das am 20. Mai 2023 in Kraft getretene „Khattabi-Gesetz“ soll die missbräuchlichen Geschäftspraktiken in der Augen- und in der Zahnheilkunde beenden, die Qualität der Versorgung wiederherstellen und die Patienten vor derartigen Auswüchsen schützen. Sind Sie mit den Regelungen zufrieden? Dr. Alain Durand und Dr. Françoise Gaillard-Fourcade: Unsere Bilanz fällt gemischt aus. Wir begrüßen die konkreten Fortschritte durch dieses Gesetz, das wesentliche Schutzmechanismen wiederhergestellt hat, die wir seit Langem gefordert haben: Erstens die Wiedereinführung der Genehmigung durch die regionalen Gesundheitsbehörden ARS für jede Eröffnung eines Zentrums; zweitens die verstärkte Kontrolle der Führungskräfte auf Interessenkonflikte und drittens die gestärkte Rolle der Kammer bei der Überprüfung der Verträge und Diplome der in den Zentren angestellten Zahnärzte. Trotz dieser Instrumente sind wir jedoch der Ansicht, dass der Rahmen nach wie vor nicht ausreicht, um die Missstände in solchen zahnmedizinischen Zentren einzudämmen, deren Vereinsstruktur lediglich als Fassade für aggressive kommerzielle Interessen dient. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wird gleich durch mehrere gravierende Mängel eingeschränkt: „ mangelnde Fachkompetenz der ARS: Den ARS fehlt es an Zahnärzten in ihren Reihen. Ohne diese fachliche Expertise bleibt die Prüfung von Gesundheitsprojekten bei der Zulassung zu administrativ und es ermöglicht es nicht, abweichende, risikobehaftete Geschäftsmodelle zu erkennen. „ fehlende Vor-Ort-Kontrollen durch die Kammern: Derzeit erlaubt der gesetzliche Rahmen den Kammern nicht, Kontrollen durchzuführen, um die Einhaltung der Qualität und Sicherheit der Versorgung (Hygienebedingungen usw.) in den zahnmedizinischen Gesundheitszentren zu überprüfen. „ unzureichende Kontrolle der Zoneneinteilungen: Zudem wurden die zahnmedizinischen Versorgungszentren, die ursprünglich geschaffen wurden, um den Zugang zur Versorgung in unterversorgFrankreichs Zahnmedizin galt als Eldorado für Spekulanten: Fast 15 Jahre haben Investoren das System brutal abgezockt. Lesen Sie mehr zu den Hintergründen in der Titelgeschichte „Fini le Bluff“ (zm12/2023) – über den QR-Code.

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