34 | TITEL LÄNGSSCHNITTERGEBNISSE DER DMS • 6 Prävention verbessert die Mundgesundheit lebenslang Die DMS • 6 zeigt, wie sich die Mundgesundheit über Jahre hinweg individuell entwickelt. Die Daten belegen, dass die Erfolge der Kariesprävention heute bis ins Erwachsenenalter reichen. Zugleich geht aus ihnen hervor, dass die Adoleszenz bei Karies und die Erwachsenenjahre bei Parodontitis die entscheidenden Phasen der Erkrankungsdynamik sind. Für die erstmals vorgenommenen Längsschnittanalysen wurden Teilnehmende der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) aus dem Jahr 2014 nach rund neun Jahren wieder untersucht. Anders als in den bisherigen Querschnittserhebungen konnten damit erstmals individuelle Veränderungen über die Zeit erfasst und Krankheitsverläufe genauer nachvollzogen werden. Prof. Dr. A. Rainer Jordan, Wissenschaftlicher Direktor des IDZ, hob bei der Vorstellung der DMS • 6 im Haus der Bundespressekonferenz den besonderen Wert dieses Ansatzes hervor: „Erstmals ist es möglich, nicht nur Prävalenzen zu beschreiben, sondern auch Neuerkrankungen und Krankheitsprogressionen über zwei Messzeitpunkte hinweg sichtbar zu machen.“ Mit 300 bis 400 erneut untersuchten Personen pro Altersgruppe sei dabei eine belastbare Grundlage für verlässliche Aussagen erreicht worden. Die Adoleszenz ist eine kritische Phase Für Jordan zeigen die Längsschnittdaten vor allem eines: „Die Erfolge der Kariesprävention in Deutschland sind nachhaltig und reichen inzwischen bis ins Erwachsenenalter!“ Die seit Jahrzehnten etablierte Präventionsstrategie mit Gruppen- und Individualprophylaxe, Früherkennung und Fluoridanwendung habe zu einem grundlegenden Wandel geführt – weg von der reparativen Versorgung, hin zu einer präventionsorientierten Zahnmedizin. Besonders deutlich werde der Shift bei Kindern und Jugendlichen. Zugleich beweisen die neuen Daten, dass die Adoleszenz eine kritische Phase bleibt. Von den ehemals kariesfreien Zwölfjährigen entwickelten innerhalb von neun Jahren 43 Prozent eine Karieserfahrung. Im Durchschnitt kommt in dieser Zeit ein betroffener Zahn hinzu. Lag zu Beginn bereits eine Karieserfahrung vor, war die weitere Progression noch wahrscheinlicher. Jordan wertete das als Hinweis darauf, dass die Prävention in der Jugend keineswegs an Bedeutung verliert. Im Gegenteil: Gerade in dieser Lebensphase müsse der präventive Fokus weiter hoch bleiben. In den folgenden Altersgruppen nimmt diese Dynamik wieder ab. Bei Erwachsenen und Senioren liegt die Progression zwar ebenfalls auf hohem Niveau, die Zuwächse sind aber deutlich kleiner. Im Mittel kommt bei den älteren Erwachsenen nur noch etwa ein halber Zahn und bei den Senioren noch weniger hinzu. Das spricht für Jordan dafür, Prof. Dr. A. Rainer Jordan, Wissenschaftlicher Direktor des IDZ, bei der Vorstellung der DMS • 6 im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin am 14. April. Foto: zm/br zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (700) HINTERGRUND ZUR DMS •6 Die DMS • 6 hat die Mundgesundheit der gesamten Bevölkerung in Deutschland untersucht. Dazu wurden von 2021 bis 2023 an 90 Untersuchungszentren in Deutschland rund 3.400 Menschen aus diversen Altersgruppen und sozialen Gruppen in einer repräsentativen Erhebung befragt und zahnmedizinisch-klinisch untersucht. Für die erstmals erhobenen Längsschnittergebnisse wurden Studienteilnehmende aus der DMS V von 2014 erneut untersucht. Folgende Altersgruppen nahmen an der Studie teil: n ältere Kinder (zwölfjährige) DMSVjunge Volljährige (20-Jährige) DMS • 6 n jüngere Erwachsene (35- bis 44-Jährige) DMS V ältere Erwachsene (43- bis 52-Jährige) DMS • 6 n jüngere Seniorinnen und Senioren (65- bis 74-Jährige) DMSVältere Seniorinnen und Senioren (73- bis 82-Jährige)
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