Zahnaerztliche Mitteilungen Nr. 9

54 | ZAHNMEDIZIN FALLBERICHT AUS DER MKG-CHIRURGIE Compound-Odontom als Eruptionshindernis Erik Würflein, Wiebke Semper-Hogg Bei einem 20-jährigen Patienten waren multiple Retentionen der Anlass für ein OPG, das dann ein ausgedehntes Compound-Odontom in der Unterkieferfront zeigte. Der Fall unterstreicht die Bedeutung einer dreidimensionalen Diagnostik für die OP-Planung sowie die Rolle autologer Knochentransplantate bei größeren mandibulären Defekten. Ein 20-jähriger systemisch gesunder Patient wurde nach Überweisung durch den Hauszahnarzt in der kieferchirurgischen Ambulanz vorgestellt. Hauptanlass war ein ausbleibender Zahndurchbruch mit multiplen Retentionslagen und persistierenden Milchzähnen. Klinisch zeigten sich keine extraoralen Auffälligkeiten. Parodontal war der Befund unauffällig. Die Erstvorstellung fand am 21. Oktober 2025 statt. In der initialen Bildgebung (OPG, ergänzend DVT) fanden sich multiple retinierte und verlagerte Zähne sowie eine ausgeprägte radiopake Raumforderung im rechten anterioren Unterkiefer. Zur Diagnosesicherung erfolgte am 31. Oktober 2025 eine Probeentnahme, die histologisch mit einem Compound-Odontom vereinbar war. Die definitive operative Therapie erfolgte am 21. Januar 2026 in Intubationsnarkose. Bildgebung und Diagnose Im präoperativen OPG (Abbildung 1) zeigte sich eine umschriebene, überwiegend radiopake Läsion in Regio 42– 44, vereinbar mit einem odontogenen Hartgewebstumor. Die Zähne 43 und 42 waren retiniert. Zusätzlich bestanden weitere Retentionen und Verlagerungen (18, 28, 36, 48 sowie 13 und 23). Die DVT (Abbildung 2) diente der dreidimensionalen Lokalisation der Läsion (circa 2,0 × 1,5 × 2,5 cm), der Beurteilung der Relation zu den Nachbarzähnen und der Lagebeziehung zu neurovaskulären Strukturen [Vanhoenacker et al., 2020]. Dabei zeigte sich eine Verdrängung des Nervus mentalis rechts in unmittelbarer Nachbarschaft zum Befund. Therapieplanung Primäre Ziele der Erstoperation waren die vollständige Resektion des Odontoms, die Sanierung nicht erhaltungswürdiger retinierter beziehungsweise verlagerter Zähne mittels Osteotomie sowie die Rekonstruktion des entstandenen mandibulären Defekts, um eine stabile Grundlage für die weitere funktionelle Rehabilitation zu schaffen. Die Retention der Zähne 42 und 43 wurde als durch die Läsion bedingte Eruptionsbarriere interpretiert. Nach Entfernung der Obstruktion ist eine Abb. 1: radiopake Läsion in Regio 42–44 bei einem 20-jährigen Patienten zm116 Nr. 09, 01.05.2026, (720)

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