ZAHNMEDIZIN | 55 sekundäre Freilegung mit Ankettung zur orthodontischen Traktion geplant. Operatives Vorgehen Die Operation erfolgte in nasaler Intubationsnarkose. Nach intraoraler Reinigung und Infiltrationsanästhesie im OP-Gebiet wurde zunächst autologe Beckenkammspongiosa gewonnen. Über einen Hautschnitt am Beckenkamm wurde ein Kortikalisdeckel osteotomiert, beiseitegelegt und Spongiosa mittels Trepanbohrer entnommen (Abbildung 3). Anschließend erfolgten Hämostase, schichtweiser Wundverschluss und steriler Verband. Intraoral wurden in Regio 18 und 48 Mukoperiostlappen gebildet, die Kieferkämme dargestellt und die retinierten Zähne durch Osteotomie mit der Kugelfräse freigelegt und entfernt. Der Zahn 48 konnte durch komplikationslose Hebelextraktion entfernt werden. Die persistierenden Milchzähne 72 und 85 wurden atraumatisch extrahiert. Im Unterkiefer wurde in Regio 35–45 eine paramarginale Schnittführung gewählt und der Unterkieferkörper bis zum Unterkieferrand dargestellt. Der Nervus mentalis wurde beidseits dargestellt und geschont. Linksseitig wurde der vollständig verlagerte Zahn 36 knöchern dargestellt. Der Nervus alveolaris inferior wurde intraoperativ dargestellt und konsequent geschont. Der Zahn 36 wurde mittels Osteotomie mobilisiert und entfernt. Der Nervverlauf zeigte sich jederzeit visuell intakt. Im Bereich 42–44 wurde die vestibuläre Kompakta osteotomiert, um das Odontom zu exponieren. Die Läsion wurde zunächst stückweise erschwert herausgemeißelt, da sich das Odontom nicht vom Knochen absetzen ließ und vollständig verknöchert war. Verbleibende Anteile wurden mittels Kugelfräse vollständig ausgefräst (Abbildung 4). Nach gründlicher Spülung und Kontrolle auf Restanteile wurde das Präparat zur histologischen Untersuchung eingesandt. Der knöcherne Defekt wurde mit autologer Beckenkammspongiosa aufgefüllt (Abbildung 5) und mit dem entnommenen Kortikalisdeckel abgedeckt. Der spannungsfreie Wundverschluss erfolgte mit resorbierbarem Nahtmaterial (Monocryl 4-0). Histopathologie Histologisch zeigten sich Anteile von Dentin neben vitalen spongiösen Knochenfragmenten. Unter Berücksichtigung der klinischen und radiologischen Befunde wurde das Bild als mit einem Compound-Odontom vereinbar beurteilt. Hinweise auf Malignität ergaben sich nicht. Postoperativer Verlauf und Nachsorge Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Der Patient blieb zur Überwachung und Schmerzeinstellung stationär und konnte am 24. Januar 2026 in gutem Allgemeinzustand entlassen werden. Die Sensibilität im Versorgungsgebiet des N. mentalis/N. alveolaris infezm116 Nr. 09, 01.05.2026, (721) Fotos: UK Freiburg Abb. 2 a-c: DVT koronal, sagittal, axial Abb. 3 a, b: Entnahme der Spongiosa am Beckenkamm a a c b b
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