Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

38 | PRAXIS INTERVIEW MIT ALEXANDRA PONWEERA ZUR REKRUTIERUNG VON AZUBIS AUS VIETNAM „Beide Seiten sind dankbar für die Möglichkeit“ Alexandra Ponweera ist Praxismanagerin, ausgebildete Dentalhygienikerin sowie Gründerin der Agentur Advising Professionals. Sie vermittelt Auszubildende aus Vietnam auf dem deutschen Arbeitsmarkt und unterstützt sie bei der Eingliederung in ihr neues Leben. Was treibt sie dazu? Frau Ponweera, was war Ihre Motivation für die Vermittlung? Alexandra Ponweera: Die Motivation entstand vor allem durch den intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Ich bin schon lange im medizinischen Bereich unterwegs und kenne die Herausforderungen rund um den Fachkräftemangel. In vielen Gesprächen – sowohl im beruflichen Umfeld als auch afterwork am Stammtisch – bekam ich immer wieder mit, wie groß der Bedarf an Fachkräften ist und wie schwierig es geworden ist, geeigneten Nachwuchs zu finden. Diese Problematik hat mich dazu bewegt, selbst aktiv nach Lösungen zu suchen und auch über neue Wege nachzudenken. Der Blick ins Ausland, insbesondere nach Vietnam, hat sich dabei als sinnvoll erwiesen. Dort gibt es viele motivierte junge Menschen, die eine klare Perspektive in einer Ausbildung in Deutschland sehen. Was ist dabei Ihre Rolle? Als zentrale Schnittstelle zwischen allen Beteiligten begleite ich den gesamten Prozess: von der Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten über die Vorbereitung der Einreise bis hin zur Integration hier vor Ort. Ich sorge zudem dafür, dass alle Abläufe strukturiert, transparent und nachhaltig umgesetzt werden können. Wie funktioniert dieser Prozess und wer ist dabei alles beteiligt? Interessierte Kandidatinnen und Kandidaten werden im Vietnam in einer Sprachschule in Kooperation mit dem Goethe-Institut gezielt auf das Sprachniveau B1/B2 vorbereitet. Hierbei arbeite ich eng mit meinem lokalen Partner, dem Vision Institut Vietnam zusammen, das mehrere Sprachschulen betreibt und den Auszubildenden den Zugang zu offenen B1- und B2-Kursen ermöglicht. Anschließend werden mir die Kandidatinnen vorgestellt und gezielt an passende Ausbildungsbetriebe vermittelt. Ich begleite den gesamten Prozess koordinierend und stelle eine strukturierte sowie passgenaue Vermittlung sicher. Was müssen die Bewerberinnen und Bewerber an Qualifikationen mitbringen? Wie sieht es mit den Verträgen aus? Die ausländischen Auszubildenden müssen zunächst grundlegende Voraussetzungen erfüllen, insbesondere einen anerkannten Schulabschluss sowie Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 bis B2. Vertraglich erfolgt die Ausbildung auf Basis eines regulären Ausbildungsvertrags mit der Praxis. Parallel werden alle notwendigen Unterlagen für die Einreise und Anerkennung vorbereitet, inklusive Visumverfahren und behördlicher Anforderungen. Die Auszubildenden finanzieren ihre Ausbildung bis zum Sprachniveau B1. Den weiterführenden B2-Kurs sowie das gesamte Visumverfahren und die Einreise nach Deutschland organisieren und tragen sie eigenständig. Die Kosten belaufen sich erfahrungsgemäß auf etwa 3.000 bis 5.000 Euro. Durch die enge Zusammenarbeit mit meinem Partner und der Sprachschule in Vietnam ist sichergestellt, dass die Kandidatinnen und Kandidaten sprachlich und fachlich gut vorbereitet sind und der Einstieg in die Ausbildung möglichst reibungslos erfolgen kann. Sobald die Ausbildung beginnt, erhalten sie genau wie deutsche Auszubildende eine Ausbildungsvergütung. Die genaue Höhe der Vergütung sowie zusätzliche Leistungen wie Fahrtkostenzuschüsse, vermögenswirksame Leistungen und Weihnachtsgeld richten sich nach dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb und basieren in der Regel auf dem geltenden Tarifvertrag. Meine Arbeit sowie die Vermittlung werden durch den jeweiligen Ausbildungsbetrieb honoriert. Wie sind die Erfahrungen in den Zahnarztpraxen bislang? Das Feedback ist bisher durchweg positiv. Die Praxen nehmen die Azubis als äußerst motiviert und dankbar für die Möglichkeit der medizinischen Ausbildung in Deutschland wahr. Die jungen Frauen zeigen ein hohes Maß an Disziplin und Fleiß, das fällt auf. Manche von ihnen arbeiten sogar noch in einem Minijob nebenher, um etwas Geld nach Hause zu den Verwandten schicken zu können. Ist die Hemmung vor der Sprachbarriere erst einmal gesunken, zeigen sich einige bereits an Weiterbildungsmöglichkeiten interessiert. Auch ich erlebe zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (704) Alexandra Ponweera ist seit 30 Jahren in der Medizinbranche tätig und rekrutiert heute Auszubildende aus Vietnam. Als Vermittlerin unterstützt sie auch andere Branchen, wie die Gastronomie und das Handwerk dabei, qualifiziertes Fachpersonal zu finden. Foto: Alexandra Ponweera

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