TITEL | 35 dass die Kariesdynamik vor allem in der Adoleszenz besondere Aufmerksamkeit verdient. Die DMS • 6 hat auch noch einmal die verwendeten Füllungsmaterialien unmittelbar vor dem faktischen Auslaufen von Amalgam erfasst. „Erwartungsgemäß zeigt sich, dass Amalgamfüllungen vor allem bei älteren Erwachsenen und Seniorinnen und Senioren noch verbreitet sind, bei Kindern dagegen praktisch keine Rolle mehr spielen“, berichtete Jordan. Was neue Restaurationsmaterialien betrifft, gebe es bei der Sekundärkaries keine systematischen Unterschiede zwischen Amalgamfüllungen und zahnfarbenen plastischen Füllungen. Für Jordan, im Hinblick auf die langfristige Füllungsqualität, eine eher beruhigende Botschaft. Bei Erwachsenen ist Parodontitis das Problem Einen zweiten Schwerpunkt setzt die Studie bei den Parodontalerkrankungen. Dabei verwies Jordan zunächst auf die hohe Krankheitslast, vor allem im höheren Alter. Nach der wissenschaftlichen Klassifikation leiden etwa 85 Prozent der Seniorinnen und Senioren unter einer Parodontitis. Etwa ein Viertel weist sogar eine sehr schwere Form im Stadium IV auf; ein weiteres Viertel eine schwere und ein weiteres eine mittelschwere Parodontitis. Gesunde parodontale Verhältnisse oder nur leichte Erkrankungen finden sich in dieser Altersgruppe kaum noch. „Entscheidend ist aber nicht allein die hohe Prävalenz im Alter, sondern die Frage, wann die wesentliche Krankheitsdynamik stattfindet“, machte Jordan klar. „Genau hier setzen die neuen DMS • 6-Längsschnittdaten an!“ Jordan erläuterte, dass die Zunahme der Sondierungstiefen bei Erwachsenen im Mittel nur 0,2 Millimeter in neun Jahren beträgt, bei Senioren sogar nur 0,1 Millimeter. Das sei zunächst überraschend gering. Noch wichtiger sei aber die Schlussfolgerung, die sich daraus ergibt: „Die Parodontitis verläuft eben nicht einfach linear und immer schwerer mit zunehmendem Alter. Vielmehr zeigen die Daten einen Peak der Krankheitsdynamik im Erwachsenenalter. Dort verdoppelt sich der Anteil schwerer Parodontalerkrankungen, während er bei den Senioren nur noch um rund 30 Prozent zunimmt.“ Auch bei der Inzidenz und Progression wird dieses Muster Jordan zufolge deutlich. Von den 35- bis 44-Jährigen, die zu Beginn noch parodontal gesund waren, entwickelten innerhalb von neun Jahren 63 Prozent eine Parodontitis. Bei den Seniorinnen und Senioren fiel dieser Anteil etwas geringer aus. Zugleich entwickelten 19 Prozent der bereits erkrankten Erwachsenen in diesem Zeitraum eine schwere Parodontitis. Für Jordan ist das ein klarer Hinweis darauf, dass die entscheidende Erkrankungsaktivität nicht erst im hohen Alter stattfindet, sondern bereits im mittleren Erwachsenenalter. Zahnverlust als kumulatives Endstadium Dieses Muster spiegelt sich auch beim Zahnverlust wider. Erwachsene mit keiner oder nur leichter Parodontitis zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (701) Abb. 1: Karieserfahrung: Inzidenz und Progression bei jungen Volljährigen Foto: IDZ – Institut der Deutschen Zahnärzte Abb. 2: Inzidenz und Progression der Parodontitis bei Erwachsenen sowie Seniorinnen und Senioren Foto: IDZ – Institut der Deutschen Zahnärzte
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