Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 8

zm116 Nr. 08, 16.04.2026, (644) 74 | PRAXIS Was sie jedoch nicht zeigt, ist die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einzelner Praxisbereiche. Hinter einem guten Gesamtergebnis können sich nämlich sehr unterschiedliche Entwicklungen verbergen: „ Ein sehr rentabler Behandlungsbereich kompensiert einen schwachen Prophylaxe-Bereich. „ Ein Eigenlabor arbeitet wirtschaftlich weniger effizient als erwartet oder ist sogar negativ. „ Die Verwaltung wächst schneller als der Umsatz. Ohne eine differenzierte Betrachtung bleiben solche Entwicklungen oft lange Zeit unbemerkt, weil einzelne Bereiche sich gegenseitig tragen. Was ist eine ProfitcenterRechnung? Bei einer Profitcenter-Rechnung wird die Praxis betriebswirtschaftlich in einzelne Leistungsbereiche (Profitcenter) aufgeteilt. Für jedes dieser Profitcenter werden Umsätze, Kosten und Ergebnis separat betrachtet. Typische Profitcenter sind: „ Behandlung „ Prophylaxe „ Eigenlabor Denkbar sind weitere Unterteilungen: „ Kinderabteilung „ KFO „ Implantologie So wird sichtbar, welche Bereiche rentabel sind, in welchen lediglich kostendeckend gearbeitet wird und in welchen wirtschaftlicher Handlungsbedarf besteht. Die Praxis wird dadurch nicht nur als zahnmedizinische Einheit betrachtet, sondern auch als unternehmerisches System aus verschiedenen wirtschaftlichen Leistungsbereichen. In der Praxis erfolgt die Erstellung einer Profitcenter-Rechnung meist in mehreren Schritten: 1. Direkte Zuordnung von Kosten: Zunächst werden Kosten ermittelt, die sich eindeutig einem Bereich zuordnen lassen. Ein typisches Beispiel sind die Personalkosten, die meist direkt oder zumindest anhand der Wochenstunden anteilig zugeordnet werden: „ Prophylaxe-Mitarbeiterinnen Prophylaxe „ Zahntechniker Eigenlabor „ Assistenzpersonal Behandlung Auch der Materialeinkauf, die Instandhaltungskosten und die Abschreibungen lassen sich durch eine saubere Zuordnung innerhalb der Buchhaltung den entsprechenden Bereichen zuordnen. Das gilt ebenso für die Raumkosten, die sich anhand der genutzten Quadratmeter pro Bereich klar zuordnen lassen. 2. Verteilung gemeinsamer Kosten: Viele Kosten entstehen jedoch praxisübergreifend und lassen sich nicht direkt zuordnen, wie: „ Verwaltungskosten „ EDV „ Versicherungen „ Energie „ Reinigung Diese sogenannten Gemeinkosten werden daher nach betriebswirtschaftlich sinnvollen Kriterien verteilt, in vielen Praxen anteilig nach Umsatz, da Bereiche mit höherem Umsatz typischerweise auch einen größeren Anteil der Infrastruktur der Praxis nutzen. Analyse auf Mitarbeiterebene Die Profitcenter-Rechnung ist häufig nur der erste Schritt. In einem zweiten Schritt kann die Analyse noch weiter vertieft werden – bis auf die Ebene der einzelnen Leistungserbringer. Dabei wird untersucht: „ welchen Stundenumsatz einzelne Behandler oder Prophylaxe-Mitarbeiter erzielen, „ welche direkten Personalkosten diesen Umsätzen gegenüberstehen, „ und welcher Deckungsbeitrag pro Stunde daraus entsteht. Bei der Prophylaxe kann man diese Rechnung relativ einfach anstellen, indem zunächst der Umsatz pro Stunde abzüglich der direkten Personalkosten betrachtet wird. Bei Behandlern ist die Berechnung etwas komplexer, da zusätzlich die Assistenzkosten berücksichtigt werden müssen. Am Ende entsteht ein realistischeres Bild der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit einzelner Behandlungsstunden. Gerade diese Analyse auf Mitarbeiterebene liefert häufig sehr wertvolle Erkenntnisse für: „ Terminplanung „ Personalstruktur „ Leistungssteuerung Fazit Profitcenter-Rechnungen bringen Transparenz in die wirtschaftlichen Strukturen einer Zahnarztpraxis. Sie zeigen, welche Praxisbereiche tatsächlich zum Praxisergebnis beitragen und wo wirtschaftlich Luft nach oben ist. In Kombination mit einer Analyse auf Mitarbeiterebene lassen sich darüber hinaus Leistungskennzahlen wie Stundenumsätze und Deckungsbeiträge gezielt steuern. Damit werden Investitions-, Personal- und Strukturentscheidungen nicht mehr aus dem Bauch heraus getroffen, sondern auf Basis klarer betriebswirtschaftlicher Analysen. „ Bernhard Fuchs Kanzlei Fuchs & Stolz, Volkach Steuerberater Zahnärzteberatung Foto: privat Marcel Nehlsen Steuerberater, Diplom-Finanzwirt & Fachberater für das Gesundheitswesen Kanzlei Laufenberg Michels und Partner, Köln Foto: privat

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