PRAXIS | 39 DIE ZFA: „NATÜRLICH HABE ICH GROẞES HEIMWEH“ Ich bin seit fünf Monaten in Deutschland und mache die Ausbildung zur ZFA in Königsbronn. Am Anfang war die Sprache weit mehr als nur Grammatik aus dem Lehrbuch. Die größte Hürde war es, ihren Rhythmus im Alltag und die Umgangssprache der Kollegen zu verstehen. Es kostet Überwindung, die Hemmungen beim Sprechen zu verlieren. Mittlerweile empfinde ich die Sprache aber als eine Brücke, um die Menschen hier zu verstehen. Ich schätze die Klarheit in der Kommunikation in Deutschland. Man weiß immer, woran man ist, weil Erwartungen offen ausgesprochen werden. Diese Transparenz und der respektvolle Umgang im Team, unabhängig von der Hierarchie, haben mir den Einstieg erleichtert. Als ich neu nach Deutschland kam, hatte ich viel Unterstützung, wurde überallhin begleitet, zum Beispiel bei den Behördengängen. Da ich in so jungen Jahren weit weg von zu Hause bin, hatte ich natürlich großes Heimweh nach meiner Heimat Vietnam. Meine Kollegen und mein Chef waren aber unglaublich engagiert. Um mir mit der Einsamkeit zu helfen, haben sie sogar Kontakt zu anderen Vietnamesen in der Nähe gesucht, damit ich Anschluss finde kann. Außerdem haben sie immer nach guten vietnamesischen Restaurants Ausschau gehalten und mich dorthin zum Essen eingeladen. Auch bei der Arbeit haben sie mich immer im Blick, unterstützen mich und erklären mir alles geduldig Schritt für Schritt. Ich fühle mich bisher wirklich wertgeschätzt und warm empfangen. Ly Nguyen (20) arbeitet als ZFA bei Praxisbetreiber Carlos Méndez zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (705) STATEMENTS AUS DER PRAXIS DER PRAXISBETREIBER: „EIN ZUGEWINN FÜR UNSERE PRAXIS!“ Die Zusammenarbeit hat für mich prima funktioniert: Die Auswahl der auszubildenden Fachkräfte hat gepasst. Außerdem waren sie im Vorfeld bereits gut vorbereitet. Auch die Zusammenarbeit mit dem Partner in Vietnam funktionierte reibungslos. Ich hatte den Eindruck, dass hier ein eingespieltes Team zusammenwirkt. Positiv in Erinnerung geblieben ist mir auch die persönliche Begleitung: Frau Ponweera hat die Auszubildende am Flughafen abgeholt und sie bis zu unserer Praxis nach Königsbronn begleitet. Vor Ort wurde sie zusätzlich bei organisatorischen Themen wie der Kontoeröffnung und so weiter unterstützt, was den Einstieg enorm erleichtert hat. Unsere ZFA ist insgesamt gut bei uns angekommen. Sie hat sich schnell integriert, sich bereits einen eigenen Freundeskreis aufgebaut und auch eine kleine Community gefunden. Sowohl in der Schule als auch in der Praxis entwickelt sie ausgesprochen gut. Selbstverständlich wird sie, wie jede andere Auszubildende auch, strukturiert eingearbeitet und eng durch unsere Ersthelferin begleitet. Der einzige größere Knackpunkt war die Wohnungssuche. Aber auch hier haben wir als Praxis versucht zu helfen und gemeinsam eine gute Lösung gefunden. In der kurzen Zeit hat sich unser Nachwuchs aus Vietnam toll ins Team-Gefüge eingearbeitet. Das hat auch mit ihrem extrem freundlichen Wesen zu tun und ihren guten Umgangsformen sowie den schnellen Fortschritten bei den Sprachkenntnissen. Sie ist emsig und fleißig. Ein Zugewinn für unsere Praxis! Carlos M. Mendez, IKC-Implantologisches Kompetenz Centrum GmbH/MVZ, Königsbronn sie als ausgesprochen lernbereit und mit einer schnellen Auffassungsgabe. Auf welche Herausforderungen treffen die Bewerber in Deutschland? Eines der größten Probleme ist tatsächlich, hier geeigneten Wohnraum zu finden. Die Mietpreise sind stark gestiegen, die Unterkunft sollte aber idealerweise nicht über 500 Euro liegen und muss über WLAN verfügen. Nur so bleiben die Auszubildenden finanziell handlungsfähig. Wir unterstützen daher auch bei der Suche nach Wohnraum – oft erst einmal mit einer Interimslösung in Form einer WG. Wirkliche Integrationsschwierigkeiten gab es bisher nicht. Oftmals fangen zwei Kandidatinnen gemeinsam die Ausbildung an und sind somit verbunden. Aber Heimweh kommt natürlich vor. Deshalb geht unsere Betreuung auch so weit, dass wir Azubis bei uns zu Hause zu Besuch hatten und gemeinsam vietnamesisch gekocht haben. Nähe und Zuwendung helfen beim Einleben. Wir möchten die jungen Menschen ja gerne auch hier bei uns behalten. Das Gespräch führte Laura Langer. Zahnarzt M. Carlos Mendez mit ZFA Ly Nguyen aus Vietnam Foto: Méndez
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