52 | ZAHNMEDIZIN AUSZEICHNUNG FÜR ZAHNMEDIZINISCHES PRÜFUNGSVERFAHREN So sind mündliche Tests fair, transparent und praxisnah Mehr Struktur, eine höhere Qualität, Vergleichbarkeit, damit die Ergebnisse valider werden – wie lassen sich in der Zahnmedizin die mündlichen Prüfungen verbessern? Der Hans-Günther-Sonntag-Preis 2026 ehrt Personen und Initiativen, die sich in besonderem Maß um die medizinische Lehre verdient gemacht haben. Der Preis wurde 2026 zum ersten Mal verliehen. Wie lassen sich mündliche Prüfungen fair, vergleichbar und kompetenzorientiert gestalten – und gleichzeitig den didaktischen Ansprüchen an die zahnmedizinische Lehre im klinischen Alltag gerecht werden? Dieser komplexen Frage widmet sich das prämierte Projekt der Arbeitsgruppe SMP in der Zahnmedizin. SMP steht für „strukturierte mündliche Prüfung”. Das fünfköpfige Projektteam setzt sich aus Dozentinnen und Dozenten der medizinischen Hochschulen in Freiburg, Mainz, Heidelberg und Homburg/Saar zusammen. Um über die unterschiedlichen Standorte hinweg effizient kooperieren zu können, hat sich die Arbeitsgruppe unter dem Dach des gemeinnützigen Instituts für Kommunikations- und Prüfungsforschung mit Sitz in Heidelberg angesiedelt. Initiiert und geleitet wird die Arbeitsgruppe von Jun.-Prof. Dr. Anna-Lena Hillebrecht, an der Klinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Freiburg. „Unser Team hat sich im Rahmen des Masterstudiengangs ‚Medical Education‘ kennengelernt und festgestellt, dass die Gestaltung mündlicher Prüfungen für uns alle mit den gleichen Herausforderungen einhergeht“, berichtet die Zahnmedizinerin. „Es ist schwierig, sie so zu gestalten, dass sie fachlich fundiert, fair und rechtssicher sind und valide erfassen, ob Prüflinge über das erforderliche Wissen beziehungsweise die relevanten Kompetenzen verfügen.“ SMPs sind laut Hillebrecht in der Entwicklung relativ aufwendig, ermöglichen durch höhere Strukturierung mehr Fairness und eine gezieltere Prüfung an relevanten Kompetenzen. Genau an diesem Punkt setzten die Mitglieder der Arbeitsgruppe an. Sie tauschten Erfahrungen aus und bündelten den Entwicklungsaufwand für die Prüfungen. Eine Kombination aus vielen Kompetenzen Auf diese Weise soll nach und nach ein übertragbarer Fragen-Pool entstehen, auf den die kooperierenden Hochschulen regelmäßig – für alle drei staatlichen Prüfungen der Zahnmedizin (Z1 bis Z3) – digital zugreifen können. Die Plattform ermöglicht außerdem strukturierte Reviewprozesse, um die Qualität, die Vergleichbarkeit und die Validität der Prüfungen kontinuierlich zu verbessern. Für die SMP-Plattform nutzt die Arbeitsgruppe die digitale Infrastruktur des Umbrella Consortiums for Assessment Networks (UCAN). Das UCAN ist der weltweit größte Verbund von Prüfungsverantwortlichen und wird getragen vom gemeinnützigen Institut für Kommunikations- und Prüfungsforschung. „Über UCAN können wir SMP gemeinsam entwickeln, speichern und austauschen“, erklärt Hillebrecht. Der so entstandene Pool sei vergleichbar mit gängigen Item-Banken für Multiple-Choice-Fragen. Ihr Projekt zu strukturierten mündlichen Prüfungen in der Zahnmedizin überzeugte die Jury des Hans-Günther-Sonntags-Preises: Alina Gruseck (4. vo. li.), Prof. Dr. Stefan Rupf (4. vo. re.), Dr. Anna-Lena Hillebrecht (3. vo. re.) und Dr. Sarah Rampf (2. vo. re.). Foto: Universitätsklinikum Heidelberg zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (718)
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