MEDIZIN | 41 zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (707) STUDIE ZU KÜNSTLICHER INTELLIGENZ IM MEDIZINISCHEN ALLTAG KI-Schreibassistenten sparen spürbar Zeit bei der Dokumentation Mehr als ein Viertel ihrer Zeit verbringen US-Klinikärzte mit der Dokumentation der elektronischen Gesundheitsakte. Eine Studie zeigt, dass KI-basierte Schreibassistenten dabei helfen können, Zeit zu sparen: Um insgesamt 16 Minuten verringerte sich die reine Dokumentationszeit. Für die Dokumentation in der elektronischen Gesundheitsakte (Electronic Health Record, EHR) benötigen US-amerikanische Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern im Durchschnitt 2,3 Stunden – bei einer Patientenversorgung von acht Stunden. Eine Studie der University of California San Francisco hat nun untersucht, inwieweit KI-Schreibtools die Kliniker bei der Dokumentation entlasten können. Für die Kohortenstudie nutzen fünf USamerikanische Gesundheitseinrichtungen zwischen Juni 2023 und August 2025 verschiedene KI-basierte Schreibassistenten. Dabei handelt es sich um sogenannte Ambient-KI – intelligente Systeme, die während der Arzt-Patienten-Kontakte mithören und eigenständig Notizen anfertigen. Sie laufen kontinuierlich im Hintergrund mit, können Zusammenhänge erfassen und proaktiv agieren. Insgesamt nahmen 8.581 Klinikerinnen und Kliniker an der Studie teil, 1.809 von ihnen nutzen KI-Schreibassistenten. Von den Teilnehmenden waren 74,1 Prozent Fachärzte, 7,8 Prozent Ärzte in Weiterbildung und 18,1 Prozent klinische Fachkräfte mit erweiterten Aufgabenbereichen, vergleichbar mit den Physician Assistants in Deutschland. Die Zeitersparnis war in der Primärversorgung am größten Durch den Einsatz von KI-Schreibassistenten konnten sie die Zeit, die sie mit der EHR verbrachten, um 13,4 Minuten reduzieren. Die reine Dokumentationszeit verringerte sich sogar um 16 Minuten. Das ergab eine relative Zeitersparnis von drei beziehungsweise zehn Prozent. Außerdem konnten die Ärzte 0,49 zusätzliche Patientenkontakte pro Woche wahrnehmen. Die Zeitersparnis war für Ärzte in der Primärversorgung am höchsten im Vergleich zu den Kollegen, die das Tool nicht nutzten. Zudem zeigte sich ein Dosis-Wirkungs-Muster: Kliniker, die KI-Schreibassistenten bei mehr als der Hälfte ihrer Patientenkontakte nutzten, konnten signifikant mehr Zeit sparen als diejenigen mit geringerem KI-Einsatz. Laut den Forschenden wurde ein Teil der Zeitersparnis möglicherweise für andere patientenbezogene Aufgaben genutzt – etwa für das Überprüfen der Dokumentationen auf Genauigkeit, das Beantworten von Nachrichten oder das Durchsehen der Anamnese. LL Die Studie: Rotenstein, L. et al.: Changes in Clinician Time Expenditure and Visit Quantity With Adoption of Artificial Intelligence–Powered Scribes - A Multisite Study. JAMA, Published Online: April 1, 2026 doi: 10.1001/jama.2026.2253 Foto: Suriyo - adobe.stock.com
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