Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

18 | PRAXIS DEBATTE ZUR RÜCKKEHR DER SYRERINNEN UND SYRER Zwischen Bleibewunsch und Aufbauhilfe 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrerinnen und Syrer sollen in ihre Heimat zurückkehren – so zitierte Bundeskanzler Friedrich Merz den „Wunsch“ des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa. Was wären die Folgen einer groß angelegten Rückkehr-Aktion syrischer Staatsangehöriger für den deutschen Arbeitsmarkt – insbesondere für die Zahnarztpraxen? Insgesamt 950.000 Syrerinnen und Syrer – ohne deutschen Pass – leben derzeit in Deutschland. Von ihnen waren im August 2025 laut Bundesagentur für Arbeit (BA) gut 260.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt, Tendenz steigend. Hinzu kommen die rund 250.000 Syrer, die sich seit 2016 haben einbürgern lassen und in der BA-Statistik als Deutsche geführt werden. 80.000 Syrerinnen und Syrer sind in Engpassberufen tätig Welche Folgen mehr als ein Jahrzehnt nach der großen Fluchtwelle eine Rückkehr dieser Dimension für den deutschen Arbeitsmarkt hätte, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) analysiert: So arbeiten bei uns allein Syrerinnen und Syrer sind in Deutschland beruflich auch in Zahnarztpraxen stark vertreten. Foto: Eduardo Sandoval/Wirestock Creators-stock.adobe.com zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (684) „DIE RICHTIGE FRAGE IST, WIE WIR QUALIFIZIERTE MENSCHEN BESSER INTEGRIEREN KÖNNEN“ „Ich halte wenig davon, einzelne politische Aussagen emotional zu bewerten oder daraus symbolische Debatten zu machen. Aus meiner Sicht geht es nicht um Prozentzahlen, sondern um Menschen, Leistung und Verantwortung. Gerade in der Zahnmedizin wissen viele nicht, wie anspruchsvoll der Weg für Kolleginnen und Kollegen mit einem ausländischen Abschluss in Deutschland ist. Sprachkurse, Fachsprachprüfung, Berufserlaubnis, Tätigkeit unter Aufsicht, Kenntnisprüfung, Approbation und weitere Assistenzzeit – bis zur vollständigen beruflichen Integration vergehen oft fünf bis sechs Jahre oder mehr. Wer diesen Weg erfolgreich geht, beweist Disziplin, Motivation und echte Integrationsbereitschaft. Mein Fokus liegt deshalb nicht auf politischen Schlagzeilen, sondern auf der Versorgung der Patientinnen und Patienten. Ich erlebe, dass in einigen Regionen Deutschlands Praxen schließen, weil Nachfolger fehlen – unter anderem in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Das ist die eigentliche Herausforderung, über die wir sprechen sollten. Die richtige Frage lautet daher nicht, wer zurückkehren soll, sondern wie wir qualifizierte Menschen schneller und besser integrieren können: mit klaren Regeln, weniger Bürokratie und verlässlichen Perspektiven. Wenn sich die Fragestellung ändert, ändern sich auch die Ergebnisse. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Vielfalt funktioniert. In meiner Praxis arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten, Kulturen und Religionen erfolgreich zusammen. Uns verbindet nicht die Herkunft, sondern Professionalität, Respekt und das gemeinsame Ziel, gute Zahnmedizin zu leisten. Am Ende zählt nicht, wo jemand geboren wurde. Entscheidend ist, wie jemand arbeitet, wie er mit Menschen umgeht und welchen Beitrag er für die Gesellschaft leistet.“ Foto: privat Yamen Aslan, selbstständiger Zahnarzt in Dresden

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